Dienstag, 30. Dezember 2008

Toleranzübung

Ich lese meine Zeitung meist – auch wenn’s manchmal wehtut – vollständig. Zumindest soweit mich der Schlaf nicht übermannt. Bezahlt ist schließlich bezahlt. Mäßig gefesselt nahm ich gestern zur Kenntnis, dass es in der Bundeskunsthalle zu Bonn eine Ausstellung mit dem Thema „Gandhara – Das buddhistische Erbe Pakistans“ gibt. Sicherlich nicht uninteressant, wäre es etwas weniger weit entfernt und hätte ich ein bisschen mehr Zeit würde ich vielleicht sogar hingehen. Allein um das dort bei solchen Anlässen gerne auftretende Bildungsbürgertum, auf dessen geschätzte fachkundige Äußerungen ich nur ungern verzichte, zu bewundern.

Da der Veranstalter bezüglich des zu erwartenden Publikums wohl so seine Bedenken hat, hat er ein interessantes Drumerherum-Programm geschnitzt. Da kann man so zum Beispiel unter dem Motto „Das Paradies der Tiere“ mehr über asiatische Tierkreiszeichen erfahren und einen eigenen Glücksbringer aus Ton modellieren. Mit dem Titel „Verknoten wie eine Brezel“ – der Kenner ahnt es bereits – wird nix schwäbisches sondern vielmehr eine Yoga-Einführung angepriesen. Das Event „Der Stupa – ein Haus mit fünf Elementen“, wo Teilnehmer einen eigenen kleinen Stupa, dem architektonischen Symbol für Frieden und Erleuchtung, schnitzen (Verbandszeug nicht vergessen!), wirft mich nun nicht mehr aus der Bahn, über die Veranstaltung „Buddha, der erleuchtete Königssohn“, bei der es gilt, eine Buddha-Statue aus Gips zu gießen und zu bemalen, muss ich dann aber doch etwas nachdenken.

Ich stelle mir so vor, wie gläubige asiatische Buddhisten darauf reagieren wenn Sie hören, dass bei uns zur Belustigung des Publikums im Rahmen einer Bastelstunde Abbilder ihres hochverehrten Religionsstifters geschaffen werden. Nach meiner Erfahrung: eher gelassen oder sogar amüsiert.

Dann stelle ich mir vor, wie es denn umgekehrt wäre, wenn hier also ruchbar würde, irgendwo in China gäbe es eine Ausstellung zum Thema, sagen wir mal: „Die heilige Inquisition“ und zur allgemeinen Belustigung könnte man dort aus Pappmaché Figürchen des Gekreuzigten basteln („Jeder nur ein Kreuz“!). Nein, ich glaube, hierzulande wäre man „not amused“...

Nun steigern wir das Ganze: man stelle sich vor, bei einer vergleichbaren Veranstaltung würden Abbilder des Gründers einer jungen, aufstrebenden Religionsgemeinschaft, die aktuell jede Menge von sich reden macht, geschaffen...nein, ich traue mich nicht, das zu Ende zu denken, geschweige denn zu schreiben...

Achja, Batman...

NIMM DAS!

Montag, 29. Dezember 2008

Von wegen...




..."einsam wacht", Herr Batman! Ich bin zwar keine Fledermaus, sondern nur die Xiaomaus (und würde viel lieber im warmen Körbchen kuscheln statt bei Eiseskälte durch die nachtschlafende Stadt zu schleichen)...aber immerhin.

Ich grüße alle LeidensgenossInnen, die auch keinen Urlaub gekriegt haben!

Samstag, 27. Dezember 2008

Kampfkünstler

Warum lernen Menschen Kampfkunst? - Hier eine überzeugende Antwort:

Link: Our Wonderful Nature

Freitag, 26. Dezember 2008

Heiligabend - Nachlese

Wie angekündigt habe ich am heiligsten Abend erst einmal meine Freundin aufgesucht und bin danach - heiter gestimmt durch ein paar Gläschen Sekt und die Erkenntnis, dass man sich in anderen Familien genauso auf die Bescherung, die schöne, freut - Richtung Rüsselhausen gefahren, um dort das Fest der Liebe zu begehen. Die handelnden Personen: des Wunderschlossers Patenkind, 6 Jahre. Die Kindsmutter und ihr Mann. Der Kindsmutter - gleichzeitig die Gastgeberin - und des Wunderschlossers leicht schwerhöriger Vater. Die Stiefgroßeltern von Kindsmutter und Wunderschlosser - er ziemlich schwerhörig, sie leicht - nebst erwachsenem Sohn (hört - bis jetzt - nach meiner Beobachtung noch recht gut) und die Eltern des Kindsvaters. Er nicht nur stark schwerhörig sondern weist auch stets stolz darauf hin, dass er ja nur ein „dummer Pälzer|“ sei. Ob das irgendwie selbstironisch gemeint ist, kann ich nicht feststellen, ich finde diese Selbsteinschätzung jedenfalls sehr treffend. Und ich finde es sehr schön, dass er die passende Frau fürs Leben gefunden hat.

In diesem Gruselkabinett verbringe ich seit Jahren den Heiligen Abend. Vielleicht mag dies der Einen oder Anderen eine Erklärung dafür bieten, dass mein Herz nicht eben voller Freude und Begeisterung ist, wenn dieser Abend ansteht. Alle Jahre wieder…

Einen Lichtblick gibt es aber: der Vater der Geschwister ist ein wahrer Kochmeister. Zwar mittlerweile im Ruhestand, hat aber nichts verlernt. Irgendwann ist aber leider angenehme Teil des Abends endgültig vorbei, man soll halt wirklich nicht mehr essen, als mit aller Gewalt hinein geht. Und dann steht Gemütlichkeit und Bescherung an. Der Knabe packt mit stoischer Miene die 100.000 Päckchen aus, wirft den Inhalt auf einen großen Haufen und ist irgendwann enttäuscht, dass es nicht weitergeht, weil tatsächlich irgendwann alles ausgepackt ist. Der Rest der anwesenden hat sich irgendwann genug an den “strahlenden Kinderaugen” gelabt und beschenkt sich gegenseitig. Nun ist traditionell schauspielerisches Talent gefragt. Ich bin allerdings angenehm überrascht: die Gastgeberin hat sich dieses Jahr entschlossen, statt irgendwelcher Sinnlos-Verlegenheits-Geschenke ein Stück Regenwald zu verschenken. Diese Idee finde ich wirklich sehr gut, nun muss ich wenigstens kein Plätzchen für irgendeinen Gimmick, den wirklich kein Mensch braucht (selbst ich nicht!), suchen. Sehr schön nach diesem Gutmensch-Öko-Geschenk: das Gesicht der Gastgeberin, als sie die Gabe ihrer geschätzten Schwiegermama auspackt: einen batteriebetriebenen elektrischen Dosenöffner. Gab’s wohl billig in irgendeiner dieser Werbekanäle, supersuper, die Schwiegermama ist ganz beseelt von ihrer eigenen wunderbaren Idee…und so geht es weiter.

Die ersten Mitspieler dieses Abends schnarchen bereits selig auf dem Sofa, allein das Kind ist noch hellwach. Wahllos greift es sich eines der Spiele, eine “Spongebob”-Version des alterwürdigen Monopoly. Ich erbarme mich, mitzuspielen. Immer noch besser als die Konversation. Irgendwann erinnere ich mich an die Spielregeln und als ich feststelle, dass niemand richtig aufpasst und auch der Wunderschlosser, der die Bank verwaltet, offensichtlich nicht gerade die Aufgabe seines Lebens gefunden hat, fange ich an, gnadenlos Fantasiemieten für meine Grundstücke auszurufen. Ich bin bald reich, das Kind bettelarm. Könnte er schon lesen, könnte er einfach mal auf meine Karten schauen. Aber so ist das halt manchmal im Leben. Auf jeden Fall hat er heute eine sehr lehrreiche Lektion zum Thema “Kapitalismus” bekommen. Für weitere stehe ich gern zur Verfügung.

Auch dieser Abend ist irgendwann überstanden, schon auf der Heimfahrt löst sich die Spannung, ich weiß: nun kann es nur noch aufwärts gehen!

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Weihnachtsblues'le


Heute ist Heilig Abend (nur so zur Info für die, die es noch nicht mitgekriegt haben...). Das gute an diesen Feiertagen ist, dass man ausschlafen kann. Wenn ich weiter aufzählen soll, wird's allerdings etwas eng.

