Freitag, 31. Oktober 2008

Kunst II

Ich hatte ja schon voller Freude bemerkt, dass die Kunst lebt und fröhlich’ Urständ feiert. Gerade bei den Dilettanten dieses Landes. Heute möchte ich mich einmal den Profis auf diesem Gebiet widmen.


Da gibt es zum Beispiel Helden, die sich dadurch ein Denkmal setzen, dass sie sich möglichst verquaste und umständliche Namen verpassen. Warum muss sich eine Combo unbedingt „U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ nennen? In welchem Aggregatzustand dieser Name aus der Taufe gehoben wurde, kann ich mir zwar bestens vorstellen, spätestens nach dem Ausnüchtern hätte aber vielleicht mal jemand sagen sollen: „So Jungs, nun mal im Ernst...“ – dabei ist das, was die Herrschaften so treiben, gar nicht mal schlecht. Warum also? Da ist mir sogar ein Künstlerpaar, das sich hellsichtig „Mundstuhl“ nennt, lieber: what you see is what you get, kann ich da nur sagen. Deren Programm „Höchststrafe“ trifft den Punkt schon recht genau.


Schade, dass bei der heutigen Commedy-Pest die wahren Preziosen manchmal völlig untergehen. Und das haben sie wirklich nicht verdient. So gibt es einen Künstler namens Jochen Malmsheimer, dessen Wortgewalt und virtuoses Spiel mit unserer schönen Sprache mich ehrfürchtig verstummen lässt. Seiner Bitte, ihn weiterzuempfehlen, komme ich nur zu gern nach. Mit einem kleinen Zitat möchte ich mich für heute verabschieden: „Erst wenn man mit jemanden gebrochen hat, weiß man, was in ihm steckt“.


Oder – wie ein anderer Komiker so treffend bemerkte – „Wichtig ist, was hinten rauskommt!“

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Über den Umgang mit Menschen

Man gewöhnt sich ja mittlerweile daran, dass in unserer gehetzten Zeit die Leute immer weniger Atem an nutzlose Kleinigkeiten wie „Bitte“, „Danke“ und andere Floskeln verwenden. Die gewonnene Zeit wird dann in Wichtigkeiten wie Handytelefonate investiert um alle Umstehenden und –sitzenden lautstark zum Beispiel darüber zu informieren, dass man sich gerade im Zug von X nach Y befinde, sich langweile und des weiteren mehr...

Wie gesagt, von Menschen ist man dieses Verhalten mittlerweile gewöhnt. Was mir aber zu schaffen macht, ist die zunehmende Unhöflichkeit unserer elektronischen Untertanen. Wenn ich mich morgens bester Dinge an der Kaffeezapfstelle zu schaffen mache und statt des erhofften Muntermachers nur die unfreundliche Aufforderung „Schalen leeren“ erhalte und – habe ich den verlangten Dienst geleistet – dann auch noch mit Befehl „Gerät reinigen“ belohnt werde, dann sinkt meine Laune doch ganz schnell unter den Gefrierpunkt.

Liebe Programmierer, es ist bestimmt nicht so arg schwierig, den Maschinen ein wenig Manieren beizubringen. Mit einem freundlichen „Bitte“ vorangestellt, flucht man doch schon viel weniger laut darüber, dass ausgerechnet jetzt wieder Wartungsarbeiten fällig sind.

Wenn’s schon bei den Menschen nicht klappt...

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Kunst kommt von Können

Hin und wieder bemühe ich mich ja, meinen kruden Geist zu schulen. So habe ich mich unlängst mit der wunderbaren Welt der Lyrik befasst und landete dabei in einem Forum, in dem lauter kluge und gebildete Geister sehr Kluges und Gebildetes zu diesem Thema absonderten. Ich habe gelernt, dass es nicht zwingend auf den Inhalt des Geschriebenen ankommt. Schon was hübsch anzusehen ist, gilt als Gedicht. Was ich da so zum Thema „experimentelle Lyrik“ gelernt habe, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ergebnis dieses Vorgangs: das kriege ich auch hin! Und hier das Ergebnis:


ich

meiner mir

mich du deiner

dir dich er seiner ihm

ihn sie ihrer sie es seiner

ihm es wir unser uns

uns ihr euer euch

euch sie ihrer

ihnen

sie

Sie

I

h

r

e

r

I

h

n

e

n

Sie

Ich habe da einen raffinierten Fehler eingebaut...der gehört dazu („Function follows form“!). Soll zum Nachdenken anregen.

