Dienstag, 29. Dezember 2009

Liebes Altjahr

Nun hast du ja schon fast fertig und wir müssen uns Gedanken machen, wie wir dich würdig zu Grabe tragen. Am besten mit einem Schlöckchen. Oder Zweien. Am stilvollsten natürlich so:



Danke, liebe TITANIC für diese kleine Anregung - wird gemacht!

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Stille Nacht

Auch so genervt wenn um diese Jahreszeit die Gehörgänge immer mehr verkleistern durch die Dauerbeschallung mit "Last Christmas", "White Christmas", "Whatever Christmas"...?

Da stehen wir nicht allein da. Da ist einem Herrn auf der Insel doch einmal der Kragen geplatzt und er hat mal eine kleine facebook-Kampagne gestartet. Der Mann heißt Jon Morten, Gelegenheits-DJ und wohnt in der beschaulichen Stadt Essex. Und ahnte nicht, welche Lawine er lostreten würde: über eine halbe Millionen Entnervter haben sich entschlossen, den gefälligen Romantik-Melodeien ein deutliches "No" (bzw. "f..." - sowas schreibe ich aber nicht...) entgegen zu schleudern bei der Wahl des beliebtesten Weihnachtslieds 2009.

And the Winner is:




Gut, die dort verkündete Botschaft würde ich nicht in allen Punkten so formulieren, aber eines kann ich nur unterstreichen: "Fuck you, I won't do what you tell me" ("Scheiß auf dich, ich mache nicht, was du sagst") - soweit der Frontmann von "Rage against the maschine" Zack de la Rocha.

Achja das Stück:



Obwohl ich ein Fan klassischer Musik bin, will ich nicht verschweigen, dass die Produkte dieser Combo nicht gerade zu meinen Favoriten zählen. Freuen tu' ich mich aber trotzdem. Hab' auch mal ein bisschen weiter reingehört in das Album. Ein weiteres Stück ist mir dabei aufgefallen. Es heißt "Bullet in the head". Dort schreit der Sänger: "They say: Jump! - You say: how high?"
Wollen wir das? - Nö!

In diesem Sinne: ein frohes Fest

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Heute morgen auf dem Hauptbahnhof

Es ist kalt, es ist nass, es ist eklig. Finden auch die Rolltreppen zu den Gleisen und haben die Arbeit einfach eingestellt. Allesamt. Nichts bewegt sich. Vor mir ein Herr mit kleinem kleinen Hundchen. Sieht auch, dass er hinuntersteigen muss und trottet los. Nach einem Drittel des Weges hält er inne. Geht wieder hoch. Wechselt über auf die andere Rolltreppe. Richtig! Das ist die, die eigentlich herunterfährt. Wenn sie denn fährt. Es muss alles seine Ordnung haben. Auch wenn nichts funktioniert. Gut dressiert!

Achja, dressiert: das Hündchen – ein kleiner Jack Russel Terrier. Hat es dieser Tage auch nicht leicht: jeder erwartet nun kleine Kunststückchen. Niedlich gucken reicht einfach nicht mehr! Viele Grüße an PrimaDonna.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Grandiose Leistung!

Alle Welt - zumindest die RTL-Kuckende - steht Kopf: Des Osters Sohn nebst Wauzi haben singende Kids (sonst immer ne sichere Bank) und Sänger mit schwerer Lebensgeschichte auf die Plätze verwiesen. Und weil der stolze Baba ja schon das Sieger-Video eingestellt hat, hier ein wenig Hintergrundgeschichte:



Herzlichen Glückwunsch Yvo Antoni und PrimaDonna!

Habe mal mit meinen vierbeinigen Fellgesichtern gesprochen. Wollen nicht. Finden sowas kindisch (bzw. hündisch). Soviel Leckerlis kann ich gar nicht verfüttern. Schade. Katzen halt...

Samstag, 12. Dezember 2009

Offener Brief

Lieber Kleiner Bruder,
als du mir letzte Woche erzählt hast, dass du von einem heimtückischen Kaninchen gerissen wurdest, habe ich dich ausgelacht. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Auch wenn dir der kleine aber feine Unterschied zwischen "reißen" und "beißen" mittlerweile klar ist: die Gefahr ist nicht zu unterschätzen - aber sieh' selbst und tritt auch künftig mit der gebotenen Ehrfurcht an den Hasenkäfig:

Montag, 7. Dezember 2009

Worte…

Zum Jahresende findet ja immer die große Kür statt: Worte, Unworte, Tiere, Untiere, Wasauchimmer des Jahres…nun habe gelesen, was die Jugend zu ihrem „Wort des Jahres“ gewählt hat: „Hartzen“. Was damit gemeint ist? Herumhängen, nicht arbeiten, eben von „Hartz IV“ leben. Ganz schön deprimierend. Wenn das die Stimmung unserer Jugend widerspiegelt: Gute Nacht, Deutschland.

Wie war noch gleich der Ausdruck unserer Jugend? Ja, genau „Atomkraft? Nein, Danke“. Damit verbinde ich gerne den Widerspruchsgeist der damaligen (völlig nostalgisch ungeschönten, klar…) Zeit, Hüttendorf bei der Startbahn West, Ostermärsche, Friedensbewegung – ja, w i r hatten’s noch drauf! Ich hoffe doch schwer, dass dieses „Jugendwort des Jahres“ wirklich nur Ausdruck einer – wenn auch lautstarken – Minderheit ist, sonst sehe ich wirklich für mich nur noch das Wort des Jahres „Auswandern-Exil-WudangShan“!

Noch schnell ein Blick in’s Paralleluniversum, bevor ich in Tränen zerfließe: Wie verwendet denn eine andere Jugend ihre frisch erworbenen Deutsch-Kenntnisse; was hat sie denn für eine Sicht auf das Leben:



Cool!

Montag, 30. November 2009

Prima Klima

Am Wochenende habe ich gelegentlich Zeit, wirklich jeden Artikel des heimischen Käseblattes – für den ich ja auch schließlich teuer Geld bezahlt habe – zu lesen. Also auch Themen zur Weltpolitik, über die sonst gerne mal hinweghusche, weil ich die große Politik meist doch nicht verstehe…

So konnte ich der Tagespresse entnehmen, dass die großen Brüder links und rechts sich nicht so wirklich mit dem Gedanken, ihren Ausstoß an Dreck zu reduzieren, anfreunden können. Nun kann man der Weltöffentlichkeit natürlich nicht so einfach die schlichte Wahrheit, dass einem der Klimawandel am A… vorbeigeht, um die Ohren hauen. Also muss eine ansprechende Lesart her – und die hat man jetzt wohl gefunden: nicht das Klima wird schlechter, nein – das Wetter wird besser! Klar, die Leute haben recht! Wer braucht schon knackig kalte Winter? Eisbären vielleicht – aber sonst? Und wenn man das so schön vorgeführt bekommt, hat man gleich gar kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man einfach die zunehmend milderen Temperaturen (ich denke da an des Osters Outdoor-Frühstück…am 25. November) genießt und schon mal die ersten Palmen auf der Terrasse pflanzt.