Wie ich da jetzt drauf komm'? Ganz einfach: ich habe einen kleinen Bruder. Nicht in echt sondern mehr so zwangsadoptiert. Der junge Mann ist Anfang 20 und stammt aus der schönen Stadt Changsha, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan. Nach glaubhaften Zeugenberichten so ziemlich das einzige, was es über diese Stadt zu sagen gibt. Achja: In den Jahren 1912 bis 1918 lebte Mao Zedong als Student in Changsha. In dieser Zeit erfolgte seine Hinwendung zum Kommunismus. Allerdings kehrte er bereits im April 1919 wieder nach Changsha zurück, wo er seine erste Ehefrau Yang Kaihui heiratete. Soviel Bildungsinput muss dann schon sein.

Der kleine Bruder ist ein sehr tapferer junger Mann. Er versucht nämlich, Deutsch zu lernen. Und das im tiefsten Schwarzwald. Seit September ist er nun hier und enträtselt die Mysterien unseres schönen Landes und unserer nicht minder schönen Sprache. Das ist auch für mich sehr spannend, weil er mir Fragen stellt, auf die ich im Leben nicht käme.

Heute morgen beim Frühstücks-Chat wollte er nun wissen, wie ich Weihnachten verbringe. Und je mehr ich aufzählte, um so mehr sank meine Stimmung...gut, es gibt auch Treffen mit Menschen, die mir wirklich sehr am Herzen liegen und auf die ich mich freue, aber im großen und ganzen: im nächsten Jahr verreise ich (das sage ich jedes Jahr so ab Dezember, habe dann aber immer keinen Urlaubstag mehr übrig...)!
Da hilft wohl nur eins - wie nennt die Jugend das heute? Vorlöten??

Bis gleich, Frau Docter - stell' schonmal den Sekt kalt!

In diesem Sinne: ein fröhliches Weihnachtsfest und: Überlebt's!

Sonntag, 21. Dezember 2008

Des Rätsels Lösung...

Nachdem mich mittlerweile einige Leute angesprochen haben, die wirklich gerne wüssten, wer der junge Mann auf dem Video ist, will ich das Adventsgeschenk vom 17.12. mal auspacken (jetzt kommt wahrscheinlich gleich "neeee, echt??"):

Also, bekanntlich kucke ich ja eher selten fern. Zum einen bin ich eh' ziemlich selten zu Hause und zum anderen verplempere ich meine Zeit lieber mit anderen sinnlosen Dingen wie z.B. Posts für meinen Blog bauen. Es gibt allerdings eine kleine Ausnahme: Dienstags ab 21.15 h wird die Glotze zum Altar, nämlich wenn Dr. House das Krankenhaus betritt. Dafür allein hat sich die Anschaffung eines DVD-Rekorders schon voll ausgezahlt. Und so sitze ich jedes Wochenende vor der Mattscheibe und genieße den übellaunigsten und misanthropischsten Doc den die Fernsehgeschichte je gesehen hat.

Das weiß auch der Oster und hat mich hinterhältig auf Henrike­s Blog gelotst: "kuck mal ob, du's errätst". Da saß ich dann und grübelte, als ein Wunderschlosser an mir vorbei schlurfte, einen ganz kurzen Blick auf den Bildschirm warf "ach, Dr. House..."Mein Gesicht war bestimmt nicht schlecht. Nun werden wir also nie erfahren, ob ich irgendwann selbst drauf gekommen wäre.

Egal, ich habe ein bißchen recherchiert. Dr. House erfreute sich in seinem früheren Leben in Großbritannien einer gewissen Bekanntheit, und zwar als Part des Komiker-Pärchens "Fry and Laurie". Und was die beiden so abgezogen haben, ist einfach nur toll. In wunderbarer "Monty-Phytons"-Tradition britischer Humor, wie ich ihn liebe. Hier deshalb noch ein sehr kurzes, aber hübsches Stückchen:




Achja, es kann übrigens auch schreiben: gerade habe ich das Buch "Bockmist" von Hugh Laurie erstanden.
Ein ziemlich schräges Schelmenstück über einen Sicherheitsberater, der sich unversehens in einer internationalen Affäre um Drogen- und Waffenhandel verwickelt sieht. Also eine Geschichte, die das Leben schrieb.

Samstag, 20. Dezember 2008

Grandios

Gestern war ich bei Hagen Rether. Ich habe ja schon einige Gastauftritte von ihm bewundern dürfen, aber jetzt, endlich: ein ganzer Abend mit IHM. Keine lange Rede - da isser! Tief luftholen, entspannen und guuuut zuhören!



Wer noch kein Weihnachtsgeschenk für mich hat: es gibt da zwei CDs, Liebe und Liebe zwei...

Freitag, 19. Dezember 2008

Heut morgen im ICE

Weihnachtszeit ist ja hierzulande Reisezeit. Ich habe den Eindruck, die Woche vor Weihnachten ist so unsere „Golden Week“, wo sich alles auf die Füße macht, um mit der trauten Familie zu feiern. Und wie traut da am Ende gefeiert wird, ist dann ja jedes Jahr dem Polizeibericht zu entnehmen...aber ich schweife ab: als ich heute morgen in aller Herrgottsfrühe den Rock’n’Roll-Train (das wird er, wenn ich das neue Machwerk der Combo „AC/DC“ – sehr zu empfehlen! – voll dröhnen lasse) Richtung downtown Stuttgart entere, begleitet mich eine Großfamilie, die Kinderlein wie sich’s gehört orgelpfeifenmäßig von geschätzten 3 bis etwa 16 Jahre alt. Schicksalsergeben lasse ich mich auf meinem Stammplatz fallen. Ich könnte ja auch woanders hingehen, aber ich sitze immer auf diesem Platz in Wagen 5 und habe auch schon mal einen weggebissen, der es gewagt hat, den anzusteuern. Die Familie, die sich wohl auf Weltreise befindet, stemmt ihre gefühlten 150 Gepäckstücke in die Fächer, die Kids balgen sich lautstark um die Plätze, als eines der älteren Kinder sich Gehör verschafft: „Ruhe! Hier sind bestimmt Leute, die schlafen wollen“ Geküsst seist du, mein Kind! Das Mädchen befiehlt den jüngeren Geschwistern die Schlafstarre und verordnet den älteren ein Spiel. Man einigt sich auf „Stadt-Land-Fluss“. Nostalgische Gefühle werden bei mir wach, statt zu schlafen, lausche ich jetzt doch neugierig dem Geschehen. Nach längerer Diskussion wird beschlossen, die Flüsse aus dem Spiel zu nehmen, „weil die so schwierig sind“. Also so leicht haben wir es uns nicht gemacht! Nicht das ich die geringste Ahnung hätte (googeln giltet nicht!), welcher Fluss mit „Y“ anfängt...aber da ist halt Fantasie und Durchsetzungsvermögen gefragt – insofern schult dieses Spiel nach wie vor für’s Leben: Souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit! Soll doch mal einer beweisen, dass es keinen Fluss namens Yniver gibt!

Egal, die Kids wollen keine Flüsse und im Verlauf des Spiels stellt sich heraus, dass auch die anderen Sparten zum Teil unüberwindbare Hürden darstellen (der „Lateinlehrer“ als Beruf hat mir aber gefallen). Gnadenlos werden die Spielregeln solange gefoltert, bis ich fast so weit bin, rüberzulaufen um vorzuschlagen, einfach nur „Wörter“ zu sammeln – d a s sollte ja wohl drin sein.

Ich will es dann aber gar nicht wissen, stöpsele mir die Mucke in die Ohren und schwebe von sphärischen Klängen getragen („War Machine“ – mein Lieblingsstück der neuen „Black Ice“-CD) nach Stuggi.

Heute Nachmittag ist wahrscheinlich wieder Bodenlager auf der Heimfahrt angesagt, weil die Bahn natürlich nicht damit rechnen kann, dass am Freitag vor Weihnachten vielleicht der eine oder andere Reisende mehr unterwegs ist – bin schon sehr gespannt, mit welchen Szenen ich dann wieder unterhalten werde.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Adventsgeschenk 2

...und weil wir alle so brav waren, gibt's den noch hinterher:

Adventsgeschenk

Seht mal, was ich für ein Kleinod gefunden habe:



Na, wer hat ihn erkannt??

Sonntag, 14. Dezember 2008

Oh du fröhliche...II


In dieser wunderbaren Zeit der Besinnlichkeit, in der man endlich mal zur Ruhe kommt (nicht lachen, das ist ernst!!) mache ich mir gerne mal so meine Gedanken. Auch darüber, wie bei anderen Völkern so die Adventszeit begangen wird.