Meine weiteren Recherchen zu dem Thema haben zu Tage gefördert, dass auf diesem Gebiet mehr Künstler tätig sind, als man zunächst glauben möchte. Hier das Werk eines unbekannten Dichters:


Piep, piep,

(""< (""< ,piep

( ,,)( ,,) ich hab

"" "" dich lieb!


Das Volk der Dichter und Denker: ES LEBT!

Dienstag, 28. Oktober 2008

Abenteuer Leben


Die Leute arbeiten wirklich mit allen Tricks. Gerade einen hochspannenden Bericht in einer Zeitschrift gelesen. Da empfehlen hochbezahlte Experten, doch auf dem Weg zur Arbeit immer mal wieder neue Pfade einzuschlagen, damit das Gehirn etwas zu tun hat. So um Spannung aufzubauen und neue Impulse zu geben.
Ich stelle mir das gerade so vor – jeden Morgen aufs Neue die schwerwiegende Entscheidung: links herum oder rechts herum um den Feuersee? Wie bringe ich heute die Synapsen zum feuern? Nein, ich glaube, so sehr möchte ich meine grauen Zellen wirklich nicht beanspruchen, bin ja schon froh, wenn ich jeden Tag überhaupt zu meinem Arbeitsplatz finde.

Eine ganz andere Frage treibt mich allerdings um: wie reizlos muss mein Leben sein, wenn ich zu solchen Methoden greifen muss, damit mein Hirn nicht einschläft? Ich bin eigentlich gottfroh um jede Routine, die mir die Möglichkeit gibt, meine Gedanken mal zu sammeln, zu konzentrieren um letztlich neue Wege (also in echt!) und Problemlösungen zu finden. Deshalb renne ich auch so gerne über die Felder, weil diese monotone, geistlose Bewegung mir endlich mal den Freiraum bietet, störungsfrei Gedanken zu Ende zu bringen. Vielleicht auch mal ein Post zu entwerfen, den ich dann nur noch schnell runterschreibe...

Nein, ich werde bestimmt auch morgen wieder auf ausgetretenen Pfaden zur Maloche stapfen und dort auf die manigfaltigen Überraschungen, die meine lustige Tätigkeit zu bieten hat, warten. Da habe ich genug Geistesfutter.


Nachtrag: nach der Arbeit wie jeden Tag die S-Bahn bestiegen, um die zwei Stationen zum Hauptbahnhof zurückzulegen. Ausstieg verpasst. Nicht etwa, weil ich geschlafen hätte - nein! das Hirnkino lief auf Höchsttouren. Merke: die größten Abenteuer finden eben doch im Kopf statt!

Und jetzt weiß ich endlich, wo Bad Canstatt ist...