Das Viehzeug hat sich wohl auch schon arrangiert, Vorreiter sind seit ein paar Jahren ein paar grüne Papageien, die sich offensichtlich im Wiesbadener Schlosspark ziemlich wohl fühlen und auch gerne mal einen kleinen Ausflug in unsere kleine Stadt machen. So zu sehen gestern morgen, als ich der Abholung durch meine Freundinnen harrte. Noch etwas verschlafen stand ich da an der Bushaltestelle zu Gonsenheim, da krächzte es auf einmal in den höchsten Tönen und einer großer grüner Schwarm flatterte über mir vorbei. Ich gebe zu, es hat eine Weile gedauert, bis mir die Zuordnung gelungen ist. Da waren sie schon wieder weg. Fast alle. Bis auf einen Nachzügler, der heftig schimpfend den Anschluss suchte. Hatte wohl die Orientierung verloren. Ob das Vögelchen Stefanie hieß?

Montag, 23. November 2009

Heut' bei den Nachrichten...

...habe ich lesen dürfen, dass der "Large Hardron Collider" in Genf nach einem Jahr rumgewurstel endlich wieder einsatzbereit ist. Wir erinnern uns: die European Organization for Nuclear Research (CERN) hatte letztes Jahr so eine 27 Kilometer lange Spielbahn, vulgo Teilchenbeschleuniger, gebastelt, um schwarze Löcher zu produzieren. In diese sollte dann unser Universum eingesogen werden. Oder so. Zumindest war das das Ergebnis der hochwissenschaftlichen Recherche der BILD-Zeitung. Ich glaube, bei CERNs hieß das ein bisschen anders, aber sei's drum: das Ende der Welt nahte mal wieder. Ich hatte mich schon gewundert, dass nix draus geworden ist und wir uns alle nach wie vor mehr oder weniger bester Gesundheit erfreuen durften. Jetzt weiß ich's endlich: das Ding funzte nicht! Peinlich, peinlich, liebe Schweizer. Aber jetzt tut es wieder, der Weltuntergang war also nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Und da kann man sich nun weiter freuen.

Noch einen schönen Tag. Es könnte der letzte sein...

Sonntag, 15. November 2009

Falls wir nochmal auf die Idee kommen sollten...

...unseren chinesischen Kumpels Walzer beibringen zu wollen:



Damit kriegen wir es bestimmt besser hin als mit Richard Clayderman!

Samstag, 7. November 2009

Jugend forscht


Eine ganz wichtige Frage: sollte man USB-Sticks zusammen mit der pflegeleichten Wäsche bei 60°C in die Waschmaschine tun? Sollte man nicht. Auch wenn er noch so dreckig ist. Wie ich drauf komme? Ach, nur so...

Freitag, 6. November 2009

Was ist ein Original?

Wenn man - wie ich im Moment - saisonbedingt mal ein wenig auf Schnauze liegt, ist das zwar einerseits extrem nervig: Rüssel läuft, dicke Rübe, Husterei - Sachen die die wenigsten brauchen. Die geistigen Kapazitäten reichen gerade noch für leichte Lektüre. Und für zum Posten, natürlich...

Andererseits habe ich Zeit, ein sehr empfehlenswertes Buch mit dem vielversprechenden Titel "Allein unter 1,3 Milliarden" von Christian Y. Schmidt, in dem er seine Reise von Shanghai bis Kathmandu beschreibt, zu lesen. Ich kann nicht zählen, wie oft ich mir dachte "jaja, kenn' ich, steht auch so oder ähnlich im Wudang-Blog" - aber eines wusste ich nicht:

"Im Fernsehen singt eine junge Frau das Fool's-Garden-Stück "Lemon Tree" auf Chinesich. Aus nicht erklärlichen Gründen ist hierzulande der Song der deutschen Band aus Möttlingen bei Böblingen bis heute ein Riesenhit..."

Ich habe es geprüft, bin fündig geworden und habe - mit der frechen Behauptung "Original" bei youtube diese Produktion entdeckt:



Wenn natürlich derjenige, dessen Produkt öfter durchgenudelt wird, Anspruch auf die Bezeichnung "original" hat, sieht es für die Jungs aus Möttlingen allerdings mau aus: da gibt es in China-Land defintiv den größeren Markt für. Pech gehabt.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

….wieder da

Die Wiedereingliederung in die Heimat hat mich einige Tage gekostet, aber natürlich möchte ich nicht versäumen, über die letzten Tage in China zu berichten. Deshalb verspätet aber nicht zu spät die Nachlese:


Das hübsche Städtchen Wuhan hat mich pünktlich um 5 Uhr in voller Schönheit und Pracht erwartet. Mein Versuch, diesmal ein offizielles Taxi zu ergattern, scheitert an dem Trickreichtum eines Herren, der sich einfach neben ein echtes Taxi stellt, mir den Rucksack aus der Hand nimmt und zu seiner Privatkarosse schleppt. Das Gezetter des echten Taxifahrers im Ohr folge ich ermattet und überlege mir für's nächste Mal eine bessere Strategie. Glücklicherweise weiss ich ja, wo das Hotel ist, so dass wir beide uns eine längere Sightseeing-Tour ersparen. Dank Peis Fürsorge ist tatsächlich um die nachtschlafende Zeit ein Zimmer für mich vorbereitet, so dass ich nicht wie beim letzten Mal mühevoll ein paar Stunden herumbringen muss, bis ich endlich meine müden Knochen noch ein wenig erfrischen kann. Mittlerweile hat sich meine kleine Freundin Cici, die in Wuchang Englisch studiert, gemeldet und ihre Ankunft für die Mittagszeit angekündigt. Sie wird noch eine Freundin mitbringen. Die sei sehr groß. Ich möchte wissen, was das bedeutet. Warte es ab. Pünktlich laufen die beiden ein und ich verstehe. Cici ist etwa 1,50 m, ihre Freundin dagegen riesig. Also so groß wie ich. Ich muss über die beiden lachen und erkläre, dass meine Größe von 1,69 m in Deutschland nicht gerade als Gardemaß gilt und ich mich jedesmal dran gewöhnen muss, dass ich hier zu den ganz Großen gehöre. Spätestens wenn es um Klamottenkauf geht, ein echter Born der Freude...


