Dienstag, 9. Mai 2017

Yichang für Fußkranke

Als Chenchen mir ihre Pläne für den nächsten Tag vorstellt, stöhne ich innerlich leise. Ruhe ist offensichtlich nicht vorgesehen - aber wofür auch? Ausruhen können wir ja auch zu Hause. Am nächsten Tag geht es also auf die Reise zum großen Staudamm, etwa 30 Kilometer von der Stadt entfernt. Gespannt bin ich schon: ich habe das fast fertige Bauwerk 2001 gesehen und möchte natürlich das vollendete Werk nun sehen. Von weitem droht uns ein pyramidengleicher Berg, der - gar keine Frage - zu erklimmen ist. Mir graut es und Elli geht es nicht anders. Wir haben am Vortrag schon ein tolles Bild abgegeben: Elli, die Asthmatikerin, die beim Aufstieg gekeucht hat wie eine Dampflock und ich dann mit meinem Starauftritt beim Herunterklettern über unzählige Treppen bei arthrosegeplagten Knien. Supersportler, so nach 3,5 Wochen intensiven Trainings. So meine ich es zumindest von den Gesichtern unserer chinesischen Gastgeber abgelesen zu haben. Würden sie natürlich nie sagen.


Gottergeben schleiche ich Richtung Aufgang zum Hügel. Dann sehe ich es: Rolltreppen. Komplett bis oben hin! DAS ist doch mal eine tolle Idee. Sollte man doch endlich mal in den Tempeln einführen. Da genießt sich die Aussicht auf Stausee und Schleusenanlage gleich viel mehr.


Danach fährt uns der Bus der riesigen Anlage zu einem kleinen Park. Rücksichtsvoll lässt uns Chenchen in ein Elektrobähnchen einsteigen, das zu Betreten ich mich unter anderen Umständen strikt geweigert hätte. Aber ich will ja niemand beleidigen. 


Nach kurzem Spaziergang geht es weiter mit dem Bus zum Bootsanleger. Auch hier ist an die Ermatteten gedacht: neben der Treppe gibt es auch eine Art Aufzug, mit der man über die Treppe elegant bis zum Schiff gleiten kann. Dann gilt es nur noch, die paar Stufen bis zum Zwischendeck zu erklimmen, bis man schon wieder erschöpft in einen Sessel gleiten kann. Und dort bleiben wir auch für die nächsten Stunden, während durch die riesigen Panoramafenster die Bergkulisse des Jangtse an uns vorbeizieht. Fast wie daheim.


Nach diesen anstrengenden Stunden können wir uns bei dem letzten Programmpunkt ausgiebig erholen. Wir werden in ein sehr originelles Restaurant, wohl ein ehemaliges Industriegebäude, eingeladen. Oberhalb des Gastraums, in dem sich auch eine kleine Bühne für Livemusik, die uns durch den Abend begleitet, befindet, gibt es eine Galerie, an deren Eckpunkten kleine verglaste Gasträume für Gruppen eingebaut sind. Sieht fast wie Baumhäuser aus. Sehr schnell wird serviert und wir kommen aus dem Schwärmen nicht heraus. Dies ist mit Abstand das beste Mahl, das uns bisher serviert wurde. Ein schöner Abschied von unseren neuen Freunden in Yichang.


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Der Staudamm

Typisch Chinesisches kleines Lokal

Schiffsrampe für Fußkranke

Klettern für Fußkranke

Yichang

Schon mehrfach hatte mich Guans Frau eingeladen, sie doch unbedingt einmal zu besuchen. Nun ließ sich der Besuch nicht länger verschieben und da Chenchen auch bei Elli schon zu Gast gewesen ist und wir schon viel Zeit miteinander verbracht haben, ist klar: kommt mit. Ich habe diesem kleinen Abstecher etwas beklommen entgegengesehen, weil ich keine Ahnung hatte, was uns erwartet. Bin mal vorsichtshalber davon ausgegangen, auf der Couch oder Luftmattraze in sehr engen Verhältnissen wohl mit den Eltern zusammen mühsam radebrechend und um das Bad kämpfend irgendwie die Zeit herumzubringen und mich dann in Shanghai von den Strapazen zu erholen. Soweit die Theorie.