Montag, 27. Oktober 2008

Hindernislauf


Um mein Gewissen zu beruhigen und den übermäßigen Verzehr von Keksen und Schokolade zu kompensieren, renne ich schon seit Jahren auf den hiesigen Feldern herum. So 3-4 Mal die Woche um die 10 Kilometer. Muss man bei meinem gesegneten Appetit schon mal machen. Im Frühjahr und Herbst ist das nett, im Sommer und insbesondere Winter bei nüchterner Betrachtung weniger. Ich mache es trotzdem, auch wenn’s nieselt und auch wenn’s dunkel ist. Ist es ja ab sofort eigentlich immer, wenn ich nach Hause komme. An dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ an die Leute, die meinen, zweimal im Jahr für Aufruhr sorgen zu müssen, indem man – nur so zum Beispiel – Züge eine Stunde dumm rum stehen lässt (ja, ich weiß, dass tun sie sonst nie…), damit sie dann auch pünktlich in der „neuen“ Zeit ankommen. Wahrscheinlich passiert im Leben dieser Leute sonst nix aufregendes, von daher: es sei ihnen gegönnt.
Seit heute also wieder abendlicher Orientierungslauf. Manchmal verzichte ich sogar auf meine Sehhilfe, um bei einer Kurzsichtigkeit von – 5 Dioptrin so ein richtiges Abenteuerfeeling zu erzielen. Ernsthaft dunkel wird es bei uns ja nicht. Die Lichter der Stadt sorgen schon dafür, dass man eigentlich immer sieht, wo man hintappt. Solange einen keiner blendet. War in den vergangenen Jahren eigentlich nie ein Thema. Bis auf die Trottel, die mit ihrem PKW die Feldwege entlang fahren um ihren Hund, der hinter dem Auto herläuft und Abgase schluckt, Gassi zu führen.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine sich ausbreitende Pest – von führenden Kaffeeröstern gefördert. Da klemmen sich die Kumpel Laternen an die Stirn um – ausgerüstet wie zur Einfahrt in den Stollen – in der stockfinsteren Nacht mit einem „Glückauf“ auf den Lippen – über die Felder zu hoppeln. Ein einzelner von der Sorte ist einfach nur albern. Eine Horde, so wie heute, ist so richtig klasse. Wenn diese Bande einem entgegenstolpert, fühlt man sich wie ein Verdächtiger beim Verhör – Sicht nach Feindkontakt: Null!

Hoffentlich komme ich durch den Winter, ohne irgendwann einmal adrenalingetränkt in so eine Gruppe zu taumeln „Oh, ich habe euch gar nicht gesehen…“

Sonntag, 26. Oktober 2008

Hörspiel


Über die Unzuverlässigkeit der Bahn ist nun wahrlich genug geschrieben worden, die Regale des Buchhandels biegen sich unter der Last mehr oder weniger witziger Machwerke zu diesem Thema. Es gibt für mich keinen Grund, an der Klagemauer ein weiteres Zettelchen anzubringen, es ist eigentlich alles gesagt. Viel lieber möchte ich den Helden des Alltags, den Angestellten der Bahn AG, ein kleines Denkmal setzen. Jeden Tag aufs Neue riskieren sie Leib und Leben und auch manchmal den Verstand, um ihre Kunden von A nach B zu transportieren und tun dabei noch eine ganze Menge, um ihr Publikum zu unterhalten. Ich verneige mich in Ehrfurcht.

Zunächst möchte ich eine junge Dame, die im Hauptbahnhof zu Mainz ihren Dienst verrichtet, vorstellen. Ich kenne ihren Namen leider nicht. Sie verkündet mir jeden Morgen zuverlässig die bevorstehende Ankunft meines Zuges und macht Vorschläge über Anschlussverbindungen, das volle Programm, sie schenkt sich nichts. Und das am frühen Morgen. Was die Frau zur Heldin macht, ist die Tatsache, dass sie Ihre Aufgabe gewissenhaft und ausführlich erfüllt, obwohl sie einen Sprachfehler hat. Sie lispelt fürchterlich. Und so ist ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums sicher, wenn sie die Ankunft des ICE nach München-Pasing über Worms und Stuttgart avisiert. Wer immer ihr diese Aufgabe übertragen hat, muss einen ziemlich schrägen Sinn für Humor haben…

Die Ansagen in den Zügen sind genormt, ich höre jeden Morgen auf’s neue die herzliche Einladung „Haben Sie heute schon gefrühstückt?“…den Rest kenne ich nicht, weil die Einleitung für mich das Signal ist, die Musik lauter zu drehen. Auf dem Rückweg lautet die Aufforderung, zum Kaffee ein „Stück köstlichen Butterkuchens“ zu mir zu nehmen. Jeden Tag dasselbe. Abwechslung entsteht nur durch die unterschiedlichen Dialekte der Sprecher, bzw. „Zugchefs“, die „glad“ sind, jeder Zeit zu „assisten“. Mein Liebling ist aus Franken. Der Zungenschlag erinnert mich an meine Ausbildungszeit in Coburg und wenn ich seine Ansage höre, werden nostalgische Erinnerungen an meine Jugend wach. So hat wohl jeder der zahlreichen Pendler hier sein persönliches Schätzchen. Allerdings gibt es eine Zugcheffin, da werden wir alle stumm: in breitestem Sächsisch verkündet sie alles, was der Zug zu bieten hat. Und zwar die extended version. Da bleibt kein Auge trocken.