Ich mache mir mit den beiden Damen einen schönen Nachmittag mit Shoppen und Begutachtung der vielen Skurilitäten, die diese Stadt zu bieten hat. Vieles davon zum Kaufen. Einiges davon nun hier in unserer kleinen Stadt. Am Abend treffen wir uns mit meinem früheren Lehrer Laohei, der zwischenzeitlich hier an einer Schule unterrichtet. Er ist etwas schüchtern, blüht aber schnell auf, als er uns drei Damen zum Essen ausführen darf. Als sich Cici und ihre Freundin, die den schönen Namen Stefanie ausgewählt hat, sich verabschieden, nehme ich die Herausforderung an: mein erstes längeres Gespräch auf Chinesisch. Ohne Fluchtmöglichkeit in eine andere Sprache. Aber Laohei ist ein geduldiger Lehrer, immer wieder wiederholt er seine Sätze, bis ich endlich festgestellt habe, ob ich die Aussprache nicht verstehe oder schlicht die Vokabeln nicht kenne. Wir unterhalten uns zwei Stunden lang über Gott und die Welt – glaube ich zumindest – und haben viel Spaß dabei. Ich freue mich sehr darüber, dass es gelungen ist, die Verbindung zu diesem außergewöhnlichen jungen Mann aufrecht zu erhalten, nachdem er Wudang Shan verlassen hat. Ich hoffe sehr, dass er etwas aus seinem großen Talent macht. Vielleicht gelingt es mir ja doch noch, ihn eines Tages nach Deutschland zu locken, damit er bei uns ein Seminar gibt.


Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Shanghai. Ich bin sehr gespannt, ob sich die Stadt wohl verändert hat. Seit 4 Jahren war ich nicht mehr dort und habe bisher nur die üblichen Touristenrouten kennen gelernt, weil ich eigentlich keine Riesenstädte mag und immer versuche, schnellstens ins Hinterland zu kommen. Meine Freundin Stefanie hat mir eine für sie typische Wegbeschreibung geschickt, damit ich weiß, mit welchem Bus ich wohin zu fahren habe, welche Straßen zu überqueren sind und was alles unterwegs zu beachten ist. Ich hatte über den Text eine Weile meditiert und bin gespannt, wie sich wohl die Realität so darstellt. Es zeigt sich, dass alle Fakten aufgezählt waren, allerdings die Reihenfolge der Baustellen, Seitenwechsel undsoweiter sind leider nicht ganz chronologisch. Vielleicht hat sie eine alphabetische Ordnung gewählt? Egal, irgendwann finde ich das Gästehaus, mache ich frisch und nehme den nächsten Bus ins Ort. Tatsächlich treffe ich Stefanie und sie zeigt mir die Straßen des Viertels. Ich verliebe mich in ein T-Shirt einer jungen Designer-Firma, auf dem in dem Puma-typischen Schriftzug „Miao“ gedruckt steht und eine springende Katze abgebildet ist. Das Shirt ist schwarz. Nach meiner Erfahrung sehr bald schwarz mit weißem Xiaomo-Haar, aber das gehört dazu und hindert mich nicht. Am Abend treffen wir uns mit Bettina, die abgehetzt von der Arbeit kommt, im „Barbarossa“ und nehmen ein paar kühle Drinks zu uns, während wir auf der Terrasse sitzen und auf den Renmin-Gongyuan (vulgo: Volkspark, haben wir auch in Mainz) schauen. Zu Hause gab es einen Wintereinbruch. Minusgrade. Das Leben ist schön.

Am nächsten Tag treffe ich endlich Meister Wu Mao Gui nach Jahren wieder, den alten Haudegen. Er raucht immer noch wie ein Schlot und nötigt mich bei jeder Gelegenheit, mit ihm zu qualmen und auch die schöne Angewohnheit, einen dreckig auszulachen, wenn man dummes Zeug macht, hat er nicht abgelegt. Ich mag den Mann und sein Fajing ist einfach unglaublich. Ich bemühe mich ein wenig, die Schläge so zu leiten, wie er es mir zeigt – keine Chance. Hier wäre auch mal wieder ein längerer Aufenthalt angezeigt. Ach, es gibt so viel zu lernen...




Meister Wu hatte ursprünglich eine Einladung, bei der persönlich kochen wollte, ausgesprochen. Im Überschwang hat er aber nun so viele Leute eingeladen, dass seine Wohnung diese Menschenmasse unmöglich fassen kann. Also treffen wir uns erst zum Tee, um dann gemeinsam in ein Restaurant zu gehen. Neugierig schaue ich mich in der Wohnung um. Ich weiß, dass er gerade erst in den Neubau eingezogen ist. Ich bin verblüfft, als wir uns durch ein wahres Labyrinth dem Haus näheren. Es ist gelungen, den Neubau in kurzer Zeit mit so viel Patina zu versehen, dass er in seiner baufälligen Umgebung gar nicht auffällt. Erstaunlich. Die Wohnung selbst ist gemütlich und zweckmäßig eingerichtet. Ich werde den Katzen des Meisters vorgestellt. Er hat in Deutschland meine beiden Exemplare kennen gelernt und war über die Ausmaße tief beeindruckt.


Als die Gruppe von mittlerweile stolzen 16 Mann vollständig ist, geht es gemeinsam los Richtung Restaurant. Und dann wir aufgetischt. Nach zwei Wochen Einfachskost gehen mir schnell die Augen über. Über verschiedene Fischgerichte, Garnelen, Jakobsmuscheln, Fleischgerichte, Fruchtkompositionen, unzählige Gemüsegerichte – eines leckerer als das andere. Ich bedaure unendlich, dass der Magen irgendwann eine Grenze setzt – wie schade! Mittlerweile brennt die Luft – nicht nur, weil wir ständig mit Zigaretten beworfen werden, die wir aufrauchen müssen, sondern auch, weil nach vielen Runden „Gan Bei“ der eine oder andere seinem Temperament freien Lauf lässt und die geneigte Tischrunde mit lustigen Geschichten unterhält. Irgendwann fordert Bettina – bevor ich ihr kräftig ans Schienbein treten kann – einen der Herren auf, doch mal ein Liedchen zu singen, das könne er doch so gut. Das lässt er sich nicht zweimal sagen. Und es ist natürlich völlig klar, wer als nächstes dran ist mit Singen. Vielen Dank. Zur Dritt lassen wir im Schnelldurchlauf alles bekannte Liedgut Revue passieren, stellen fest, dass wir keinen einzigen Text parat haben, bis dann die rettende Idee kommt: „Theo, spann den Wagen an“ – wenig Text! Stefanie hat Chorerfahrung, Bettina und ich brummeln den Kanon irgendwie mit, klingt zwar ziemlich schräg, aber es erheitert auf jeden Fall die andächtig lauschende Gemeinde. Nach dem dann noch ein kleines Kräftemessen einiger leicht angetrunkener Herren auf dem Programm steht, was glücklicherweise ohne Verletzte abgeht, ist dieser wunderbare Abend dann auch beendet. Wir stellen uns noch gemeinsam zu einem Abschlussfoto, das der übermüdete Nachtwächter des mittlerweile menschenleeren Lokals schießt, auf und trennen uns als Freunde. Was für ein Abend!