Ja, der/die Kenner/in ahnt es bereits - dies wird wieder einmal ein kleiner Blick zu unseren possierlichen Freunden im Süden.
Gestern erhielt ich einen Frontbericht, den ich aus aktuellem Anlass erst heute veröffentlichen möchte. Da isser:

"Vielleich legst Du Wert auf einen Umtrunk à la Z., der mit seinem Verein Glühwein gesoffen hat und dabei die für die Schmerzensgeldbemessung wichtige Frage diskutierte, in welchen Stellungen Patienten mit defektem Hüftgelenk ihren ehelichen Verpflichtungen nachkommen können. Darüber hat sich ein Mediziner in einer Fachzeitschrift ausgelassen und seinen Text mit Piktogrammen illustriert. Ich platzte in die Diskussion, weil ich von Z. eine Zweitunterschrift für eine Notfristerklärung brauchte (meine Gruppenleiterin und ihre Stellvertreterin waren ja krank!). Er hielt mir dann mit irgendeinem lockeren Spruch den Text mit den Bildern unter die Nase, worauf ich in Verkennung der Zusammenhänge und zum Gaudium der Glühweinsäufer anmerkte, mit so etwas könne ich nichts anfangen - für chinesische Kampfkünste sei Frau Xiaomo (da stand was anneres, d i e war aber gemeint - d.A.) zuständig.
Aber ernsthaft: Wäre die hochentwickelte, chinesische Beischlafkultur nicht ein attraktiver Untrerrichtsgegenstand für Euren Verein? Etwa nach dem Motto:
Der Kranichhahn lehrt seine Henne,
wie sie mit ihm chinesisch penne"

Wir danken für diesen Bericht aus Stuttgart und freuen uns auf weitere...


Ach, das hätte ich nicht verbreiten sollen? Weiss doch eh jeder, was ich für eine Plaudertasche bin und die kleine Geschichte hat mir auf jeden Fall mein Siechtum versüßt...

Samstag, 13. Dezember 2008

Oh du fröhliche...

Weihnachtszeit, Zeit des Fests der Liebe....(und natürlich auch die letzte Chance, nochmal schnell einen dicken Batzen Steuern zurückzubekommen, so mal ganz nüchtern betrachtet).

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die beiden Hübschen, um die es hier geht, wahrscheinlich erst eben jetzt bei Lektüre dieser Zeilen auf diese profane Idee kommen. Still und heimlich haben sich doch da tatsächlich Michael und sein Engel getraut

Warum ich das hier so breit austratsche: Darum!


So zu lesen in der heutigen Ausgabe der AZ (die ich mir zur Feier des Tages umsonst habe aufdrängen lassen).

Ich bin zwar etwas grantig, dass ich nix gewusst habe - aber dennoch meine weihnachtlich-milden herzlichen Glückwünsche. Und wenn ihr geglaubt habt, Euch durch Geheimnistuerei das Feiern zu sparen - VERGESST ES!!

Sonntag, 7. Dezember 2008

Freitag, 5. Dezember 2008

HoHoHo....

Draußen vom Walde, da komme ich her – so oder so ähnlich hieß es früher immer, nachdem mein Vater sich mit irgendeiner lauwarmen Entschuldigung („ich muss mal nach der Heizung kucken, die klingt so komisch...“) vom Acker machte. Immer ausgerechnet dann, wenn kurze Zeit später an kräftig gebauter älterer Herr mit langem Rauschebart Einlass begehrte und dann uns Kinder zur mündlichen Verhandlung lud.

Sodann wurde Beweis erhoben über unsere Behauptung, „immer lieb gewesen“ zu sein. Nach einer ziemlich schlampigen Ermittlung, die ich heute jedem mit der Aufklärung eines Sachverhalts Befassten um die Ohren schlagen würde, erfolgte regelmäßig eine Verfahrenseinstellung gem. § 170 StPO aus Mangel an Beweisen. Als Wiedergutmachung für unhaltbare Anschuldigen wurden wir abschließend mit Süßkram abgefüttert. Mutmaßlich um uns davon abzuhalten, Anzeige gem. § 187 StGB wg. Verleumdung zu erstatten. Aber wir waren ja bestechlich und es ging jedes mal gut. Wir waren halt schon Weicheier....Kurz darauf kam der Vater wieder, der natürlich nichts mitbekommen hatte. Ich hatte schon früh einen Verdacht über mögliche Zusammenhänge. Vielleicht hat meine mangelnde Bereitschaft an Märchen zu glauben, sich letztlich doch in meiner Berufswahl manifestiert...

Aber das war ja alles Kinderkram, wirklich Angst hatten wir ja nicht. Wir wussten ja eh, dass man uns nichts nachweisen kann. Außerdem war die Figur ja nicht wirklich furchteinflößend.

Als ich allerdings heute den U-Bahn-Schacht entlanglief und die heutige Version des gütigen St. Nikolaus betrachtete, dachte ich mir schon: die Kids, die da nicht wenigstens mal kurz schlucken müssen, sind echt kernig drauf!


Montag, 1. Dezember 2008

Saviour of the Universe

In der längst vergangenen Zeit, in der ich Kind war und Twix noch Raider hieß, kamen langsam aber sicher ausgesprochene Kinder-Programme in Mode. Obwohl die Fernseh-Geräte noch überwiegend in schwarz-weiß ausstrahlten, gab es doch schon erste Serien wie Bugs Bunny und der rosarote Panther, die zumindest in meiner Erinnerung knallbunt waren. Es folgten Serien mit pädagogischem Anspruch, frisch aus Ami-Land importiert und die meisten Kinder in meiner Umgebung liebten die Sesam-Straße. Ich habe sie gehasst. Viel größer war meine Begeisterung für die wunderbar anarchische Muppets-Show, die unter Verzicht auf jegliche political correctness einfach nur Spaß gemacht hat. Obwohl es die Muppets-Show offiziell leider schon lange nicht mehr gibt, fühle ich mich nach so manchem turbulenten Arbeitstag so, als hätte ich gerade an einem Drehtag mitgewirkt….

Mein erklärter Lieblings-Showteil war das Sequel „Schweine im Weltraum“. Was habe ich mit Miss Piggy gebangt, wenn es um die Rettung der Welt ging!

Wie groß ist allerdings meine Freude zu sehen, dass sich im Weltraum wieder etwas tut. Und nicht irgendwelche Schweine, nein – leckere Jungs treiben sich da jetzt rum!




Ich stelle vor: Zhang Chenyang, genannt Laohei (张晨阳 - 老黑) – für mich der würdigste Nachfolger von Flash Gordon (hier Miss Piggy zu nennen traue ich mich dann doch nicht…)!

Um an dieser Stelle den alten Schüttelspeer, der’s ja schon immer gewusst hat, zu zitieren: „O Wunder! Was gibt's für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist! Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!“

Sonntag, 30. November 2008

Mein Misstrauen ist geweckt

Nachdem ich mir gestern so elegant den Wind habe aus den Segeln nehmen lassen, bin ich der „Die-tut-nix“-Geschichte ein wenig nachgegangen. Was ich da so gefunden habe, fand ich sehr erhellend. Es gibt da eine sehr hübsche T-Shirt Kollektion, der man eine durchaus lebensnahe Geschichte entnehmen kann:

Ad 1:













Ad 2:












und dann – die ganz große Überraschung!

Ad 3:













(Für Menschen mit Alterssehschwäche: da steht „Das hat sie ja noch nie gemacht“) Und diesen Satz habe ich in meiner Laufbahn als Schadenssachbearbeiterin nun weißgott oft genug gehört!

Achja, Geschichten, die das Leben schreibt…

Bravheitsattest

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich, nunja, Hunden mit gesundem Respekt entgegentrete. Wenn man’s ganz genau formulieren wollte, könnte man auch sagen, ich habe Heidenschiss vor den Viechern.
Nun will es das Schicksal, dass meine Lieblings-Laufstrecke auf den Feldern zwischen Gonsenheim und Bretzenheim gleichzeitig ein Hunde-Mekka ist und ich so massig Gelegenheit zur Konfrontationstherapie habe. Solange die vierbeinigen Freunde an der Leine oder brav „bei Fuß“ gehen, ist das ja alles kein Thema. Allerdings sehe ich auch sehr häufig Gespanne unterwegs, bei denen ziemlich klar ist, wer hier „Herr“ und wer nur „Herrchen“ ist. Nicht sehr vertrauenserweckend.

Heute laufe ich also friedlich meines Wegs, da galoppiert mir wieder einmal so ein herrenloses Geschöpf entgegen, Besitzer irgendwo am Horizont mit mutmaßlich eher wenig Möglichkeiten, Einfluss auf das Verhaltens seines Wauzis zu nehmen. In solchen Fällen gebe ich dann schon gerne mal den freundlichen Hinweis, dass es für Menschen mit leichten Angststörungen nicht die reine Freude ist, unbewaffnet der Gefahr entgegenzutreten…da betrachte ich mir das Tier näher: ein halbhohes Kurzhaar-Modell, das mich schwanzwedelnd mit großen Augen neugierig anschaut. Es trägt ein Brustgeschirr auf dem in großer Schrift aufgemalt ist „DIE TUT NIX“.