Grundsätzlich haben die Zugbegleiter wohl die Anweisung, immer das gleiche zu erzählen. Es gibt allerdings auch Sternstunden, und zwar immer, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Dann ist Kreativität gefragt und dann schlägt die große Stunde der Komiker.

Meine Favoriten:

Der Zug hält irgendwo im Nirgendwo an. Keiner weiß warum. Auch das Personal nicht. Das Publikum muss aber lt. Dienstanweisung XYZ zeitnah darüber informiert werden, was gerade los ist. Damit keine Panik ausbricht. Oder so…Also geht die erste Ansage über den Äther: „Zugchef bitte zur Sprechstelle!“ Aha. Wenn ich nicht will, dass ich was tu, dann leit’ ich’s einem andern zu. Kennt man ja. Der Zugchef rennt durch das Abteil, erreicht die Sprechstelle, schnauft „Meine Damen und Herren, der Zug hält hier unplanmäßig, damit sie die Gelegenheit haben, auch mal die schöne Stadt Biblis kennenzulernen!“ Bravo!!!

Die nächste:

Zug steht, wegen wasweißich, so genau höre ich da meist nicht hin, ist ja auch egal…aber der Abspann „…wir informieren Sie, wenn die Fahrt fortgesetzt wird“ – da treibt’s dem treuen Passagier doch Tränen der Dankbarkeit in’s Auge! Wie würden wir das wohl sonst mitkriegen?

Einen hab’ ich noch:

An einem der wenigen Feiertage, die es in unserer Gegend gibt, nicht aber in Stuttgart (kann eigentlich nur Rosenmontag gewesen sein): der Zug ist ziemlich leer, die Reservierungsanzeigen verkünden wie so oft „ggf. reserviert“. Man will ja nicht alles verraten. Die Ansage: „In Wissbadde habbe ses mal widder net geschafft, die Resservierunge oizulese. Hogge Se sich hie wo Se wolle, mir sinn sowieso heit die Einzige, die schaffe, die annern penne all’ noch“. Ufftäh!

So macht Bahnfahren Spaß.

Fremde Federn


Wenn man sich an einem fremden Computer anmeldet und dann nicht wieder abmeldet, dann kann so was dabei rumkommen. Huch!

Freitag, 24. Oktober 2008

Neulich im Intercity...


Wie jeder, der mich kennt weiß (ich beklage es ja auch oft genug...), pendele ich täglich von Mainz nach Stuttgart. Und wieder zurück. Mit der Deutschen Bahn. Hierüber könnte man Bücher schreiben. Manch einer ist dieser Versuchung bereits erlegen, da aber jeder Bahnreisende längst erkannt hat, dass die Realität in keine Buchdeckel passt, werde ich meine Berichterstattung über dieses Thema auf ein Mindestmaß beschränken.
Meine Kollegen wundern sich immer, warum ich täglich mit einer riesigen Reisetasche auftauche: hier wird nun das Geheimnis endlich gelüftet. In dieser Tasche befindet sich – neben dem üblichen Bahnfahrer-Emergency-Kit, bestehend aus einer Notration an Nahrungsmitteln, Bücher für alle Lebenslagen, Wecker, Sitzunterlage um sich’s auf dem Boden bequem zu machen, wenn’s mal ein klein wenig voller wird, weil die Züge verkürzt wurden... – Nistmaterial. Das benötige ich, um mir auf der Fahrt ein kuscheliges Nest zu bauen und schon durch das Auspacken von Deckchen und Kissen sowie dem unverzichtbaren MP3-Player zu signalisieren, dass ich nach einem langen, gesprächsreichen Arbeitstag wirklich nur noch eines will: schlafen! Und bitte keine Kassette – sei sie auch noch so wohltönend – in’s Ohr gedrückt bekommen.