Für den nächsten Tag habe ich mich mit meiner Freundin Viktoria, die im August mit ihrer Familie nach Shanghai ausgewandert ist, verabredet. Vor dem Architekturmuseum am Volkspark schien mir als Treffpunkt sehr schlau und wurde auch widerspruchslos akzeptiert. Ich stehe vor dem Eingang, nach 10 Minuten der erste Anruf. Bin noch unterwegs, ich weiß nicht wo, wird später. Hatte ich schon gemerkt. Dass Verabredungen bei diesem Verkehrschaos eher unverbindlichen Charakter haben, ist eigentlich selbstverständlich, da braucht man kein Wort darüber zu verlieren. Nach 20 Minuten der nächste Anruf: „ich stehe jetzt vor dem Museum, wo bist du denn?“. Nun wird es also spannend. Ich renne um das Gebäude. Keine Viktoria. Mir schwant etwas. Am Park gibt es ein weiteres großes Gebäude, das man mit etwas gutem Willen durchaus mit dem Museum verwechseln kann: das Theater. Auf der anderen Seite des Parks. Ich heiße Viktoria, sich nicht zu rühren und sprinte los. Erreiche die andere Seite. Keine Viktoria. Nächster Anruf. Ich lasse mir das Gebäude beschreiben „so braun mit einem Erker“. Aha. Das trifft definitiv auf keines der beiden Häuser zu. Aber da gibt es noch so ein kleines Gebäude, in der kleine Ausstellungen stattfinden – vielleicht das? Ich renne los. Keine Viktoria. „Wenn du dich umdrehst, was siehst du?“ - „Ein großes Gebäude, da steht Samsung drauf“. Ja, das habe ich schonmal gesehen. Auf der anderen Seite. Himmelarmundzwirn. Und wieder Rennen. Nun, wie soll ich sagen...Viktoria, mittlerweile etwas kleinlaut – „bis zu dem Samsung-Gebäude ist es noch ganz schön weit...“ In zähen Verhandlungen kriegen wir endlich geklärt, dass sie mutmaßlich vor dem Shanghai-Museum steht, was jetzt nicht unmittelbar am Volkspark liegt...wir schaffen es am Ende, uns tatsächlich vor dem Architektur-Museum zu treffen und es stellt sich heraus, dass auch Viktoria dort ihren Irrweg begonnen hat. Prima, Prüfung bestanden. Was könnte die nächste Herausforderung sein – Treffen in Chongqing?


Nach einer erfolgreichen Shopping-Tour, bei der ich – wieder einmal – das ultimative China-Handy erstehe, fahren wir gemeinsam in den Vorort, in der Viktoria ihr neues Zuhause gefunden hat. Ein hübsches kleines Häuschen in einer sehr gepflegten Anlage – so lässt es sich natürlich leben. Die Kinder begrüßen mich freudig, wir haben uns ja schon eine Woche nicht mehr gesehen. Den kleinen Wudang-Ausflug haben die beiden Jungs offensichtlich gut überstanden. Flehentlich bitten sie mich, ihre Eltern zu einem Ausflug zum Italiener zu überreden – offensichtlich haben die Kinder das chinesische Essen ein wenig über. Mir ist es egal, ich esse auch mal ne Pizza in Shanghai und so landen wir schließlich in einer Oase europäischen Glücks: Pizzeria mit hausgemachtem Eis, angeschlossener Bäckerei in der sich alles findet, was der Auswanderer zu vermissen glaubt: Vollkornbrot, Nussecken, Nutella – und Köstritzer Schwarzbier ist auch im Angebot. Ich verzichte.

Es ist ein liebgewonnenes Ritual, mir immer auf dem Rückflug vorzustellen, wie das erste gute deutsche Bier meine Kehle hinunterrinnt und ich den Geschmack einer Gorgonzola-Pizza auf der Zunge verspüre...das möchte ich mir nicht nehmen lassen.


Zu Hause erwartet mich eine Überraschung: Viktoria hat mir ein ganzes Bündel Hello-Kitty-Leckerlis besorgt, die sie mir freudestrahlend überreicht. Ich bin gerührt. Nachdem mein strammer Zeitplan nun doch nicht gestattet, den hiesigen Hello-Kitty-Devotionalien-Laden aufzusuchen, kann ich jetzt doch einige Trophäen mit nach Hause nehmen. Ich bin begeistert!

Den nächsten Morgen begehen wir noch mit einem gemeinsamen Frühstück auf der Terrasse (wieder einmal denke ich an die Temperaturen in Deutschland), bevor es zurück ins Hotel geht. Packen. Auschecken. Noch ein paar Stunden verbummeln, unnützes Zeug kaufen – und der Flughafenbus bringt uns nach Pudong. Bettina begleitet uns. Tieftraurig verabschiede ich mich. Bis zum nächsten Mal. 再见

Mittwoch, 30. September 2009

...und Tschüß

Endlich sind auch für mich die letzten Stunden angebrochen, nachdem ich in den letzten Tagen nur mehr oder weniger neidisch auf die Blögge von Bat und Oster, die erfreulicherweise ja die Kommentare nicht kommentieren können, weil Blogspot ja bekanntlich in China gesperrt ist, geschaut habe.

Das Geraffel ist gepackt, viele gute Ratschläge aus Shanghai (sauschwül), Wuhan (ganz schön kalt) und Wudang (hier regnets, nimm bloß warme Sachen und Wetterfestes mit) eingeholt...nun also nur noch warten...

Ich bin immer noch schwer gespannt, ob alles wirklich klappt, ab Wuhan sind meine Reisepläne noch nicht so ganz geklärt, es ist "Golden Week" in China, das ganze Land ist auf den Füßen, gerade in diesem Jahr brennt anlässlich der 60-Jahres-Feierlichkeiten die Luft. Nun, ich werde sehen, wenn alle Stricke reißen, werde ich einen Fahrer für die lächerlichen 600 Kilometer von Wuhan nach Wudang organisieren, Hauptsache ich bin am Samstag zum Mondfest da - da gibt es eine große Party, und Oster wird - mit meiner bescheidenen Unterstützung - ein chinesisches Liedlein zum Vortrag bringen.

