Sonntag, 30. November 2008

Mein Misstrauen ist geweckt

Nachdem ich mir gestern so elegant den Wind habe aus den Segeln nehmen lassen, bin ich der „Die-tut-nix“-Geschichte ein wenig nachgegangen. Was ich da so gefunden habe, fand ich sehr erhellend. Es gibt da eine sehr hübsche T-Shirt Kollektion, der man eine durchaus lebensnahe Geschichte entnehmen kann:

Ad 1:













Ad 2:












und dann – die ganz große Überraschung!

Ad 3:













(Für Menschen mit Alterssehschwäche: da steht „Das hat sie ja noch nie gemacht“) Und diesen Satz habe ich in meiner Laufbahn als Schadenssachbearbeiterin nun weißgott oft genug gehört!

Achja, Geschichten, die das Leben schreibt…

Bravheitsattest

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich, nunja, Hunden mit gesundem Respekt entgegentrete. Wenn man’s ganz genau formulieren wollte, könnte man auch sagen, ich habe Heidenschiss vor den Viechern.
Nun will es das Schicksal, dass meine Lieblings-Laufstrecke auf den Feldern zwischen Gonsenheim und Bretzenheim gleichzeitig ein Hunde-Mekka ist und ich so massig Gelegenheit zur Konfrontationstherapie habe. Solange die vierbeinigen Freunde an der Leine oder brav „bei Fuß“ gehen, ist das ja alles kein Thema. Allerdings sehe ich auch sehr häufig Gespanne unterwegs, bei denen ziemlich klar ist, wer hier „Herr“ und wer nur „Herrchen“ ist. Nicht sehr vertrauenserweckend.

Heute laufe ich also friedlich meines Wegs, da galoppiert mir wieder einmal so ein herrenloses Geschöpf entgegen, Besitzer irgendwo am Horizont mit mutmaßlich eher wenig Möglichkeiten, Einfluss auf das Verhaltens seines Wauzis zu nehmen. In solchen Fällen gebe ich dann schon gerne mal den freundlichen Hinweis, dass es für Menschen mit leichten Angststörungen nicht die reine Freude ist, unbewaffnet der Gefahr entgegenzutreten…da betrachte ich mir das Tier näher: ein halbhohes Kurzhaar-Modell, das mich schwanzwedelnd mit großen Augen neugierig anschaut. Es trägt ein Brustgeschirr auf dem in großer Schrift aufgemalt ist „DIE TUT NIX“.




Da muss ich dann aber doch lachen und bin leider nicht mehr in der Lage, Herrchen ordnungsgemäß anzupfeifen. Das ganze schöne Adrenalin passé – wie soll ich so arbeiten???

Donnerstag, 27. November 2008

Für’n A....

Alle Jahre wieder Auftakt zu dem selben Schauspiel: pünktlich am 1. September kommen die ersten Lebkuchen, Spekulatius (in diesem Jahr besonders gern genommen...) und Dominosteine in die Läden. Pünktlich am 2. September ertönt allüberall der Aufschrei „jedes Jahr geht das früher los, wo bleibt denn der Geist von Weihnachten, das passt doch überhaupt nicht zur Jahreszeit, nur weil gewisse Herrschaften den Hals nicht vollkriegen können...usw“.


Mal ganz davon abgesehen, dass ich die guten Elisabethen-Lebkuchen auch im September sehr lecker finde und auch so ein Domina-(hups!)Steinchen zu schätzen weiß – vielleicht habe ich da etwas nicht mitgekriegt: gibt es da mittlerweile eine Zwangsverordnung zum Verzehr von Weihnachts-Leckerli („Nichtverzehr wird mit einem Bußgeld nicht unter 100 EUR bestraft“)? Sehr rätselhaft, das...