So ausgerüstet habe ich mir ein nettes Abteil gesucht, in dem schon zwei junge Leute, Männlein und Weiblein, Platz genommen hatten. Sobald die Augen geschlossen und die Kopfhörer in den Ohren verschwunden sind, ist es als trüge man eine Tarnkappe. Jedenfalls balzt der junge Mann die Dame ungeniert an und nutzt die Zeit bis Heidelberg – und das zieht sich! – um dieser die Vorzüge seiner Heimatstadt in epischer Breite und die Seinen gleich mit zu schildern. Ich bewundere die Geduld der jungen Frau, die stets freundlich bleibend immer wieder Quittungslaute von sich gibt und damit den Redefluss des Jünglings am laufen hält. Erst als er sich zum Abschied die Handynummer des Mädchens geben lassen will, da man sich ja so nett unterhalten hat, wird der Ton leicht schrill. Allgemeines Aufatmen, als sich die Abteiltür endlich schließt. Für die Balz ist halt einfach nicht die richtige Jahreszeit...

Ich unterhalte mich mit meiner Geschlechtsgenossin und wir sind uns darüber einig, dass sie mehr über die schöne Stadt Heidelberg erfahren hat, als sie je zu wissen wünschte. Sie stammt aus Augsburg und allein, um diesen entzückenden Dialekt zu hören, frage ich sie noch ein bisschen aus. Es stellt sich heraus, dass sie sich auf den weiten Weg gemacht hat, um nach Koblenz zu ihrem Freund zu fahren. Sie ist süße 22, zum ersten Mal ganz allein unterwegs und entsprechend aufgeregt. Ich erspare mir Kommentare wie „das letzte große Abenteuer: Bahnfahren!“ und beruhige sie ein wenig. Ich weiß zwar, dass noch eine ganze Menge passieren kann, bis ihr Liebster sie endlich in die Arme schließen kann, aber das wird sie noch früh genug merken. Ja, die Jugend von heute. Kennt wirklich keine Furcht. Gegen diesen Wagemut kann ich nun wirklich nicht anstinken.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Ein schöner Tag...



Gestern meinte es das Wetter noch einmal richtig gut mit uns – die Sonne strahlte über den Killesberg. Diese Chance ungenutzt verstreichen zu lassen wäre eine Sünde und so nehmen wir das Angebot dankend an, uns eine verlängerte Mittagspause in einer verwunschenen kleinen Waldgaststätte am Stadtrand mit einem fantastischen Blick über die Stadt zu gönnen. Gut, es ist nur Stuttgart, worüber wir blicken, aber immerhin...ich blinzle etwas träge in die Herbstsonne. Es könnte für einen letzten kleinen Sonnenbrand für dieses Jahr reichen.
Im Angebot sind ortsübliche Spezialitäten (Käsespätzle, sehr lecker), aber der schönste Moment ist doch der, als eine Elfe (hierzulande sind die ein klein wenig stabiler gebaut) mir ein frischgezapftes Bier bringt.
Es gibt wirklich wenig, was ich schmerzlich vermisse, wenn ich in meiner Heimat des Herzens, Wudang Shan, weile. Das eine habe ich gestern beschrieben, das andere ist die Krönung deutscher Braukunst. Und so genieße ich in vollen Zügen diesen magischen Moment, als das wohltemperierte Premiumprodukt der hiesigen Hausbrauerei durch meine Kehle rinnt. Mit einem seligen Lächeln streiche ich gedanklich sämtliche verbliebenen beruflichen Verpflichtungen für heute. Morgen ist auch noch ein Tag.


(Gut, es ist alles gelogen, gestern war auch hier Schei-We-Ta, der Tag gekrönt von einer endlos langweiligen Sitzung unserer „virtuellen Betrugsgruppe“...eine Wortschöpfung, über die man auch mal länger meditieren könnte....
Aber: wenn ich schon als Hexe verbrannt werde, dann soll es sich wenigstens lohnen!)

Dienstag, 21. Oktober 2008

Block this!



Auch im sonst – mit Verlaub – eher tristen Schwabenland gibt es Lichtblicke! Ja, dochdoch, die gibt es wirklich! Um mir mein Exil zu erleichtern, werde ich von meinem überaus geschätzten Kollegen, Großen Bruder und „Racker“-Besitzer hin und wieder entführt, damit ich die Schönheit der dortigen Landschaft ein wenig kennen- und lieben lerne. So habe ich schon die schöne Stadt Tübingen besucht und durfte die dortigen Spezialitäten genießen (indisch, sehr lecker), das Kloster zu Bebenhausen (Käsespätzle, auch sehr lecker) und noch weitere Orte, deren Namen und Spezialitäten (wahrscheinlich Käsespätzle...) ich leider schon wieder vergessen habe. Muss ich halt nochmal hin.