Xiaomo war in letzter Zeit eher anderweitig beschäftigt, deshalb so wenige Posts - nun erst einmal für gute 3 Wochen gar keine mehr. Danach gibt es sicherlich wieder viel "Neues aus Absurdistan" zu berichten. Achja: was ich hier so schreibe, hat tatsächlich so (oder zumindest so ähnlich) stattgefunden, Herr Kollege! Echt, die Welt ist so. Zumindest Xiamos kleine Welt...

Wer mag, kann die Reise nach Wudang auf dem Wudang-Bloghttp://wudang-dao.blogspot.com/ verfolgen: das Autorenteam freut sich über jede Rückmeldung!

Bis die Tage - gehabt Euch wohl!

Donnerstag, 24. September 2009

Schäm' dich, Zöhkel!

Das hat ja schon fast Facebook-Qualität!

Menschen im Zuch 5.237 A

Heute saß er wieder neben mir, der Gute. Freundliches Begrüßungsnicken. Gemeinschaftliches ICE-Koma bis kurz vor Stuttgart. Dann

er: (spricht, irgendwas)
ich: (versucht von den Lippen zu Lesen) Zehn vor Sieben
er: (schüttelt mit dem Kopf, spricht, irgenwas)
ich: (reiche ihm hilflos meine Zeitung)
er: (schüttelt mit dem Kopf - zeigt auf meinen Nintendo)
ich: "ich lerne Chinesisch" (schalte die Musik aus)
er: "gutes Spiel?"

So kann es weitergehen. Vielleicht reden wir eines Tages sogar.

Mittwoch, 23. September 2009

Menschen im Zuch, die 5.237igste

Ein ganz typisches Erkennungsmerkmal von Pendlern sind die Ohrstöpsel. Werden mit oder ohne Mucke getragen, mein Modell schließt so dicht ab, dass ich mich - auch wenn der Akku meines MP3-Players gerade mal wieder auf Ebbe steht - wunderbar vom Alltagsgestammel meiner Umwelt abschirmen kann. Wenn ich mich morgens so im ICE umschaue, würde ich schätzen etwa 2/3 aller Reisenden schotten sich so vom Rest der Welt ab.

Heute morgen setzte sich ein junger Mann neben mich, ebenfalls mit den verräterischen Kabeln bestückt. Der folgende Dialog ist nach meiner Beobachtung exemplarisch für die Kommunikation im Zeitalter der Wanderarbeiter:

ich: "kann ich mal in Ihren "Kicker" schauen?"
er: (lächelt freundlich, steht wortlos auf, um mich vorbei zu lassen)
ich: "nein, kann ich mal in Ihren "Kicker" schauen?"
er: (schlägt sich an die Stirn, lächelt entschuldigend - und reicht mir den Zugplan)
ich: "Könnte.Ich.Bitte.In.Ihren."Kicker".Schauen?"
er: "Oh, Entschuldigung - Zehn vor Sieben!"
ich: (bricht wortlos zusammen und krallt sich im Fallen einfach das Heft)

Immerhin, wir haben geredet. Wenn auch nicht miteinander...

Samstag, 19. September 2009

Ein Tag in unserer kleinen Stadt

Schon seit Tagen verschleppe ich eine üble Erkältung, die trotz konsequenten Ignorierens leider nicht schwinden will. Nachdem ich gestern fast zwei Stunden dem Mann mit den goldenen Händen mein marodes Gerüst zwecks Aufbereitung zur Verfügung stellte und der Gute mir dringend eine Ruhepause angeordnet hat, weil ich fast jeden physiotherapeutischen Handgriffe mit heftigem Jaulen quittiert habe, bin ich heute einfach mal in unsere kleine Stadt getigert. Einfach so. Zum Flanieren. Ohne großes Ziel und ohne eine Liste, die es abzuarbeiten gilt.

Es ist ein wunderschöner Spätsommertag, die Menschen auf der Straße sind völlig entspannt. Und ich bin es auch. Beim libanesischen Imbiss hole ich mir eine große Portion Tabuleh. Nicht wegen der unendlichen Menge Vitamin C, die in der Petersilie steckt, sondern weil es super lecker schmeckt. Ich finde eine Bank in der Sonne, von der aus ich wunderbar Leute kucken kann. Der junge Mann, der die Bank schon für besetzt gehalten hat, ist über meine Anwesenheit wohl wenig begeistert, das stört mich aber nicht. Wen interessieren schon Einzelschicksale. Als er einen Anruf bekommt und Mozarts Requiem ertönt, wird mir einiges klar. Ich will ihn fragen, ob „Harold & Maude“ zufällig sein Lieblingsfilm ist, bin dann aber doch zu träge. Ich beobachte, wie zwei Damen in aufwendigen Kostümen, die schwer nach Theaterfundus aussehen, irgendwelches Papier verteilen – Werbung für irgendein Stück? Oder vielleicht irgendein ein originelles Hinkuck-Event für irgendeine Partei? Überall sind Stände der verschiedenen Parteien aufgebaut. Auf die Entfernung kann man – außer den Farben – keine großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften ausmachen. Ich vermute, diese Sicht der Dinge würde sich auch beim Näherkommen nicht ändern. Um mein Vorurteil zu überprüfen müsste ich nun aufstehen. Bin ich aber zu faul dafür. Nett hier, in der Sonne auf der Bank…

Ich mag sie, unsere kleine Stadt

Sonntag, 6. September 2009

In dem Zusammenhang...

...den noch gleich hinterher:



Gruselig...

Eigentlich..

...bemühe ich mich redlich, die sprachlichen Entgleisungen bei Facebook zu ignorieren - ich bediene mich ja selbst gerne mal der Sprachautomaten, wenn ich nicht mehr weiter weiss oder einfach zu neugierig bin zu erfahren, was meine Kumpels so in einer völlig fremden Sprache zu schwätzen haben (meist nix spannendes, das weiss man aber immer erst hinterher).

Ich habe mich daran gewöhnt, dass die wirren Werbebanner grammatisch...nun sagen wir mal...nicht immer ganz so treffsicher sind. Überliest man halt einfach. ABER: was zu viel ist, ist zu viel!



Musste ich erstmal ne Weile drüber meditieren, was mir der Autor mit diesen Zeilen sagen wollte...

Nun aber: Setzen! Sechs!!

Sonntag, 30. August 2009

Sommerloch 2

Bevor ich Ende letzten Jahres das Bloggen entdeckt habe, gab es in meinem Büro eine kleine Ecke, die ich mit "Neues aus Absurdistan" überschrieben hatte. Da waren fröhlich die ganzen Artikelchen, die mir morgens beim Zugfahren schon den Puls oder die Laune oder auch beides nach oben getrieben haben, versammelt.