Was ich ebenfalls mit größtem Interesse beobachte, ist die ideenreiche Schöpfung von Weihnachtseditionen („nur für kurze Zeit“). Finde ich ganz toll. Den ganzen nicht verkauften Schrott kann man dann nämlich nach dem großen Fest zum halben Preis abstauben – für die Schwäbin in mir (langsam dringt’s halt durch) eine tolle Sache, sich nach Weihnachten zu verabreden, weil es vorher einfach zu hektisch ist und dann die (reduzierten, hehe...) Weihnachtsgeschenke zu präsentieren. Da gibt es ja eine ganze Menge jenseits des Schnuckelzeug-Angebots, was da so mit Lametta und Christbaumkugeln verziert auf den Markt geworfen wird. Sehe ich alles ganz pragmatisch und leidenschaftslos.


Beim Studium der heutigen Angebote bin ich aber auf einen Artikel gestoßen, da ist selbst mir erst einmal die Luft weggeblieben: Da bietet ein Toilettenpapier-Hersteller mit dem schönen Namen „Happy End“ (was an sich ja schon sehr putzig ist) sein Produkt „Mit Spekulatiusduft“ feil!


D a s ist doch mal eine richtig tolle Idee! Wieder einmal ein Mangel, dessen Beseitigung die Welt mit Begeisterung feiern wird. Eine klaffende Lücke, deren Verfüllung den Kreislauf endlich schließt – oben werden die Gutsjer eingefüllt und auch nach der Verdauung mit Weihnachtsduft von dieser Welt verabschiedet. Wunderbar.

Sonntag, 23. November 2008

Winter Blues'le

Ich hatte zwar schon Anfang Oktober 'mal vorgejammert, heute ist es aber definitiv wirklich so weit: Winter! Mühevoll habe ich mich über die Felder gequält, eisekalter Wind bläst mir ins Gesicht, leichter Schnee und grauer Himmel...ich bin gottfroh, als ich meine 10 Kilometer abgearbeitet und auch noch pflichtschuldigst meine Taiji-Übungen absolviert habe, immer die Stimme meines Lehrers im Ohr "Kreise, Kreise..." achja...

Ermattet und leicht deprimiert von dem Wetter und der Aussicht, die nächsten Monate in Trübnis und Dunkelheit zu verbringen, fahre ich den Rechner hoch um zu schauen, ob meine Blog-Brüder und -Schwestern irgendwelche göttlichen Eingebungen hatten, an denen sie die Welt teilhaben lassen möchten.

Ich stelle fest, dass der geistige Winterschlaf nicht nur bei mir eingesetzt hat.

Nun gut, vielleicht der richtige Moment, um einfach mal darüber nachzudenken, warum ich mich eigentlich regelmäßig hinsetze und irgendetwas hinschreibe (dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich das dann hinterher auch noch durchlesen, ist ja mal ein ganz anders Thema...). Warum ich den Blog eröffnet habe ist klar: mein geschätzter Kollege, großer Bruder und "Racker"-Besitzer fragte mich eines Tages, ob es eigentlich schwer ist, zu bloggen. Nach kurzer Überlegung, wen ich so kenne, der da so bloggt, war klar: das muß ganz einfach sein. Gesagt getan, das Ding eingerichtet und losgeschrieben. Natürlich ohne Erklärung wieso, weshalb, warum. Ich habe gesehen, dass eigentlich alle Blogger, die irgendeinen Plan verfolgten, irgendwann den Pfad der Tugend verlassen haben. Dann lieber gleich planlos.
Und so schreibe ich munter drauf los, was wir so ein- und auffällt und was mir auf die Nerven geht. Und ich stelle fest, dass diese Maßnahme im Rahmen der Psycho-Hygiene eine richtig feine Sache ist. Oder einfacher: kotz' dich frei - Spaß dabei!

So, und nun habe ich auch wieder einen Post hingekriegt, der Osters Umschau um nichts nachsteht.

Bleibt nur die Frage: knirschst du noch oder bloggst du schon?