Gestern ging die Reise in das bezaubernde Städtchen Waldenbuch.


"Waldenbuch, die Stadt im Schönbuch, präsentiert sich heute noch wie es Goethe vor rund 200 Jahren beschrieb: "Waldenbuch ist ein artiger, zwischen Hügeln gelegener Ort mit Wiesen, Feld, Weinbergen und Wald und einem herrschaftlichen Schloss."


So steht’s bei Wikipedia. Gewäsch. Die Firma Ritter Sport haust dort mit ihrem Fabrikverkauf – d a s ist der Reißer! Für Messfremde: Diese Firma ist der örtlich größte Drogendealer. Der Stoff, den er vertickt, ist braunes (gelegentlich auch weißes mit Crunchies) Gold! Die Gebäude selbst wurden in Regie der kunstsinnigen Dame des Hauses architektonisch wertvoll erstellt, es gibt nicht nur ein Kunst- (**gähn**), sondern auch ein Schoki-Museum. Und eben die Oase der Glückseligkeit: Den Fabrikverkauf!

Klugerweise haben wir uns vorher noch in dem vorzüglichen und sehr geschmackvoll eingerichteten Restaurant verköstigt (Käsespätzle, sehr lecker..). Den dort überall angebrachten großformatigen Sinnsprüchen der Art "Von 10 Menschen lieben 9 Schokolade. Der zehnte lügt!" kann ich nur voll zustimmen.


Schon beim Öffnen der Tür schlägt mir der süß-aromatische Duft der Köstlichkeiten entgegen, trotz mentaler Vorbereitungsübungen völliger Kontrollverlust. Mein geschätzter Kollege zeigt nicht einmal den Ansatz, mich vor mir selbst zu retten! Und so schleppe ich am Ende 5 Kilogramm Schokolade in allen möglichen Formen und Farben aus dem Haus. Das sind etwa 29.750 Kalorien. Genug Brennwerte, um ein durchschnittliches Einfamilienhaus durch den Winter zu bringen.

Hoffentlich auch mich...

Montag, 20. Oktober 2008

Guten Tag


Mein Name ist Xiaomo. Herr Xiaomo. Eigentlich Herrlein, aber über diese tragische Geschichte in meiner Jugend möchte ich nicht sprechen. Ich verspreche, mich hier und heute zum ersten und auch letzten Male zu Wort zu melden. Bei Zuwiderhandlungen wird dieser Blog sich in Luft auflösen. Versprochen. Nachdem die Frau, die albernerweise glaubt, meine Chefin zu sein, sich meinen Namen und mein Fellgesicht geborgt hat, möchte ich mich wenigstens kurz vorstellen. Für die hier versammelten Sinophilen - dies ist mein richtiger Name: 小魔. Ich habe noch einen großen, allerdings eher dämlichen Bruder, der Prinz Damo genannt wird. Es spricht für die Einfallslosigkeit meines Personals, dass dieser natürlich nur so heißen kann: 大魔. Mein Bruder hat zwar das fluffigere Fell, dies gleicht aber seine Charaktereigenschaften, die man eher einem Schaf zusprechen mag, kaum aus. Dieser peinliche Vertreter unserer stolzen Spezies lässt wirklich jeden Unfug mit sich machen. Das auf dem Foto ist er natürlich. Sowas würde sich mit mir niemand trauen!
Ich bin da eher geneigt, mit meinem Bruder im Geiste "Racker" eine Gewerkschaft zu gründen
um derartige, der Würde der Katze widersprechende Aktionen ein für allemal zu unterbinden. Und wenn ich dafür den ganzen Weg in's Schwäbische nach Schlaitdorf tigern muss. Bei dieser Gelegenheit könnten wir dann nochmal den letzten Schriftsatz der Frau Rechtsanwältin, der "Racker" Obdach gewährt und die ohne ihn wohl kaum ihrer juristischen Tätigkeit nachgehen könnte, durchgehen. Und ich weiß ja, dass dort bestimmt ein Schälchen mit Fressbarem und ein paar Streicheleinheiten auf mich warten.
Menschen sind ja so einfach zu dressieren. Und ich bin sooo niedlich...