Da muss ich dann aber doch lachen und bin leider nicht mehr in der Lage, Herrchen ordnungsgemäß anzupfeifen. Das ganze schöne Adrenalin passé – wie soll ich so arbeiten???

Donnerstag, 27. November 2008

Für’n A....

Alle Jahre wieder Auftakt zu dem selben Schauspiel: pünktlich am 1. September kommen die ersten Lebkuchen, Spekulatius (in diesem Jahr besonders gern genommen...) und Dominosteine in die Läden. Pünktlich am 2. September ertönt allüberall der Aufschrei „jedes Jahr geht das früher los, wo bleibt denn der Geist von Weihnachten, das passt doch überhaupt nicht zur Jahreszeit, nur weil gewisse Herrschaften den Hals nicht vollkriegen können...usw“.


Mal ganz davon abgesehen, dass ich die guten Elisabethen-Lebkuchen auch im September sehr lecker finde und auch so ein Domina-(hups!)Steinchen zu schätzen weiß – vielleicht habe ich da etwas nicht mitgekriegt: gibt es da mittlerweile eine Zwangsverordnung zum Verzehr von Weihnachts-Leckerli („Nichtverzehr wird mit einem Bußgeld nicht unter 100 EUR bestraft“)? Sehr rätselhaft, das...


Was ich ebenfalls mit größtem Interesse beobachte, ist die ideenreiche Schöpfung von Weihnachtseditionen („nur für kurze Zeit“). Finde ich ganz toll. Den ganzen nicht verkauften Schrott kann man dann nämlich nach dem großen Fest zum halben Preis abstauben – für die Schwäbin in mir (langsam dringt’s halt durch) eine tolle Sache, sich nach Weihnachten zu verabreden, weil es vorher einfach zu hektisch ist und dann die (reduzierten, hehe...) Weihnachtsgeschenke zu präsentieren. Da gibt es ja eine ganze Menge jenseits des Schnuckelzeug-Angebots, was da so mit Lametta und Christbaumkugeln verziert auf den Markt geworfen wird. Sehe ich alles ganz pragmatisch und leidenschaftslos.


Beim Studium der heutigen Angebote bin ich aber auf einen Artikel gestoßen, da ist selbst mir erst einmal die Luft weggeblieben: Da bietet ein Toilettenpapier-Hersteller mit dem schönen Namen „Happy End“ (was an sich ja schon sehr putzig ist) sein Produkt „Mit Spekulatiusduft“ feil!


D a s ist doch mal eine richtig tolle Idee! Wieder einmal ein Mangel, dessen Beseitigung die Welt mit Begeisterung feiern wird. Eine klaffende Lücke, deren Verfüllung den Kreislauf endlich schließt – oben werden die Gutsjer eingefüllt und auch nach der Verdauung mit Weihnachtsduft von dieser Welt verabschiedet. Wunderbar.

Sonntag, 23. November 2008

Winter Blues'le

Ich hatte zwar schon Anfang Oktober 'mal vorgejammert, heute ist es aber definitiv wirklich so weit: Winter! Mühevoll habe ich mich über die Felder gequält, eisekalter Wind bläst mir ins Gesicht, leichter Schnee und grauer Himmel...ich bin gottfroh, als ich meine 10 Kilometer abgearbeitet und auch noch pflichtschuldigst meine Taiji-Übungen absolviert habe, immer die Stimme meines Lehrers im Ohr "Kreise, Kreise..." achja...

Ermattet und leicht deprimiert von dem Wetter und der Aussicht, die nächsten Monate in Trübnis und Dunkelheit zu verbringen, fahre ich den Rechner hoch um zu schauen, ob meine Blog-Brüder und -Schwestern irgendwelche göttlichen Eingebungen hatten, an denen sie die Welt teilhaben lassen möchten.

Ich stelle fest, dass der geistige Winterschlaf nicht nur bei mir eingesetzt hat.

Nun gut, vielleicht der richtige Moment, um einfach mal darüber nachzudenken, warum ich mich eigentlich regelmäßig hinsetze und irgendetwas hinschreibe (dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich das dann hinterher auch noch durchlesen, ist ja mal ein ganz anders Thema...). Warum ich den Blog eröffnet habe ist klar: mein geschätzter Kollege, großer Bruder und "Racker"-Besitzer fragte mich eines Tages, ob es eigentlich schwer ist, zu bloggen. Nach kurzer Überlegung, wen ich so kenne, der da so bloggt, war klar: das muß ganz einfach sein. Gesagt getan, das Ding eingerichtet und losgeschrieben. Natürlich ohne Erklärung wieso, weshalb, warum. Ich habe gesehen, dass eigentlich alle Blogger, die irgendeinen Plan verfolgten, irgendwann den Pfad der Tugend verlassen haben. Dann lieber gleich planlos.
Und so schreibe ich munter drauf los, was wir so ein- und auffällt und was mir auf die Nerven geht. Und ich stelle fest, dass diese Maßnahme im Rahmen der Psycho-Hygiene eine richtig feine Sache ist. Oder einfacher: kotz' dich frei - Spaß dabei!

So, und nun habe ich auch wieder einen Post hingekriegt, der Osters Umschau um nichts nachsteht.

Bleibt nur die Frage: knirschst du noch oder bloggst du schon?


Was der Frosch damit zu tun hat? Gar nichts - ist mir nur bei einer Recherche in die Finger gefallen und hat mich verzückt...

Freitag, 21. November 2008

Der Blutzikade

Neulich hörte ich meinen Haus-Sender „Rockland“. Neben viel Lala aus meiner Jugendzeit vertreibt sich dieser Sender auch die Zeit mit kleinen Berichtchen. An diesem Tag amüsierte sich der Moderator über die Wahl des „Insekts des Jahres 2009“. Die diesjährige Wahl fiel auf...(Trommelwirbel): die Blutzikade! Zu meiner Empörung musste ich hören, wie der Sprecher sich über diese Meldung lustig machte, während des Vortrags mehrfach laut hörbar gähnte und jede Menge Spott über das Kuratorium, dass diese Wahl getroffen hat, ergoss. Da hat sich so ein kleiner unscheinbarer Krabbler mal den Weg ganz nach oben an die Spitze des Ruhms geklettert und dann: nur Hohn statt Applaus!



Diese Ungerechtigkeit kann ich so nicht dulden – also: anders als der Name vermuten lässt, ernährt sich das harmlose, neun bis elf Millimeter lange Tierchen mit dem auffallend roten Muster auf den Flügeln nur von Pflanzensäften. Mit ihrer roten Warnfarbe täuscht die Blutzikade Gefährlichkeit nur vor. Wie viele Zikadenarten singt auch die Blutzikade (Cercopis vulnerata) mit einem besonderen Organ an den Seiten des Hinterleibs, dem Tymbal. Allerdings ist das Zirpen so leise, dass es für Menschen kaum hörbar ist.


Liebe Blutzikade, auch wenn ich die Einzige sein sollte: ich höre dich und ich bin stolz auf dich!


Achja, über den Igel, das Tier des Jahres 2009, hat sich keiner lustig gemacht. Aber Igel sind ja auch niedlich...




P.S. Entgegen anders lautender Vermutungen entstehen meine Posts nicht im Rausch.

Ich betrinke mich immer erst hinterher...

Donnerstag, 20. November 2008

Schöne Worte

In meiner Jugend hatte ich einmal einen Freund, der...nunja...auf einem anderen Stern zu Hause war. Was mich begeisterte, war sein wunderbares Klavierspiel und ich konnte stundenlang ergriffen zusehen und lauschen, wenn er selbstvergessen mit viel Herz und Pathos die Weisen des Konstantin W. vortrug. Wie gesagt, ich war noch sehr jung. Er fühlte sich selbst als Künstler und es gab nichts, was unreflektiert geäußert wurde. Jeder noch so banale Gedanke wurde auf mögliches Gewicht hin untersucht, bevor er zum besten gegeben wurde. Künstler halt. Der Punkt, an dem ich einsehen musste, dass ich dem jungen Mann geistig einfach nicht gewachsen war, war als er eines Tages beim gemeinsamen Kochen in der WG verträumt eine Auflaufform in den Arm nahm und mir mit leuchtenden Augen verkündete: „Gebutterte Auflaufform! – Sprich das doch mal! Diese Worte gehen wie Samt über die Lippen.“ Es folgten weitere begeisterte Ausführungen über Wörter und Worte die man „einfach so“ dahin sagen könne und wohl auch müsse, um eine innere Saite zum Klingen zu bringen. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Ist nach Australien ausgewandert. Nicht unbedingt zu meinem Bedauern.