Was der Frosch damit zu tun hat? Gar nichts - ist mir nur bei einer Recherche in die Finger gefallen und hat mich verzückt...

Freitag, 21. November 2008

Der Blutzikade

Neulich hörte ich meinen Haus-Sender „Rockland“. Neben viel Lala aus meiner Jugendzeit vertreibt sich dieser Sender auch die Zeit mit kleinen Berichtchen. An diesem Tag amüsierte sich der Moderator über die Wahl des „Insekts des Jahres 2009“. Die diesjährige Wahl fiel auf...(Trommelwirbel): die Blutzikade! Zu meiner Empörung musste ich hören, wie der Sprecher sich über diese Meldung lustig machte, während des Vortrags mehrfach laut hörbar gähnte und jede Menge Spott über das Kuratorium, dass diese Wahl getroffen hat, ergoss. Da hat sich so ein kleiner unscheinbarer Krabbler mal den Weg ganz nach oben an die Spitze des Ruhms geklettert und dann: nur Hohn statt Applaus!



Diese Ungerechtigkeit kann ich so nicht dulden – also: anders als der Name vermuten lässt, ernährt sich das harmlose, neun bis elf Millimeter lange Tierchen mit dem auffallend roten Muster auf den Flügeln nur von Pflanzensäften. Mit ihrer roten Warnfarbe täuscht die Blutzikade Gefährlichkeit nur vor. Wie viele Zikadenarten singt auch die Blutzikade (Cercopis vulnerata) mit einem besonderen Organ an den Seiten des Hinterleibs, dem Tymbal. Allerdings ist das Zirpen so leise, dass es für Menschen kaum hörbar ist.


Liebe Blutzikade, auch wenn ich die Einzige sein sollte: ich höre dich und ich bin stolz auf dich!


Achja, über den Igel, das Tier des Jahres 2009, hat sich keiner lustig gemacht. Aber Igel sind ja auch niedlich...




P.S. Entgegen anders lautender Vermutungen entstehen meine Posts nicht im Rausch.

Ich betrinke mich immer erst hinterher...

Donnerstag, 20. November 2008

Schöne Worte

In meiner Jugend hatte ich einmal einen Freund, der...nunja...auf einem anderen Stern zu Hause war. Was mich begeisterte, war sein wunderbares Klavierspiel und ich konnte stundenlang ergriffen zusehen und lauschen, wenn er selbstvergessen mit viel Herz und Pathos die Weisen des Konstantin W. vortrug. Wie gesagt, ich war noch sehr jung. Er fühlte sich selbst als Künstler und es gab nichts, was unreflektiert geäußert wurde. Jeder noch so banale Gedanke wurde auf mögliches Gewicht hin untersucht, bevor er zum besten gegeben wurde. Künstler halt. Der Punkt, an dem ich einsehen musste, dass ich dem jungen Mann geistig einfach nicht gewachsen war, war als er eines Tages beim gemeinsamen Kochen in der WG verträumt eine Auflaufform in den Arm nahm und mir mit leuchtenden Augen verkündete: „Gebutterte Auflaufform! – Sprich das doch mal! Diese Worte gehen wie Samt über die Lippen.“ Es folgten weitere begeisterte Ausführungen über Wörter und Worte die man „einfach so“ dahin sagen könne und wohl auch müsse, um eine innere Saite zum Klingen zu bringen. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Ist nach Australien ausgewandert. Nicht unbedingt zu meinem Bedauern.

Jetzt, so viele Jahre später habe ich endlich „mein“ Wort gefunden – hier ist es:



Als ich an diesem Hinweis vorbeilief, traf es mich wie ein Blitz – die Folge der Konsonanten in wunderbarer Harmonie mit den Vokalen, der Rhythmus der Silben....d a s ist Musik. Das sind jetzt aber m e i n e Worte. Du, lieber Leser, musst schon deine eigenen finden!