Ein echter Renner war eine Sommerloch-Serie des hiesigen Käseblattes, bei der es um drei mutterlose Igelkinderchen ging, die von einer Gonsenheimer Igel-Beauftragten liebevollst aufgepäppelt wurden. Wanda, Wolle und Wusel oder irgendwie so hießen die Viecher und jede Woche konnte der atemlos staunende Leser erfahren, wieviel Gramm die lieben Kleinen schon wieder zugelegt und was sie - in's Flegelalter gekommen - denn für lustige Streiche angestellt hatten. Das ganze mit vielen bunten Fotos unterlegt - in der nach oben offenen Goldisch-Skala ne glatte 10! So hat man sich wunderbar über den Sommer retten können.

Nun ist wieder Sommer - und prompt schlägt das Glück des Reporters zu: ein seltenes Albino-Igelchen wurde uns zu Gonsenheim geboren - kommet und schauet:



Nun lernen wir, dass Albino-Igel äußerst selten sind und dieses Exemplar, das feierlich auf den Namen "Nathan der Weiße" getauft wurde, wohl den Rest seines Lebens in einem Gonsenheimer Garten verbringen wird, da er wg. mangelnder Tarnfarbe ein hervorragendes Ziel für Fressfeinde bieten würde. Es gibt schlimmeres. Bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Noch ist der Sommer nicht rum.

Sonntag, 23. August 2009

Si-Sa-Sommerloch

Jeden Sommer das selbe Drama: verzweifelte Journalisten (ja, auch Blogger...) sind auf der Suche nach einem zündenden Thema, das mindestens mal zwei Spalten verspricht. Selbst Vereine werden geknechtet "ist bei euch denn nix los - eine Doppelseite könnte ich euch schon versprechen" - Hilft nichts, tote Hose, allenthalben Sommerpause, keiner bewegt sich, zumindest nicht freiwillig. Wahlkampf interessiert auch kaum jemanden, geht ja eh Keiner hin...dann, der rettende Gedanke: was hat die Polizei denn auf der Pfanne? Am besten irgendeine putzige Tiergeschichte, das zieht immer. Und so lesen wir jedes Jahr auf's Neue wie unsere Freunde und Helfer Entenfamilien über die Straße geholfen, aus dem Gulli gerettet oder vor raubgierigen Schwänen beschützt haben. Oder so. Hier die Edition 2009:

"Sozusagen als "Polente" (Höhö -XM-) betätigten sich Beamte in Saarbrücken: Sie retteten fünf Entenküken, die in Kanalschächte geplumpst waren. Auch nach der Rückkehr der Mutter war die Gefahr nicht gebannt. Die Polizisten mussten die Familie noch vor den Angriffen zweier Raben, eines Eichelhähers und einer Katze schützen, bis die rettende Saar erreicht war."

Soweit der Zeitungsbericht. Frage am Rande: warum hat man das Problem nicht mit "Ente süß-sauer" gelöst? Andernorts macht man da auch nicht für teuer Steuerngelder solchen Aufriss. Ist das vielleicht sone Art Image-Projekt der Polizei? Naja, wegen mir...aber: um nicht den Verdacht der Kaltherzigkeit ob des Schicksals niedlicher Mitgeschöpfe auf mir lasten zu lassen - hier noch etwas wirklich putziges:



So geht's doch auch - ist wenigstens originell!

Mittwoch, 19. August 2009

Neulich im U-Bahnschacht...

...finden sich immer mal wieder die lustigsten Plakate, die ich an dieser Stelle ja auch gerne einem interessierten Publikum vorführe.

Et voilá:



Dem geneigten Publikum stellt sich natürlich die Frage: "Wie wird sich wohl die arme Kakerlake gefühlt haben, als plötzlich ein ungewaschener, unrasierter Touri mit Adiletten an den Füßen in der Tür stand?" - Die Schweizer sind da - wie ich mich heute habe aufklären lassen - schon einen großen Schritt weiter: da haben Tiere sowas wie Persönlichkeitsrechte. Recht so!

Samstag, 15. August 2009

Insiderwitz

Auf meiner steten Suche nach dem ultimativen Chinesisch-Lernprogramm (am besten in Form eines Fischs, den man sich in's Ohr steckt und alles geht - die Älteren unter uns werden sich erinnern...) stoße ich manchmal auf die merkwürdigsten Angebote. Und dann wird erst einmal rumgetestet. Dabei bin ich auf diese Seite gestoßen:



Nett gemacht, aber das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint und wenn schon eigene vorgeschlagene Beispielsatz dermaßen in die Hose geht, dann möchte ich den Rest besser gar nicht kennenlernen. Wer weiß, vielleicht zettelt jemand mit dieser Übersetzungshilfe mal den Dritten Weltkrieg an, wegen eines "kleinen Missverständnisses"...vielleicht ist das ja die Idee und es steckt irgendein Geheimdienst hinter dieser harmlos anmutenden Seite...wer weiß...

Freitag, 7. August 2009

Chengyu des Tages

Computer sind lustige kleine Gesellen, die uns viel Freude am und im Leben bereiten. Und sie helfen uns unermüdlich, Probleme zu lösen, die wir ohne sie gar nicht hätten. Manchmal entwickeln sie allerdings ein Eigenleben, das mich fast wirklich an die vielbeschworene künstliche Intelligenz glauben läßt.

Kürzlich habe ich auf einem kleinen Streifzug auf der Suche nach dem ultimativen Chinesisch-Lernprogramm eine Seite entdeckt, die einem jeden Tag ein neues Chengyu und - wenn man möchte - auch eine neue Vokabel präsentiert, die der eifrige Schüler dann lernen kann. Chengyus wurden von den Chinesen geschaffen, um Ausländern, die ernsthaft glauben, sie könnten je die chinesische Sprache beherrschen, Demut zu lehren. Es sind kleine Sinnsprüche, die aus vier Zeichen bestehen und die keine Mensch kapiert, es sei denn, er ist gebildeter chinesischer Muttersprachler. Der Oster hat dieses putzige kleine Gadget auch gleich implementiert und vollmundig "3000 Jahre chinesischer Weisheit in vier Zeichen - täglich neu" getauft. Ich bin da etwas bescheidener, wie man sieht - mein Vorsatz ist einfach nur, so ein paar Dinger auswendig zu lernen um mit meiner Halbbildung anzugeben. Ist ja auch schonmal was und reicht üblicherweise auch völlig aus. Wer braucht schon Weisheit.

Gestern führte meine Überschrift zusammen mit dem Chengyu aber zu einer, nun sagen wir mal, denkwürdigen Kombination:



Na, gut wenn es mit der angestrebten Unsterblichkeit wider Erwarten nicht klappen sollte, wäre d a s auf jeden Fall ein vernünftiger Plan B!

Dienstag, 4. August 2009

Was macht eigentlich...Meister Yoda?