Jetzt, so viele Jahre später habe ich endlich „mein“ Wort gefunden – hier ist es:



Als ich an diesem Hinweis vorbeilief, traf es mich wie ein Blitz – die Folge der Konsonanten in wunderbarer Harmonie mit den Vokalen, der Rhythmus der Silben....d a s ist Musik. Das sind jetzt aber m e i n e Worte. Du, lieber Leser, musst schon deine eigenen finden!

Mittwoch, 19. November 2008

Ode an’s Örtchen

(mangels dichterischer Fähigkeiten in Prosa)


Heute ist Welttoilettentag. Als ich auf diese kleine Meldung gestoßen bin und mich erst einmal vergewissert habe, dass ich nicht ein älteres Zeitungsexemplar (von so um den 1. April herum) in Händen halte, habe ich mich kurz schlaugemacht: ja – sämtliche Online-Gazetten verkünden es ebenfalls.

Gut, also wieder einmal ein wichtiger Gedenktag, den es zu ehren gilt. Mit einem Gläschen Sekt gewappnet laufe ich also zum hiesigen Denkmal und stoße gemeinsam mit einer Kollegin auf den Ehrentag an.



Ich habe gelernt, dass der Durchschnittseuropäer sich durchschnittlich 6 mal am Tag zur Meditation niederlässt. Bei mir, als bekennender Tee- und Biertrinkerin darf’s auch das oder andere mal mehr sein. Hierzulande ist dieses Örtchen meist in einem Zustand, der eigentlich keiner Erwähnung bedarf. Funktional, mehr oder weniger sauber – aber wehe, wenn nicht! Über kaum ein Thema wird so laut gejammert, wenn mal irgendetwas nicht stimmt. Ich kann mich noch bestens an eine Betriebsversammlung erinnern, in der geschlagene zwei Stunden über das Thema „Klopapier“ auf das leidenschaftlichste diskutiert wurde. Die Frage ob 2-lagig oder 3-lagig, öko oder eher nicht, erhitzte die Gemüter derart, dass andere Petitessen wie mögliche Schließung der Geschäftsstelle völlig in den Hintergrund gerieten.


Wenn man gerade von einem Land wie – sagen wir mal – China zurückkehrt und fassungslos einer solchen Veranstaltung beiwohnt, ist es gar nicht so einfach, hysterisches Gekicher zu unterbinden. Bei meiner ersten Reise in’s gelobte Land Anfang der 90iger Jahre war der Gang zur Toilette noch ein echtes Abenteuer. Immerhin habe ich nach einem...kleinen Missverständnis...sehr schnell das Zeichen „女“ (Weibchen) gelernt. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, kann man aber sehr viel Spaß bei diesem ortsüblichen Gruppenereignis finden. Auf dem Land ist es nach wie vor so, dass man an einer langen Rinne nebeneinander hockt, manchmal durch eine halbhohe Mauer getrennt, natürlich ohne Tür, sonst kann man sich ja gar nicht sehen und das ist für die Kommunikation gar nicht gut. In den großen Städten wird allerdings wie bei uns alles anonymer. Anlässlich der Olympiade wurden größte Anstrengungen unternommen, die öffentlichen Toiletten auf westlichen Standard zu heben. Wenn die Chinesen etwas machen, machen sie es gerne gründlich, und so gibt in Peking mittlerweise 5-Sterne-Klos. Und wieder verschwindet ein Stückchen Kultur...


Spaßbremsen!

Montag, 17. November 2008

Für Oster

....der’s mal wieder ganz genau wissen will:

Monatliches Durchschnittsbrutto-Einkommen: 1962 890,-- DM
VW Käfer 3.900,-- DM
Miete um 1960 120,-- DM
Kühlschrank 1965 350,-- DM

Quelle: http://www.hifi-studio.de/hifi-klassiker/preisentwicklung.htm

1962 betragen die Ausgaben für Lebensmittel durchschnittlich 42,6% des Verdienstes.

So viel Arbeit kostet 1 Kilogramm Brot:
Im Jahr 1960: 20 Minuten Im Jahr 2006: 10 Minuten
So viel Arbeit kosten 250 Gramm Butter:
Im Jahr 1960: 39 Minuten Im Jahr 2006: 4 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Kilogramm Zucker:
Im Jahr 1960: 30 Minuten Im Jahr 2006: 5 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Liter Milch:
Im Jahr 1960: 11 Minuten Im Jahr 2006: 3 Minuten
So viel Arbeit kosten 10 Eier:
Im Jahr 1960: 51 Minuten Im Jahr 2006: 7 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Kilogramm Rindfleisch zum Kochen:
Im Jahr 1960: 124 Minuten Im Jahr 2006: 29 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Schweinekotelett:
Im Jahr 1960: 157 Minuten Im Jahr 2006: 31 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Brathähnchen:
Im Jahr 1960: 133 Minuten Im Jahr 2006: 11 Minuten
So viel Arbeit kosten 500 Gramm Bohnenkaffee:
Im Jahr 1960: 213 Minuten Im Jahr 2006: 20 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Liter Normalbenzin:
Im Jahr 1960: 14 Minuten Im Jahr 2006: 6 Minuten.

Quelle: http://www.rp-online.de/public/bildershowinline/aktuelles/wirtschaft/news/26064

Merke: es wird alles billiger (aber nicht unbedingt besser...)

Sonntag, 16. November 2008

Unsere kleine Stadt

Dieser Tage spazierte ich anlässlich eines Stadtbummels die heimische Gaugasse bergan. Seit dem Ausbau der Straßenbahngleise 2004 ist die Steigung in der Gaustraße mit 9,549% die steilste Streckenführung einer Straßenbahn ohne Steighilfe (z.B. Zahnradbahn oder Seilbahn) in Deutschland. Merkt man auch, wenn man ohne Steighilfe hochtrottet. Kann man ganz schon außer Puste geraten. Respekt den Radfahrern, die das strampelnderweise bewältigen. Gerne auf dem Trottoir, weil es auf der Gass’ mit den Schienen so gefährlich ist (**knurr**).

Vor über 20 Jahren habe ich in dieser Gegend eine Lehre begonnen und wurde traditionsgemäß von den Gesellinnen immer zum Frühstückeinkaufen geschickt und mit kleineren Besorgungen betraut. Damals war die Gaugass’ eine Welt für sich: lauter kuschelige kleine inhabergeführte Lädchen, eines davon hatte einen Aushang „Dieser Laden arbeitet ohne Profit. War nicht so geplant, hat sich aber so ergeben.“ Das war wahrscheinlich irgendwie witzig gemeint, traf aber wohl auf die meisten dieser Geschäftchen zu. Es kam wie es wohl kommen musste, immer mehr von diesen Sozialeinrichtungen schlossen ihre Tore (na ja, wohl eher Pförtchen…) und ich habe mit großem Bedauern dem Untergang ziemlich hilflos zugesehen. Nun sehe ich mit großer Freude, dass langsam wieder „Leben in die Bude“ kommt. Da gibt es kleine Galerien und viele winzige neue Nischengeschäfte, von denen ich hoffe, dass sie überleben werden. Was mich aber am meisten gefreut hat, war die Neueröffnung eines Schusterladens. In den letzten Jahren haben immer mehr dieser Handwerksbetriebe geschlossen und Mr. Minit und Konsorten das Feld überlassen. War ja auch ein Ausdruck unserer Wegwerfgesellschaft: wenn irgendetwas nicht mehr 100%ig taugt – wegschmeißen – Neues kaufen! Nun geht das auf einmal nicht mehr locker von der Hand, es wird deutlich mehr gespart und ich habe den Eindruck, dass es sich immer mehr herumspricht, dass der Erwerb billiger Dinge am Ende viel teuerer kommt als der Kauf hochwertiger – und entsprechend in der Anschaffung auch hochpreisiger – Gegenstände, die zum einen einfach länger halten und zum anderen auch repariert werden können. Gut zu wissen: es gibt sie noch, die guten Dinge!