Mittwoch, 19. November 2008

Ode an’s Örtchen

(mangels dichterischer Fähigkeiten in Prosa)


Heute ist Welttoilettentag. Als ich auf diese kleine Meldung gestoßen bin und mich erst einmal vergewissert habe, dass ich nicht ein älteres Zeitungsexemplar (von so um den 1. April herum) in Händen halte, habe ich mich kurz schlaugemacht: ja – sämtliche Online-Gazetten verkünden es ebenfalls.

Gut, also wieder einmal ein wichtiger Gedenktag, den es zu ehren gilt. Mit einem Gläschen Sekt gewappnet laufe ich also zum hiesigen Denkmal und stoße gemeinsam mit einer Kollegin auf den Ehrentag an.



Ich habe gelernt, dass der Durchschnittseuropäer sich durchschnittlich 6 mal am Tag zur Meditation niederlässt. Bei mir, als bekennender Tee- und Biertrinkerin darf’s auch das oder andere mal mehr sein. Hierzulande ist dieses Örtchen meist in einem Zustand, der eigentlich keiner Erwähnung bedarf. Funktional, mehr oder weniger sauber – aber wehe, wenn nicht! Über kaum ein Thema wird so laut gejammert, wenn mal irgendetwas nicht stimmt. Ich kann mich noch bestens an eine Betriebsversammlung erinnern, in der geschlagene zwei Stunden über das Thema „Klopapier“ auf das leidenschaftlichste diskutiert wurde. Die Frage ob 2-lagig oder 3-lagig, öko oder eher nicht, erhitzte die Gemüter derart, dass andere Petitessen wie mögliche Schließung der Geschäftsstelle völlig in den Hintergrund gerieten.


Wenn man gerade von einem Land wie – sagen wir mal – China zurückkehrt und fassungslos einer solchen Veranstaltung beiwohnt, ist es gar nicht so einfach, hysterisches Gekicher zu unterbinden. Bei meiner ersten Reise in’s gelobte Land Anfang der 90iger Jahre war der Gang zur Toilette noch ein echtes Abenteuer. Immerhin habe ich nach einem...kleinen Missverständnis...sehr schnell das Zeichen „女“ (Weibchen) gelernt. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, kann man aber sehr viel Spaß bei diesem ortsüblichen Gruppenereignis finden. Auf dem Land ist es nach wie vor so, dass man an einer langen Rinne nebeneinander hockt, manchmal durch eine halbhohe Mauer getrennt, natürlich ohne Tür, sonst kann man sich ja gar nicht sehen und das ist für die Kommunikation gar nicht gut. In den großen Städten wird allerdings wie bei uns alles anonymer. Anlässlich der Olympiade wurden größte Anstrengungen unternommen, die öffentlichen Toiletten auf westlichen Standard zu heben. Wenn die Chinesen etwas machen, machen sie es gerne gründlich, und so gibt in Peking mittlerweise 5-Sterne-Klos. Und wieder verschwindet ein Stückchen Kultur...


Spaßbremsen!

Montag, 17. November 2008

Für Oster

....der’s mal wieder ganz genau wissen will:

Monatliches Durchschnittsbrutto-Einkommen: 1962 890,-- DM
VW Käfer 3.900,-- DM
Miete um 1960 120,-- DM
Kühlschrank 1965 350,-- DM

Quelle: http://www.hifi-studio.de/hifi-klassiker/preisentwicklung.htm

1962 betragen die Ausgaben für Lebensmittel durchschnittlich 42,6% des Verdienstes.