Sonntag, 19. Oktober 2008

Kalt & Eklig


Heute morgen ganz vorsichtig das Näschen aus der Bettdecke geschoben...brrr...es lässt sich nicht leugnen: heute ist gefühlter Winteranfang. Gestern war es noch prachtvoller Herbst mit wunderbarem Nebel, der mich glauben ließ, ich wäre in Wudang...nur schnell die Häuserschluchten gegen die Berge ausgetauscht, schon stimmt die Optik. Wenn der Jahreszeitenwechsel weiter so blitzartig ablauft, ist morgen Frühling und übermorgen endlich wieder Sommer...naja, träumen darf man ja.

Ja, liebe Freunde in der weiten Welt, ich hoffe, ihr habt warme Wintersachen dabei, ich weiß ja, was für tolles Wetter ihr an tollen Orten wie Shanghai oder Wudang (wie immer, wenn ich mal zufällig nicht da bin) habt, sonst wird es ein frisches Erwachen am Frankfurter Flughafen.

Soweit bin ich also schon. Schreibe über das Wetter. Was kommt als nächstes? Katzengeschichten??

Samstag, 18. Oktober 2008



Vor einigen Wochen stellte mein verehrter Lehrer Yürgen sein neues Buch vor. Aus alter Freundschaft habe ich dieses Projekt gerne unterstützt und bei der Firma Buch-Habel zu Mainz mit vorgeturnt.

In dem Buch geht es um eine Qigong-Reihe aus Wudang Shan, vorgestellt von Meister Zhong, dem Leiter der Daoistischen Wushu-Akademie, aufgezeichnet, kommentiert und mit einer Vielzahl von Geschichten und Anmerkungen angereichert von Yürgen Oster.


Wurde mir zumindest erzählt.


Um so größer meine Überraschung, als ich feststellte, um was es wirklich geht:

EUR 29,95
zzgl. Versandkosten € 0,00
bei: paperbackworld


...meine bange Frage, was denn mit Meister Zhong passiert ist, den ich mit deutlich weniger Fell in Erinnerung hatte, wurde bisher nicht zufriedenstellend beantwortet.

Wenn ihr also einem getigerten Fellgesicht begegnet: bitte behandelt es mit dem nötigen Respekt - es könnte der Meister von Wudang sein!

Freitag, 17. Oktober 2008

Leben, hart



Gerade habe ich neidisch gelesen, was meine Freunde in Shanghai und Wudang Shan so alles erleben...was kann ich heute der Welt spannendes berichten? Wow, heute morgen 5.36 h ICE 991 von Mainz Richtung Stuttgart erklommen, Zug hatte 2 Minuten Verspätung, Mitreisender bohrte in Nase, ein Handy klingelte....ja, das treibt den Puls doch gleich auf 180!
In Stuttgart das Wetter wie immer um einiges ekelhafter als in unserem wunderbaren Rheinhessenland.

In Gedanken bin ich noch immer bei meinen Freunden auf dem heiligen Berg zu Wudang, Hubei, gleich links wenn man reinkommt. Vor genau einer Woche bin ich zurückgekommen, nachdem ich dort einen wunderbaren - wenn auch viel zu kurzen - Monat bei Spiel und Sport in der Daoistischen Wushu-Akademie verbracht habe. Vergessen sind alle Schmerzen, die überlasteten Muskeln und Sehnen, die auf das Ansinnen, statt 8 Stunden Büroschlaf auf einmal mindestens 6 Stunden Kungfu-Training abzuleisten, doch ziemlich unwirsch reagiert haben...so ähnlich muß es wohl nach einer Geburt sein, habe ich mir erzählen lassen: hinterher ist alle Unbill vergessen.

Nun wird es mindestens ein halbes Jahr dauern, bis ich wieder hin darf, in's gelobte Land. Und bis dahin heißt es: last exit Stuttgart-Feuersee...