Wenn das eine Folge der Wirtschaftskrise ist, dann hat es in meinen Augen letztlich doch ein gutes. Achja, wenn man gegenüberstellt, wie lange ein Durchschnittsverdiener in den 60iger Jahren für ein Pfund Butter arbeiten musste, stellt man fest, dass wir heute nur noch einen Bruchteil des damaligen Preises bezahlen. Sollte man auch mal drüber nachdenken…

Samstag, 15. November 2008

Gurken

Mit Angstschweiß habe ich dieser Tage meiner Tageszeitung eine ungeheuerliche Pressemeldung als Aufmacher auf dem Titelblatt entnehmen müssen: Ab 01. Juli 2009 geht es mit unserer Zivilisation bergab – „das Ende der EU-Gurke naht“ barmt das heimische Käseblatt. Die Salatgurke (Cucumis sativus) darf dann wieder gekrümmt sein. Doch damit nicht genug: auch knollige Karotten wird es dann wieder geben! Ich frage mich, wo soll das hinführen? Entziehen solche Maßnahmen nicht über kurz oder lang den EU-Beamten ihre Existenzberechtigung? Diese Frage muss man sich stellen! Nicht nur, dass unsere Arbeitslosenquote alles andere als rosig ist und unsere Sozialsysteme den Ausfall einer solchen Menge hochqualifizierter und auch hochbezahlter Beitragszahler kaum verkraften könnten (achso, die zahlen gar nicht? Echt??) – nein, viele ausrangierte Politiker genießen im Schoße der EU ihren Arbeitslebens-Abend. Nicht auszudenken, wenn man die wieder zurückholte!



























Ich fordere daher ein Notprogramm „Reglementierung jetzt!“ – wäre doch gelacht, wenn einem da nichts einfiele.



Freitag, 14. November 2008

Zum Geburtstag


Leider strapaziert meine berufliche Tätigkeit derzeit mein Zeitkonto weit über Gebühr, so dass es mir kaum gelingt, wichtige Ereignisse aktuell zu kommentieren. So bin ich wohl einer der letzten Gratulantinnen, die dem großartigen Vicco von Bülow zum 85. Geburtstag ihre Segenswünsche übermittelt.


Ich möchte auf keinen Fall an die unzähligen Geschichten, Zeichnungen, Sketche und Filme, allerdings auch an fast unverzeihliche Missetaten (ich sage nur: „Ich wünsch’ mir ‚ne kleine Miezekatze“) erinnern, das haben andere bereits in aller Ausführlichkeit getan.


Aber an eine Großtat des Meisters, in meinen Augen d a s Vermächtnis, musste ich gerade heute mehrmals denken: das endgültige Ausräumen des Irrglaubens, man müsse nur lange genug miteinander reden, um einander zu verstehen!


In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Loriot

Mittwoch, 12. November 2008

Luschtig


Was dem Ami sein „Nineeleven“ ist dem Meenzer (Määnzer? Wie ist eigentlich der Stand in diesem Glaubenskrieg??) sein 11.11. Eben ein magisches Datum, das Emotionen weckt. Bei mir ist es tiefer Abscheu. Bei ersterem aus naheliegenden Gründen, bei dem Zweitgenannten eher wegen tiefgreifender traumatischer Kindheitserlebnisse. Darum bin ich ja auch so glücklich, in Stuttgart arbeiten zu dürfen. Einer pietistisch-protestantisch geprägten Gegend, in der höchst ungern gefeiert wird. Das heißt nicht, dass man es nicht oft tut, aber eben ungern. So hatte ich letzten Fassenachtsdienstag, der auch in Stuttgart mittlerweile halbherzig begangen wird, ein sehr erhellendes Erlebnis: während meiner S-Bahnfahrt zum Bahnhof bestieg ein als Frosch gewandeter älterer Herr das Gefährt, zog sich die grüne Mütze vom Haupt, wischte die Schminke aus dem Gesicht und stoßseufzte: „Gottseidankisdessendlichvorbei“.

Fast wie bei uns zu Haus. Oder genauer: bei mir zu Haus. Allerdings muss ich einräumen, dass mein Verhältnis zur Fassenacht mittlerweile eher zwiespältig ist, vielleicht Folge zunehmender Altersmilde, nostalgische Gefühle...wie auch immer: es bleibt dabei – wenn ich daheim bin, werden Türen und Fenster verrammelt aber wenn es mich irgendwie nach außerhalb verschlägt, ja, ich muss es gestehen: ich kucke tatsächlich „Meenz, bleibt Määnz“ (elegant gelöst das Problem, gell?). Und wenn alles vorbei ist, dann denke ich manchmal ernsthaft, och, es ist soviel Zeit vergangen, vielleicht könnte man ja wirklich mal wieder auf eine Sitzung gehen, Zug kucken...was man halt so tut. Nächstes Jahr. Und bis dahin habe ich mich ja wohl hoffentlich wieder erholt von der Nostalgika.

Und so möchte ich dieses Thema abschließen mit den Worten des Mainzer Finanzchefs Merkator: „Un is die Stadt aach noch so pleite, die Fastnacht duut’s uns net verleide!“

Montag, 10. November 2008

Gruselkabinett

Heute bin ich seit langer Zeit mal wieder in's benachbarte Wiesbaden gefahren. Als ich über die Schiersteiner Brücke gezuckelt bin, wäre ich beinah in die Leitplanke gerutscht: wirbt der hessische Nachbar doch unverhohlen mit Kinderarbeit!


Auf dem Rückweg in die Zivilisation gruselte mich das nächste Plakat mit einem unvermissverständlichen "Wir machen's einfach" an. Schauder.


Morgen wieder last exit Stuttgart-Feuersee. Ist besser für die Nerven.

Sonntag, 9. November 2008

Schnatter

Ich lese gerne antizyklisch. Das bedeutet, dass ich im Sommer, oder genauer: wenn es sehr warm ist – heutzutage ist das ja nicht zwingend gleichbedeutend - gerne Bücher lese, die in einer erfrischenden Gegend handeln, zum Beispiel in der Nähe von Spitzbergen oder so. Im Winter darf es dann gerne etwas mit Spielfeld Tropen sein, es sei denn, ich liege gerade sehr warm eingekuschelt auf meiner Couch mit einer warmen Katze auf dem Bauch, vielleicht einem Tässchen Glühwein in den Tatzen… Unter dieser Voraussetzung – aber nur dann! – lasse ich mir auch eine Handlung mit nass, kalt und eklig gefallen. Steigert sogar das Wohlbefinden. Leider habe ich vergessen, welcher bekannte englische Exzentriker im Winter einen Landstreicher bezahlte, damit er mehrmals am Haus vorbeilief, laut klagend „ach, ist mir kalt“ damit seine Gäste das kuschelige Kaminfeuer und den warmen Grog gleich noch einmal so sehr schätzten. Es funktioniert. Und zwar bestens. Leider auch umgekehrt. So muss ich jeden Morgen bei ekelhaftester Witterung an einem riesigen Plakat vorbei, das meine Gänsehaut zur Buckelpiste macht.


Liebe Seenotretter, ich habe größtes Verständnis für euer Anliegen und eure Botschaft ist angekommen. Jedenfalls bei mir. Ihr habt doch sicherlich auch was mit Karibik und Palmen, da ist ja auch viel Meer und gefährlich ist es dort auch…bittebitte, nur für den Winter…

Samstag, 8. November 2008

Vivat!


Was heißt hier "das Ü-Ei"? - Die Welt ist gerettet!!!

Freitag, 7. November 2008

Kehraus


Noch nie hat ein Post meines Blogs für soviel, naja, Gesprächsstoff gesorgt wie der von gestern. Auf jeden Fall ist es jetzt amtlich: ja, es wird gelesen, was ich schreibe. Ist ja auch mal gut zu wissen.

Sei dem auch wie - ich fühle mich zu einer Klarstellung genötigt (ich weiß ja schon, wer den anonymen Zettel heimlich auf meiner Tastatur abgelegt hat...):

"Entgegen den blödsinnigen Behauptungen hergelaufener Industrienomaden im mittleren Management südwestdeutscher Weltkonzerne ist die schwäbische Kehrwoche weder eine ortsübliche fundamentalistische Nationalreligion noch Ersatzbefriedigung für frustierte Putzteufel, sondern eine vom berühmten (?? d.A.) Grafen Eberhard im Bart verfügte, in fünf Jahrhunderten bewährte seuchenhygienische Präventionsmaßnahme nach dem ökologisch wie soziologisch sinnvollen Verursachungsprinzip unter strikter Anwendung des basisdemokratischen Rotationsverfahrens."

Sagt Gerhard Raff.
Sollte vielleicht mehr lesen von dem Mann. Danke nochmal, Herr Kollege.

Achja, bei der Gelegenheit noch eine Klarstellung: ich wurde schwabenfeindlicher Umtriebe geziehen - hier mein Coming Out: ich MAG sie, meine Schwaben!

ich mag auch meine Haustiere...