So viel Arbeit kostet 1 Kilogramm Brot:
Im Jahr 1960: 20 Minuten Im Jahr 2006: 10 Minuten
So viel Arbeit kosten 250 Gramm Butter:
Im Jahr 1960: 39 Minuten Im Jahr 2006: 4 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Kilogramm Zucker:
Im Jahr 1960: 30 Minuten Im Jahr 2006: 5 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Liter Milch:
Im Jahr 1960: 11 Minuten Im Jahr 2006: 3 Minuten
So viel Arbeit kosten 10 Eier:
Im Jahr 1960: 51 Minuten Im Jahr 2006: 7 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Kilogramm Rindfleisch zum Kochen:
Im Jahr 1960: 124 Minuten Im Jahr 2006: 29 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Schweinekotelett:
Im Jahr 1960: 157 Minuten Im Jahr 2006: 31 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Brathähnchen:
Im Jahr 1960: 133 Minuten Im Jahr 2006: 11 Minuten
So viel Arbeit kosten 500 Gramm Bohnenkaffee:
Im Jahr 1960: 213 Minuten Im Jahr 2006: 20 Minuten
So viel Arbeit kostet 1 Liter Normalbenzin:
Im Jahr 1960: 14 Minuten Im Jahr 2006: 6 Minuten.

Quelle: http://www.rp-online.de/public/bildershowinline/aktuelles/wirtschaft/news/26064

Merke: es wird alles billiger (aber nicht unbedingt besser...)

Sonntag, 16. November 2008

Unsere kleine Stadt

Dieser Tage spazierte ich anlässlich eines Stadtbummels die heimische Gaugasse bergan. Seit dem Ausbau der Straßenbahngleise 2004 ist die Steigung in der Gaustraße mit 9,549% die steilste Streckenführung einer Straßenbahn ohne Steighilfe (z.B. Zahnradbahn oder Seilbahn) in Deutschland. Merkt man auch, wenn man ohne Steighilfe hochtrottet. Kann man ganz schon außer Puste geraten. Respekt den Radfahrern, die das strampelnderweise bewältigen. Gerne auf dem Trottoir, weil es auf der Gass’ mit den Schienen so gefährlich ist (**knurr**).

Vor über 20 Jahren habe ich in dieser Gegend eine Lehre begonnen und wurde traditionsgemäß von den Gesellinnen immer zum Frühstückeinkaufen geschickt und mit kleineren Besorgungen betraut. Damals war die Gaugass’ eine Welt für sich: lauter kuschelige kleine inhabergeführte Lädchen, eines davon hatte einen Aushang „Dieser Laden arbeitet ohne Profit. War nicht so geplant, hat sich aber so ergeben.“ Das war wahrscheinlich irgendwie witzig gemeint, traf aber wohl auf die meisten dieser Geschäftchen zu. Es kam wie es wohl kommen musste, immer mehr von diesen Sozialeinrichtungen schlossen ihre Tore (na ja, wohl eher Pförtchen…) und ich habe mit großem Bedauern dem Untergang ziemlich hilflos zugesehen. Nun sehe ich mit großer Freude, dass langsam wieder „Leben in die Bude“ kommt. Da gibt es kleine Galerien und viele winzige neue Nischengeschäfte, von denen ich hoffe, dass sie überleben werden. Was mich aber am meisten gefreut hat, war die Neueröffnung eines Schusterladens. In den letzten Jahren haben immer mehr dieser Handwerksbetriebe geschlossen und Mr. Minit und Konsorten das Feld überlassen. War ja auch ein Ausdruck unserer Wegwerfgesellschaft: wenn irgendetwas nicht mehr 100%ig taugt – wegschmeißen – Neues kaufen! Nun geht das auf einmal nicht mehr locker von der Hand, es wird deutlich mehr gespart und ich habe den Eindruck, dass es sich immer mehr herumspricht, dass der Erwerb billiger Dinge am Ende viel teuerer kommt als der Kauf hochwertiger – und entsprechend in der Anschaffung auch hochpreisiger – Gegenstände, die zum einen einfach länger halten und zum anderen auch repariert werden können. Gut zu wissen: es gibt sie noch, die guten Dinge!