Ihr kennt sicherlich diese beliebte Serie auf der letzten Seite des "Stern". Da werden irgendwelche semi-prominenten Leute, die irgendwann mal wer waren, ein letztes Mal in's Rampenlicht gestellt und wir erfahren zum Beispiel, dass ehemals berühmte Schlagerstars nun auf Kreuzfahrtdampfern ihr Unwesen treiben. Sehr spannend, das.

Aber was ist eigentlich aus den wirklich großen Helden von, sagen wir mal, "Star Wars" geworden? Heute habe ich herausgefunden, was der gute alte Meister Yoda heute so treibt: er ist Programmierer bei Microsoft geworden!

Sonntag, 2. August 2009

Lebenshilfe

Nachdem die letzte Schulung, die ich bei der mittelständischen schwäbischen Versicherungsgesellschaft, bei der ich in Lohn und Arbeit stehe, genießen durfte, sich mit eher abgehobenen Dingen befasste - Bedienung des RiskShields, Fuzzy-Tech, Fuzzy-Logic - geht es nun endlich mal wieder um die wirklich wichtigen Dinge im Leben. "Back to the roots", gewissermaßen. Finde ich toll. Endlich mal etwas, was mich wirklich weiter bringt:



Nun hoffe ich nur, dass meine KollegInnen hinreichend alphabetisiert sind, um dieser schwierigen Lektion zu folgen.

Ich hätte auch schon Anregungen für weitere Kurse: "Essen mit Messer und Gabel", "Schuhe binden - aber richtig!", "Kaugummi kauen mit geschlossenem Mund", "Straße überqueren in der Stuttgarter Innenstadt", "U-Bahnfahren leicht gemacht" (da würde ich mich sofort anmelden)...ach, da fällt mir bestimmt noch einiges ein.

Sonntag, 26. Juli 2009

Für den Bau des als Ärzteporno getarnten Liebeskrimis

haben wir dann auch schon den passenden Platz gefunden, der Oster und ich:



Also los dann: wir warten auf Ergebnisse!

Dienstag, 14. Juli 2009

Abenteuer Deutsche Bahn die 1784.

Wie beginnt ein perfekter Tag? Weiss ich natürlich auch nicht, aber wie einer anfängt, der eigentlich nur in die Hose gehen kann, habe ich heute wieder einmal sehr anschaulich demonstriert bekommen.

Des morgens stehe ich...nein, frohgemut ist nicht ganz der richtige Ausdruck...auf dem Bahnsteig und schwätze mit B., dem leid- und TÜV-geprüften Aufzugsbauer. Der ICE wird angesagt, wir schauen zum Horizont: wir sind zwar beide zu der nachtschlafenen Zeit noch nicht so ganz wach, aber die Silhouette eines ICE kennen wir schon. Und das ist sie definitiv nicht. Das altersschwache Gefährt, das mühevoll einschnauft, wurde wohl am Morgen noch schnell notdürftig abgestaubt bevor es auf die Gleise geschubst wurde, weil der ICE nicht in die Hufe kam. Ich kenne diesen Zug und hasse ihn abgrundtief. Und das sage ich ihm auch jedes Mal, wenn ich ihn treffe.
Übellaunig besteigen B. und ich den Zug, ein Bistro gibt es in der alten Kiste natürlich auch nicht und wir beschließen, die Fahrt nach Stuttgart komplett zu verschlafen. Nicht ohne noch ein letztes Mal darüber zu maulen, wie unbequem dieser Zug ist - dafür rächt er sich in dem er die ganze Strecke lang richtig laut scheppert und poltert. Bevor wir uns trennen, empfiehlt mir B. noch die letzte Zugverbindung, die im Moment ohne Umsteigen abends direkt nach Mainz fährt, hätte er schon probiert und würde wunderbar funktionieren.



Nach einem solchen Start kann ein Tag eigentlich nur besser werden. Und so erfahre ich heute in einer Schulung Dinge über die wunderbare Welt des Riskshields und der Fuzzy-Logik und -Tech mehr als ich je im Leben wissen wollte...

Völlig auslaugt und fertig mit der Welt mache ich mich auf den Heimweg. Weil es schon so spät ist, nehme ich tatsächlich den von B. empfohlenen Zug, falle direkt in's IC-Koma. Wunderbar, nicht umsteigen müssen, einfach stressfrei nach Hause fahren. Toll. Und dann kommt sie, die Ansage: "Wegen eines Stellwerkproblems fährt dieser Zug n i c h t nach Mainz Hauptbahnhof. Nächster Halt in Mainz-Mombach" Prima. Herzlichen Dank. Und dann? Auch hier weiss die freundliche Stimme Rat: "um zum Mainzer Hauptbahnhof zu kommen, nehmen Sie bitte die S-Bahn". Ehrlich? Am Mombacher Wald- und Wiesenbahnhof hält doch gar keine S-Bahn...da wird man doch keine Lösung geschaffen haben?? Nach wenigen Minuten die Erlösung "um zum Mainzer Hauptbahnhof zu kommen, nehmen Sie bitte den Bus". Weltbild gerettet. Wo der Bus hält und ob die Tickets gelten, bleibt ein Geheimnis. Egal. Wir gelangen glücklich am Not-Bahnhof an, die Hundertschaft ratloser Gestrandeter ergießt sich auf dem Bahnhofs-Plätzchen, irgendjemand übernimmt die Führung, die Herde trottet hinterher, eine Eingeborene wird überfallen und nach der nächsten Bushaltestelle befragt, so eine große Menschenmenge auf einen Haufen gibt es hier sonst nur beim Marathon.

An der Bushaltstelle steht schon B. und lacht mich an: "Na, auch wieder da? Siehst du, was für einen tollen Tipp ich dir gegeben hab?" Ich kann es schlecht bestreiten. Während wir lange auf den Bus warten, unterhält er mich mit einer kleinen Geschichte. Der heutige Aufzugsnotfall: eine ältere Dame rief an. Kaum zu verstehen. Irgendwie konnte sie dann doch begreiflich machen, dass sie einen herben Verlust im Aufzug erlitten hat. Vor Ort des Rätsels Lösung: das Gebiss. Im Spalt. Nun ganz unten. B. bewahrt die Fassung und steigt in die Tiefen hinab. Und wurde mehr als fündig. Wahre Schätze finden sich im Abgrund. Wir spekulieren eine Weile, wie es die Leute fertigbringen, Handys, Uhren, Hörgeräte und eben auch Gebisse in den schmalen Schlitz zu schmeißen...wir kommen zu dem Ergebnis, dass die Schusseligkeit der Leute einfach nicht weniger wird. Und so bleibt der Arbeitsplatz sicher.