Mittwoch, 5. November 2008

Waldeslust


Als gestandene Rheinhessin und erklärte Lokalpatriotin kann ich nicht davon ablassen, hin und wieder von der Lebensart unserer possierlichen Freunde im Süden der Republik zu berichten. Auch heute durfte ich einmal wieder Zeugin einer Drolligkeit werden, von der ich der Welt gerne berichten möchte:

Es hat sich ja mittlerweile auch in zivilisierten Teilen des Landes herumgesprochen, dass im Schwabenland mit Hingabe ein Ritual gepflegt wird, dass sich „Kehrwoche“ nennt. Auch bei uns wird ja gelegentlich mal zum Besen gegriffen, allerdings meist, weil es dreckig ist und nicht, weil Samstag ist. Ich glaube, der allgemeine Unverstand der Zugezogenen für dieses tief verwurzelte Brauchtum ist der Schlüssel dafür, dass sich die „Eing’schmecktn“ niemals mit den Eingeborenen wirklich werden verbrüdern können.

Deutschland ist schön. Und Stuttgart ist sauber. Soweit, so gut.

Wie ernst die Sache aber wirklich ist, konnte ich heute erleben. Gutgelaunt von einem kleinen Ausflug in’s Schlaraffenland zurückkehrend, fuhr ich mit meinem geschätzten Kollegen, großen Bruder und „Racker“-Besitzer durch die Wälder und Auen Richtung Stadt, als ich plötzlich am Wegesrand einer Gruppe fleissiger Waldarbeiter gewahr wurde, die emsig dabei war, den Wald von dem unordentlich im Wald und auf der Straße herumliegenden Laub mittels Laubsauger zu befreien. Nach anfänglicher Fassungslosigkeit dachte ich mir: diesen Einsatz lob’ ich mir! Was sind wir bei uns zu Hause doch für Schlamper. Ich hatte zwar zu meinen Freundinnen beim sonntäglichen Lauf durch den Gonsenheimer Forst schon im Scherz bemerkt, dass „hier auch mal jemand die Gass’ kehrn könnt“, aber d a s macht mich denn doch sprachlos…

Von den Schwaben lernen heißt Ordnung lernen! Jawoll!!

Samstag, 1. November 2008

Kunst III

Bei meinem gestrigen Post habe ich doch beinah einen der ganz großen Hoffnungen der Menschheit unterschlagen: Hagen Rether. Ist aber ok, der Mann verdient einen eigenen Post. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen und gehört habe, wie er im freundlichen Plauderton - das Klavier plätscherte im Hintergrund freundlich vor sich hin - die bösartigsten kleinen Geschichten erzählte...ja, ich muss gestehen: da stockte mir der Atem. Da will ich nicht lang schreiben: hingehen - kucken - hören!! Kommt übrigens demnächst nach Mainz...

Freitag, 31. Oktober 2008

Kunst II

Ich hatte ja schon voller Freude bemerkt, dass die Kunst lebt und fröhlich’ Urständ feiert. Gerade bei den Dilettanten dieses Landes. Heute möchte ich mich einmal den Profis auf diesem Gebiet widmen.


Da gibt es zum Beispiel Helden, die sich dadurch ein Denkmal setzen, dass sie sich möglichst verquaste und umständliche Namen verpassen. Warum muss sich eine Combo unbedingt „U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ nennen? In welchem Aggregatzustand dieser Name aus der Taufe gehoben wurde, kann ich mir zwar bestens vorstellen, spätestens nach dem Ausnüchtern hätte aber vielleicht mal jemand sagen sollen: „So Jungs, nun mal im Ernst...“ – dabei ist das, was die Herrschaften so treiben, gar nicht mal schlecht. Warum also? Da ist mir sogar ein Künstlerpaar, das sich hellsichtig „Mundstuhl“ nennt, lieber: what you see is what you get, kann ich da nur sagen. Deren Programm „Höchststrafe“ trifft den Punkt schon recht genau.


Schade, dass bei der heutigen Commedy-Pest die wahren Preziosen manchmal völlig untergehen. Und das haben sie wirklich nicht verdient. So gibt es einen Künstler namens Jochen Malmsheimer, dessen Wortgewalt und virtuoses Spiel mit unserer schönen Sprache mich ehrfürchtig verstummen lässt. Seiner Bitte, ihn weiterzuempfehlen, komme ich nur zu gern nach. Mit einem kleinen Zitat möchte ich mich für heute verabschieden: „Erst wenn man mit jemanden gebrochen hat, weiß man, was in ihm steckt“.


Oder – wie ein anderer Komiker so treffend bemerkte – „Wichtig ist, was hinten rauskommt!“

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Über den Umgang mit Menschen

Man gewöhnt sich ja mittlerweile daran, dass in unserer gehetzten Zeit die Leute immer weniger Atem an nutzlose Kleinigkeiten wie „Bitte“, „Danke“ und andere Floskeln verwenden. Die gewonnene Zeit wird dann in Wichtigkeiten wie Handytelefonate investiert um alle Umstehenden und –sitzenden lautstark zum Beispiel darüber zu informieren, dass man sich gerade im Zug von X nach Y befinde, sich langweile und des weiteren mehr...

Wie gesagt, von Menschen ist man dieses Verhalten mittlerweile gewöhnt. Was mir aber zu schaffen macht, ist die zunehmende Unhöflichkeit unserer elektronischen Untertanen. Wenn ich mich morgens bester Dinge an der Kaffeezapfstelle zu schaffen mache und statt des erhofften Muntermachers nur die unfreundliche Aufforderung „Schalen leeren“ erhalte und – habe ich den verlangten Dienst geleistet – dann auch noch mit Befehl „Gerät reinigen“ belohnt werde, dann sinkt meine Laune doch ganz schnell unter den Gefrierpunkt.

Liebe Programmierer, es ist bestimmt nicht so arg schwierig, den Maschinen ein wenig Manieren beizubringen. Mit einem freundlichen „Bitte“ vorangestellt, flucht man doch schon viel weniger laut darüber, dass ausgerechnet jetzt wieder Wartungsarbeiten fällig sind.

Wenn’s schon bei den Menschen nicht klappt...

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Kunst kommt von Können

Hin und wieder bemühe ich mich ja, meinen kruden Geist zu schulen. So habe ich mich unlängst mit der wunderbaren Welt der Lyrik befasst und landete dabei in einem Forum, in dem lauter kluge und gebildete Geister sehr Kluges und Gebildetes zu diesem Thema absonderten. Ich habe gelernt, dass es nicht zwingend auf den Inhalt des Geschriebenen ankommt. Schon was hübsch anzusehen ist, gilt als Gedicht. Was ich da so zum Thema „experimentelle Lyrik“ gelernt habe, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ergebnis dieses Vorgangs: das kriege ich auch hin! Und hier das Ergebnis:


ich

meiner mir

mich du deiner

dir dich er seiner ihm

ihn sie ihrer sie es seiner

ihm es wir unser uns

uns ihr euer euch

euch sie ihrer

ihnen

sie

Sie

I

h

r

e

r

I

h

n

e

n

Sie

Ich habe da einen raffinierten Fehler eingebaut...der gehört dazu („Function follows form“!). Soll zum Nachdenken anregen.

Meine weiteren Recherchen zu dem Thema haben zu Tage gefördert, dass auf diesem Gebiet mehr Künstler tätig sind, als man zunächst glauben möchte. Hier das Werk eines unbekannten Dichters:


Piep, piep,

(""< (""< ,piep

( ,,)( ,,) ich hab

"" "" dich lieb!


Das Volk der Dichter und Denker: ES LEBT!

Dienstag, 28. Oktober 2008

Abenteuer Leben


Die Leute arbeiten wirklich mit allen Tricks. Gerade einen hochspannenden Bericht in einer Zeitschrift gelesen. Da empfehlen hochbezahlte Experten, doch auf dem Weg zur Arbeit immer mal wieder neue Pfade einzuschlagen, damit das Gehirn etwas zu tun hat. So um Spannung aufzubauen und neue Impulse zu geben.
Ich stelle mir das gerade so vor – jeden Morgen aufs Neue die schwerwiegende Entscheidung: links herum oder rechts herum um den Feuersee? Wie bringe ich heute die Synapsen zum feuern? Nein, ich glaube, so sehr möchte ich meine grauen Zellen wirklich nicht beanspruchen, bin ja schon froh, wenn ich jeden Tag überhaupt zu meinem Arbeitsplatz finde.