Wenn das eine Folge der Wirtschaftskrise ist, dann hat es in meinen Augen letztlich doch ein gutes. Achja, wenn man gegenüberstellt, wie lange ein Durchschnittsverdiener in den 60iger Jahren für ein Pfund Butter arbeiten musste, stellt man fest, dass wir heute nur noch einen Bruchteil des damaligen Preises bezahlen. Sollte man auch mal drüber nachdenken…

Samstag, 15. November 2008

Gurken

Mit Angstschweiß habe ich dieser Tage meiner Tageszeitung eine ungeheuerliche Pressemeldung als Aufmacher auf dem Titelblatt entnehmen müssen: Ab 01. Juli 2009 geht es mit unserer Zivilisation bergab – „das Ende der EU-Gurke naht“ barmt das heimische Käseblatt. Die Salatgurke (Cucumis sativus) darf dann wieder gekrümmt sein. Doch damit nicht genug: auch knollige Karotten wird es dann wieder geben! Ich frage mich, wo soll das hinführen? Entziehen solche Maßnahmen nicht über kurz oder lang den EU-Beamten ihre Existenzberechtigung? Diese Frage muss man sich stellen! Nicht nur, dass unsere Arbeitslosenquote alles andere als rosig ist und unsere Sozialsysteme den Ausfall einer solchen Menge hochqualifizierter und auch hochbezahlter Beitragszahler kaum verkraften könnten (achso, die zahlen gar nicht? Echt??) – nein, viele ausrangierte Politiker genießen im Schoße der EU ihren Arbeitslebens-Abend. Nicht auszudenken, wenn man die wieder zurückholte!



























Ich fordere daher ein Notprogramm „Reglementierung jetzt!“ – wäre doch gelacht, wenn einem da nichts einfiele.



Freitag, 14. November 2008

Zum Geburtstag


Leider strapaziert meine berufliche Tätigkeit derzeit mein Zeitkonto weit über Gebühr, so dass es mir kaum gelingt, wichtige Ereignisse aktuell zu kommentieren. So bin ich wohl einer der letzten Gratulantinnen, die dem großartigen Vicco von Bülow zum 85. Geburtstag ihre Segenswünsche übermittelt.


Ich möchte auf keinen Fall an die unzähligen Geschichten, Zeichnungen, Sketche und Filme, allerdings auch an fast unverzeihliche Missetaten (ich sage nur: „Ich wünsch’ mir ‚ne kleine Miezekatze“) erinnern, das haben andere bereits in aller Ausführlichkeit getan.


Aber an eine Großtat des Meisters, in meinen Augen d a s Vermächtnis, musste ich gerade heute mehrmals denken: das endgültige Ausräumen des Irrglaubens, man müsse nur lange genug miteinander reden, um einander zu verstehen!


In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Loriot

Mittwoch, 12. November 2008

Luschtig


Was dem Ami sein „Nineeleven“ ist dem Meenzer (Määnzer? Wie ist eigentlich der Stand in diesem Glaubenskrieg??) sein 11.11. Eben ein magisches Datum, das Emotionen weckt. Bei mir ist es tiefer Abscheu. Bei ersterem aus naheliegenden Gründen, bei dem Zweitgenannten eher wegen tiefgreifender traumatischer Kindheitserlebnisse. Darum bin ich ja auch so glücklich, in Stuttgart arbeiten zu dürfen. Einer pietistisch-protestantisch geprägten Gegend, in der höchst ungern gefeiert wird. Das heißt nicht, dass man es nicht oft tut, aber eben ungern. So hatte ich letzten Fassenachtsdienstag, der auch in Stuttgart mittlerweile halbherzig begangen wird, ein sehr erhellendes Erlebnis: während meiner S-Bahnfahrt zum Bahnhof bestieg ein als Frosch gewandeter älterer Herr das Gefährt, zog sich die grüne Mütze vom Haupt, wischte die Schminke aus dem Gesicht und stoßseufzte: „Gottseidankisdessendlichvorbei“.