Der Bus bringt uns also in vier Stunden nach Yichang, Chenchen funkt mir noch ein Foto, damit ich weiß, wie der Eingang des Busbahnhofs aussieht, auch wenn ich die Aufgabe, an der Endhaltestelle auszusteigen, für lösbar halte. Der Bus kommt an. Chenchen winkt, auch der kleine Sohn Yuyang ist dabei, schleppt - wohl aus Solidarität - auch einen kleinen Koffer mit sich. Große Wiedersehensfreude nach zwei Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben. Chenchen bedeutet, kurz zu warten, der Fahrer käme gleich. Ein Freund. Aha. Der taucht auch auf, zusammen mit einer bildhübschen Dame, die ihn begleitet. Chenchen stellt die beiden vor, sprechen kein Wort Englisch, haben aber dafür Autos. Und nicht gerade kleine: zunächst öffnet ein BMW X3 seine Pforten, dann wird für das restliche Gepäck noch ein großer Mazda SUV aufgeschlossen. Was für ein Service! Und das Programm geht dann auch gleich los. Wir sammeln noch eine weitere Freundin ein, die zum Dolmetschen eingespannt wurde. Dass ihre Englischkenntnisse auch nicht besser als die von Chenchen sind, ist völlig egal, da das Mädchen so nett und bemüht ist, zu erzählen und zu erklären, dass sie gleich unsere Sympathie hat. 


Wir bekommen erklärt, dass wir nun - nach einem kleinen Imbiss - erst einmal zu einem Platz der San You Dong - also die Höhle der drei Reisenden - heißt, fahren. Es gibt hierzu eine Geschichte von drei Poeten in der Tang-Dynastie, die sich dort verewigt haben. Nie davon gehört. Es regnet und entsprechend sind wenig Leute unterwegs, als wir uns eine ziemlich steile Treppe auf einen Hügel hinaufschleppen. Wir kommen an einem Übungsgelände mit Tarnnetzen und MG-Attrappen vorbei. Der kleine Yuyang ist begeistert und ahmt an einem Schießstand das Rattern von Maschinengewehren nach. Mutti ist begeistert, ich ein wenig befremdet, sage aber wenig, frage nur, was es mit diesem Gelände auf sich hat. Eine Art Freizeitspaß für Wehrsportler. Naja, wer's mag.


Wir klettern weiter und gehen einen Steig entlang, der einen Blick auf einen Nebenfluss des Yangtze gewährt. Dort ist dann ein richtiger Freizeitpark mit ziemlich schrottig aussehenden Karusells und ähnlichem; auf einer Brücke hört man von weitem einen Bungee-Springer kreischen. Wir werden gefragt, ob wir Lust dazu haben. Eher nicht.


Stoisch stapfen wir weiter durch den Regen, nichts besonderes erwartend. Irgendwann biegen wir dann in ein unscheinbares Felsloch ein, gehen durch Fledermaushöhlen und dann tut sich auf einmal ein riesiges Meer von Stalagtiten und Stalagmiten auf, geschickt ausgeleuchtet - das habe ich nun wirklich nicht erwartet.  Die Höhle ist fast einen Kilometer lang, bizarre Formen und unterirdische Duschen lassen uns staunen. Dass man der Natur an der einen oder anderen Stelle etwas auf die Sprünge geholfen hat - geschenkt. Und das ganze fast exklusiv für uns - ein Erlebnis!


Nach dieser Anstrengung ist es dann Zeit für den nächsten kleinen Imbiss. 


Am Abend geht es dann zu einem anderen Eingang des Parks. Dort erwartet uns die eigentliche Höhle der Dichter, sehr interessant ausgestaltet mit einer Multi-Media-Show, die mit starken Bildern die Geschichte an die Höhlenwände zaubert. Beeindruckend. Wir gehen durch den nächtlichen Park, der über dem Wasser hügelig angelegt und sehr geschickt ausgeleuchtet ist. Es erwarten uns viele Attraktionen, die dem chinesischen Spieltrieb entsprechen und meinem sehr entgegenkommen. Sehr angetan hat es mir ein Zufallsgenerator, der durch Handauflegen eine Sutra auswählt, die dann mit voller Dröhnung und bunten gebeamten Bildern auf eine große Buddha-Statue projiziert wird. Eine Art Ablass-Maschine, die je nach Länge der gewürfelten Sutra Heil verspricht. Oder so ähnlich.


Macht natürlich hungrig, also gehen wir wieder essen. Diesmal gibt es Flusskrabben in einem skurilen kleinen Lokal, in dem wir erst durch die Küche und dann über den Hinterhof (beides will kein Mensch sehen) bis in den ersten Stock geführt werden, wo es noch Tische gibt. Der Laden brummt, obwohl es bereits zehn Uhr ist. Schmeckt auch hervorragend, aber langsam würde ich schon gerne wissen, wo ich mein müdes Haupt betten kann.


Es folgt die nächste Überraschung: ein Hotel ist für uns gebucht und Chenchen mit Sohn checken auch mit ein. Deshalb der Koffer. Ich bin erleichtert. Und als ich dann mein Zimmer sehe, sogar begeistert: nagelneu, schön eingerichtet, fast schon luxuriös, mit grandiosem Blick auf den Yangtse. WOW!


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Holidaypark am Fluss