Eine ganz andere Frage treibt mich allerdings um: wie reizlos muss mein Leben sein, wenn ich zu solchen Methoden greifen muss, damit mein Hirn nicht einschläft? Ich bin eigentlich gottfroh um jede Routine, die mir die Möglichkeit gibt, meine Gedanken mal zu sammeln, zu konzentrieren um letztlich neue Wege (also in echt!) und Problemlösungen zu finden. Deshalb renne ich auch so gerne über die Felder, weil diese monotone, geistlose Bewegung mir endlich mal den Freiraum bietet, störungsfrei Gedanken zu Ende zu bringen. Vielleicht auch mal ein Post zu entwerfen, den ich dann nur noch schnell runterschreibe...

Nein, ich werde bestimmt auch morgen wieder auf ausgetretenen Pfaden zur Maloche stapfen und dort auf die manigfaltigen Überraschungen, die meine lustige Tätigkeit zu bieten hat, warten. Da habe ich genug Geistesfutter.


Nachtrag: nach der Arbeit wie jeden Tag die S-Bahn bestiegen, um die zwei Stationen zum Hauptbahnhof zurückzulegen. Ausstieg verpasst. Nicht etwa, weil ich geschlafen hätte - nein! das Hirnkino lief auf Höchsttouren. Merke: die größten Abenteuer finden eben doch im Kopf statt!

Und jetzt weiß ich endlich, wo Bad Canstatt ist...

Montag, 27. Oktober 2008

Hindernislauf


Um mein Gewissen zu beruhigen und den übermäßigen Verzehr von Keksen und Schokolade zu kompensieren, renne ich schon seit Jahren auf den hiesigen Feldern herum. So 3-4 Mal die Woche um die 10 Kilometer. Muss man bei meinem gesegneten Appetit schon mal machen. Im Frühjahr und Herbst ist das nett, im Sommer und insbesondere Winter bei nüchterner Betrachtung weniger. Ich mache es trotzdem, auch wenn’s nieselt und auch wenn’s dunkel ist. Ist es ja ab sofort eigentlich immer, wenn ich nach Hause komme. An dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ an die Leute, die meinen, zweimal im Jahr für Aufruhr sorgen zu müssen, indem man – nur so zum Beispiel – Züge eine Stunde dumm rum stehen lässt (ja, ich weiß, dass tun sie sonst nie…), damit sie dann auch pünktlich in der „neuen“ Zeit ankommen. Wahrscheinlich passiert im Leben dieser Leute sonst nix aufregendes, von daher: es sei ihnen gegönnt.
Seit heute also wieder abendlicher Orientierungslauf. Manchmal verzichte ich sogar auf meine Sehhilfe, um bei einer Kurzsichtigkeit von – 5 Dioptrin so ein richtiges Abenteuerfeeling zu erzielen. Ernsthaft dunkel wird es bei uns ja nicht. Die Lichter der Stadt sorgen schon dafür, dass man eigentlich immer sieht, wo man hintappt. Solange einen keiner blendet. War in den vergangenen Jahren eigentlich nie ein Thema. Bis auf die Trottel, die mit ihrem PKW die Feldwege entlang fahren um ihren Hund, der hinter dem Auto herläuft und Abgase schluckt, Gassi zu führen.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine sich ausbreitende Pest – von führenden Kaffeeröstern gefördert. Da klemmen sich die Kumpel Laternen an die Stirn um – ausgerüstet wie zur Einfahrt in den Stollen – in der stockfinsteren Nacht mit einem „Glückauf“ auf den Lippen – über die Felder zu hoppeln. Ein einzelner von der Sorte ist einfach nur albern. Eine Horde, so wie heute, ist so richtig klasse. Wenn diese Bande einem entgegenstolpert, fühlt man sich wie ein Verdächtiger beim Verhör – Sicht nach Feindkontakt: Null!

Hoffentlich komme ich durch den Winter, ohne irgendwann einmal adrenalingetränkt in so eine Gruppe zu taumeln „Oh, ich habe euch gar nicht gesehen…“

Sonntag, 26. Oktober 2008

Hörspiel


Über die Unzuverlässigkeit der Bahn ist nun wahrlich genug geschrieben worden, die Regale des Buchhandels biegen sich unter der Last mehr oder weniger witziger Machwerke zu diesem Thema. Es gibt für mich keinen Grund, an der Klagemauer ein weiteres Zettelchen anzubringen, es ist eigentlich alles gesagt. Viel lieber möchte ich den Helden des Alltags, den Angestellten der Bahn AG, ein kleines Denkmal setzen. Jeden Tag aufs Neue riskieren sie Leib und Leben und auch manchmal den Verstand, um ihre Kunden von A nach B zu transportieren und tun dabei noch eine ganze Menge, um ihr Publikum zu unterhalten. Ich verneige mich in Ehrfurcht.

Zunächst möchte ich eine junge Dame, die im Hauptbahnhof zu Mainz ihren Dienst verrichtet, vorstellen. Ich kenne ihren Namen leider nicht. Sie verkündet mir jeden Morgen zuverlässig die bevorstehende Ankunft meines Zuges und macht Vorschläge über Anschlussverbindungen, das volle Programm, sie schenkt sich nichts. Und das am frühen Morgen. Was die Frau zur Heldin macht, ist die Tatsache, dass sie Ihre Aufgabe gewissenhaft und ausführlich erfüllt, obwohl sie einen Sprachfehler hat. Sie lispelt fürchterlich. Und so ist ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums sicher, wenn sie die Ankunft des ICE nach München-Pasing über Worms und Stuttgart avisiert. Wer immer ihr diese Aufgabe übertragen hat, muss einen ziemlich schrägen Sinn für Humor haben…

Die Ansagen in den Zügen sind genormt, ich höre jeden Morgen auf’s neue die herzliche Einladung „Haben Sie heute schon gefrühstückt?“…den Rest kenne ich nicht, weil die Einleitung für mich das Signal ist, die Musik lauter zu drehen. Auf dem Rückweg lautet die Aufforderung, zum Kaffee ein „Stück köstlichen Butterkuchens“ zu mir zu nehmen. Jeden Tag dasselbe. Abwechslung entsteht nur durch die unterschiedlichen Dialekte der Sprecher, bzw. „Zugchefs“, die „glad“ sind, jeder Zeit zu „assisten“. Mein Liebling ist aus Franken. Der Zungenschlag erinnert mich an meine Ausbildungszeit in Coburg und wenn ich seine Ansage höre, werden nostalgische Erinnerungen an meine Jugend wach. So hat wohl jeder der zahlreichen Pendler hier sein persönliches Schätzchen. Allerdings gibt es eine Zugcheffin, da werden wir alle stumm: in breitestem Sächsisch verkündet sie alles, was der Zug zu bieten hat. Und zwar die extended version. Da bleibt kein Auge trocken.

Grundsätzlich haben die Zugbegleiter wohl die Anweisung, immer das gleiche zu erzählen. Es gibt allerdings auch Sternstunden, und zwar immer, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Dann ist Kreativität gefragt und dann schlägt die große Stunde der Komiker.

Meine Favoriten:

Der Zug hält irgendwo im Nirgendwo an. Keiner weiß warum. Auch das Personal nicht. Das Publikum muss aber lt. Dienstanweisung XYZ zeitnah darüber informiert werden, was gerade los ist. Damit keine Panik ausbricht. Oder so…Also geht die erste Ansage über den Äther: „Zugchef bitte zur Sprechstelle!“ Aha. Wenn ich nicht will, dass ich was tu, dann leit’ ich’s einem andern zu. Kennt man ja. Der Zugchef rennt durch das Abteil, erreicht die Sprechstelle, schnauft „Meine Damen und Herren, der Zug hält hier unplanmäßig, damit sie die Gelegenheit haben, auch mal die schöne Stadt Biblis kennenzulernen!“ Bravo!!!

Die nächste:

Zug steht, wegen wasweißich, so genau höre ich da meist nicht hin, ist ja auch egal…aber der Abspann „…wir informieren Sie, wenn die Fahrt fortgesetzt wird“ – da treibt’s dem treuen Passagier doch Tränen der Dankbarkeit in’s Auge! Wie würden wir das wohl sonst mitkriegen?

Einen hab’ ich noch:

An einem der wenigen Feiertage, die es in unserer Gegend gibt, nicht aber in Stuttgart (kann eigentlich nur Rosenmontag gewesen sein): der Zug ist ziemlich leer, die Reservierungsanzeigen verkünden wie so oft „ggf. reserviert“. Man will ja nicht alles verraten. Die Ansage: „In Wissbadde habbe ses mal widder net geschafft, die Resservierunge oizulese. Hogge Se sich hie wo Se wolle, mir sinn sowieso heit die Einzige, die schaffe, die annern penne all’ noch“. Ufftäh!

So macht Bahnfahren Spaß.

Fremde Federn


Wenn man sich an einem fremden Computer anmeldet und dann nicht wieder abmeldet, dann kann so was dabei rumkommen. Huch!