Fast wie bei uns zu Haus. Oder genauer: bei mir zu Haus. Allerdings muss ich einräumen, dass mein Verhältnis zur Fassenacht mittlerweile eher zwiespältig ist, vielleicht Folge zunehmender Altersmilde, nostalgische Gefühle...wie auch immer: es bleibt dabei – wenn ich daheim bin, werden Türen und Fenster verrammelt aber wenn es mich irgendwie nach außerhalb verschlägt, ja, ich muss es gestehen: ich kucke tatsächlich „Meenz, bleibt Määnz“ (elegant gelöst das Problem, gell?). Und wenn alles vorbei ist, dann denke ich manchmal ernsthaft, och, es ist soviel Zeit vergangen, vielleicht könnte man ja wirklich mal wieder auf eine Sitzung gehen, Zug kucken...was man halt so tut. Nächstes Jahr. Und bis dahin habe ich mich ja wohl hoffentlich wieder erholt von der Nostalgika.

Und so möchte ich dieses Thema abschließen mit den Worten des Mainzer Finanzchefs Merkator: „Un is die Stadt aach noch so pleite, die Fastnacht duut’s uns net verleide!“

Montag, 10. November 2008

Gruselkabinett

Heute bin ich seit langer Zeit mal wieder in's benachbarte Wiesbaden gefahren. Als ich über die Schiersteiner Brücke gezuckelt bin, wäre ich beinah in die Leitplanke gerutscht: wirbt der hessische Nachbar doch unverhohlen mit Kinderarbeit!


Auf dem Rückweg in die Zivilisation gruselte mich das nächste Plakat mit einem unvermissverständlichen "Wir machen's einfach" an. Schauder.


Morgen wieder last exit Stuttgart-Feuersee. Ist besser für die Nerven.

Sonntag, 9. November 2008

Schnatter

Ich lese gerne antizyklisch. Das bedeutet, dass ich im Sommer, oder genauer: wenn es sehr warm ist – heutzutage ist das ja nicht zwingend gleichbedeutend - gerne Bücher lese, die in einer erfrischenden Gegend handeln, zum Beispiel in der Nähe von Spitzbergen oder so. Im Winter darf es dann gerne etwas mit Spielfeld Tropen sein, es sei denn, ich liege gerade sehr warm eingekuschelt auf meiner Couch mit einer warmen Katze auf dem Bauch, vielleicht einem Tässchen Glühwein in den Tatzen… Unter dieser Voraussetzung – aber nur dann! – lasse ich mir auch eine Handlung mit nass, kalt und eklig gefallen. Steigert sogar das Wohlbefinden. Leider habe ich vergessen, welcher bekannte englische Exzentriker im Winter einen Landstreicher bezahlte, damit er mehrmals am Haus vorbeilief, laut klagend „ach, ist mir kalt“ damit seine Gäste das kuschelige Kaminfeuer und den warmen Grog gleich noch einmal so sehr schätzten. Es funktioniert. Und zwar bestens. Leider auch umgekehrt. So muss ich jeden Morgen bei ekelhaftester Witterung an einem riesigen Plakat vorbei, das meine Gänsehaut zur Buckelpiste macht.


Liebe Seenotretter, ich habe größtes Verständnis für euer Anliegen und eure Botschaft ist angekommen. Jedenfalls bei mir. Ihr habt doch sicherlich auch was mit Karibik und Palmen, da ist ja auch viel Meer und gefährlich ist es dort auch…bittebitte, nur für den Winter…

Samstag, 8. November 2008

Vivat!


Was heißt hier "das Ü-Ei"? - Die Welt ist gerettet!!!

Freitag, 7. November 2008

Kehraus


Noch nie hat ein Post meines Blogs für soviel, naja, Gesprächsstoff gesorgt wie der von gestern. Auf jeden Fall ist es jetzt amtlich: ja, es wird gelesen, was ich schreibe. Ist ja auch mal gut zu wissen.

Sei dem auch wie - ich fühle mich zu einer Klarstellung genötigt (ich weiß ja schon, wer den anonymen Zettel heimlich auf meiner Tastatur abgelegt hat...):

"Entgegen den blödsinnigen Behauptungen hergelaufener Industrienomaden im mittleren Management südwestdeutscher Weltkonzerne ist die schwäbische Kehrwoche weder eine ortsübliche fundamentalistische Nationalreligion noch Ersatzbefriedigung für frustierte Putzteufel, sondern eine vom berühmten (?? d.A.) Grafen Eberhard im Bart verfügte, in fünf Jahrhunderten bewährte seuchenhygienische Präventionsmaßnahme nach dem ökologisch wie soziologisch sinnvollen Verursachungsprinzip unter strikter Anwendung des basisdemokratischen Rotationsverfahrens."

Sagt Gerhard Raff.
Sollte vielleicht mehr lesen von dem Mann. Danke nochmal, Herr Kollege.

Achja, bei der Gelegenheit noch eine Klarstellung: ich wurde schwabenfeindlicher Umtriebe geziehen - hier mein Coming Out: ich MAG sie, meine Schwaben!

ich mag auch meine Haustiere...

Mittwoch, 5. November 2008

Waldeslust


Als gestandene Rheinhessin und erklärte Lokalpatriotin kann ich nicht davon ablassen, hin und wieder von der Lebensart unserer possierlichen Freunde im Süden der Republik zu berichten. Auch heute durfte ich einmal wieder Zeugin einer Drolligkeit werden, von der ich der Welt gerne berichten möchte:

Es hat sich ja mittlerweile auch in zivilisierten Teilen des Landes herumgesprochen, dass im Schwabenland mit Hingabe ein Ritual gepflegt wird, dass sich „Kehrwoche“ nennt. Auch bei uns wird ja gelegentlich mal zum Besen gegriffen, allerdings meist, weil es dreckig ist und nicht, weil Samstag ist. Ich glaube, der allgemeine Unverstand der Zugezogenen für dieses tief verwurzelte Brauchtum ist der Schlüssel dafür, dass sich die „Eing’schmecktn“ niemals mit den Eingeborenen wirklich werden verbrüdern können.

Deutschland ist schön. Und Stuttgart ist sauber. Soweit, so gut.

Wie ernst die Sache aber wirklich ist, konnte ich heute erleben. Gutgelaunt von einem kleinen Ausflug in’s Schlaraffenland zurückkehrend, fuhr ich mit meinem geschätzten Kollegen, großen Bruder und „Racker“-Besitzer durch die Wälder und Auen Richtung Stadt, als ich plötzlich am Wegesrand einer Gruppe fleissiger Waldarbeiter gewahr wurde, die emsig dabei war, den Wald von dem unordentlich im Wald und auf der Straße herumliegenden Laub mittels Laubsauger zu befreien. Nach anfänglicher Fassungslosigkeit dachte ich mir: diesen Einsatz lob’ ich mir! Was sind wir bei uns zu Hause doch für Schlamper. Ich hatte zwar zu meinen Freundinnen beim sonntäglichen Lauf durch den Gonsenheimer Forst schon im Scherz bemerkt, dass „hier auch mal jemand die Gass’ kehrn könnt“, aber d a s macht mich denn doch sprachlos…

Von den Schwaben lernen heißt Ordnung lernen! Jawoll!!

Samstag, 1. November 2008

Kunst III

Bei meinem gestrigen Post habe ich doch beinah einen der ganz großen Hoffnungen der Menschheit unterschlagen: Hagen Rether. Ist aber ok, der Mann verdient einen eigenen Post. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen und gehört habe, wie er im freundlichen Plauderton - das Klavier plätscherte im Hintergrund freundlich vor sich hin - die bösartigsten kleinen Geschichten erzählte...ja, ich muss gestehen: da stockte mir der Atem. Da will ich nicht lang schreiben: hingehen - kucken - hören!! Kommt übrigens demnächst nach Mainz...