Freitag, 10. Juli 2009

Koole Omma

Der Umzug der Abteilung führte dazu, dass ich endlich mal wieder ein paar weitere Quadratmeter Stuttgarts kennen gelernt habe. Der Weg zur Kantine führt mich nun an einem winzig kleinen "Lädle", wie man dortzulande sagt, vorbei. Bislang ging ich immer mit einem leichten Schaudern nur aus den Augenwinkeln in die Auslage blickend daran vorbei. Häkelkram. Traumatische Kindheitserlebnisse. Bloß nicht hingucken. Bis ich es vor einiger Zeit dann doch getan habe. Meine natürliche Neugier gewinnt halt doch immer wieder Oberhand.

Ein erster scheuer Blick. Ein zweiter, fassungsloser hinterher: ich betrachte ungläubig staunend die Deko - auf Gamshörnchen sind liebevoll ein paar gehäkelte Frösche aufgespießt, diversen Knuddelviechern zielsicher mit Stecknadeln in die Häkelaugen gestoßen...nun m u s s ich einfach stehen bleiben. Was haben wir noch? Grellpinkfarbene Topflappen mit Totenköpfen drauf, Eierwärmer (ja, genau - für d i e Eier), weitere Sinnfrei-Produkte wie schwarz-rot-goldene Flaschenummantelungen für den modernen Bocksbeutel von heute und noch vieles Unglaubliches mehr.



Ich recherchiere: die Betreiberin des Ladens, Oma Schmidt, hat auch eine Homepage, die ich hier wärmstens an's Herz legen kann. Sie ist wohl die treibende Kraft einer sehr vitalen Renter-Gang, die sich zum Lebensabend noch ein paar Cent hinzuverdient, indem sie sehr kreativ und offensichtlich mit viel Spaß an Skurilem immer wieder neue Ideen in Maschenform umsetzt. Und so stelle ich mir vor, wie die Ladys so bei einem Täschen Kräutertee kichernd zusammensitzen und darüber brüten, wie man n o c h irrwitzigere kleine Geschöpfe in n o c h grelleren Farben in die Welt entlassen kann.




Toll. Ich weiß schon, wo ich die nächsten Geburtstagsgeschenke erstehen gehe. So eine gehäkelte Handy-Hülle mit Äpfelchen drauf sollte wirklich in keinem Haushalt fehlen!

Montag, 6. Juli 2009

Abenteuer Deutsche Bahn die 1783. (gefühlt)

Durchsage im Intercity von Stuttgart nach Wiesbaden: "Wegen verfrühter Ankunft am Bahnhof Mainz-Bischofsheim verzögert sich unsere Einfahrt. Wir bitten um Ihr Verständnis!"

Kann man erstmal so stehen und wirken lassen.

So, und jetzt mal im Ernst: nach 5minütigem Rumstehen vor dem Bahnhof sehe ich die S-Bahn, die mich unmittelbar weiter zum Mainzer Hauptbahnhof, wo ich eigentlich hin will - aber nicht kann, weil der einzige Zug, der dort noch direkt hinfährt, 2 Stunden Verspätung hat, so dass ich in Gottes Namen die Umsteigenummer in Kauf genommen habe - an unserem Zug vorbeirauscht. Nach einer angemessenen Wartezeit von weiteren 3 Minuten (wahrscheinlich damit sich die Passagiere wieder beruhigen) fährt der Zug dann ein. Und nun darf ich 25 Minuten auf die nächste S-Bahn warten. Genug Zeit, um meinen heiligen Zorn zu formulieren und in die Welt hinauszuschicken.

Achja, hatte ich schon erzählt, dass ich kürzlich von Beijing nach Shiyan gereist bin und nach 15 Stunden auf die Minute pünktlich angekommen bin? Kann man bei der Gelegenheit ruhig nochmal erwähnen...

Sonntag, 5. Juli 2009

Die 80iger

Wer behauptet eigentlich immer so hartnäckig, dass in den 80igern so ziemlich alles, was von schlechtem Geschmack zeugt, entstanden ist?

Eine Dekade, in der ein solches Kunstwerk entstanden ist, kann so verkehrt nicht gewesen sein:

Manchmal...

...erschreckt Facebook mich ja schon mit seiner Hellsichtigkeit:

Freitag, 3. Juli 2009

Neulich am Paketautomat

Kennt ihr diese wunderbare Neuschöpfung (naja, so neu natürlich auch wieder nicht) zur Entlastung überarbeiteter Paketzusteller, die lieber Zettel in den Briefkasten schmeißen mit dem Hinweis, man sei nicht dagewesen, obwohl man doch tatsächlich zu Hause lauert, weil man nämlich auf ein Paket wartet?

Ich will jetzt nicht über automatisierte Arbeitsplatzvernichter philosophieren, sondern einfach nur erzählen, was sich dieser Tage zu trug:

Nicht immer bekommt man die Aufforderung, sein Paket beim Postamt abzuholen. Manchmal kriegt man auch ein Kärtle mit einem Code drauf und der Anpreisung wie klasse das ist, wenn man sich unabhängig von irgendwelchen Öffnungszeiten zu einem Automat begibt um dort mittels Scanner seine Sendung abzuholen. Mit dem besagten Kärtchen in der Hand begebe ich mich zu dem beschriebenen Automaten, nachdem ich kurz die Stadtkarte zum Standort befragt habe. Schön, dass ich auf diesem Wege wieder einmal ein neues Fleckchen meiner kleinen Stadt kennen lerne. Ich finde den Automaten, wedele voller Vorfreude mit der Karte vor dem Scanner herum, Sesam öffnet sich, ich starre fassungslos auf ein winziges Päckchen, das ich so gar nicht in Einklang mit dem Erwarteten bringen kann. Eine kurze Inspektion ergibt, dass der Empfänger ein Tarik B. ist. Bin ich nicht. Nun habe ich ja - so behauptet der Automat - mit dem Öffnen des Faches den Empfang meiner Sendung bestätigt. Spätestens dies ist der Moment, wo ich den technischen Fortschritt leise verfluche. Als ich noch bei echten Menschen mein Paket abholen konnte, hätte ich relativ schnell klären können, dass ich nicht Tarik B. bin und gerne meine eigene Sendung gehabt hätte. Dann hätten wir gemeinsam ein Formular ausgefüllt, das meinen Verlust dokumentiert. Das Ergebnis wäre zwar das selbe wie jetzt auch gewesen, aber man hätte wenigstens miteinander gesprochen...

Nun fühle ich mich doch sehr allein. Doch halt, stimmt ja gar nicht: da steht ein junger Mann. Ich spreche ihn auf Verdacht an, ob er zufällig ein Paket vom Automaten holen will. Ja, will er, wartet nur, dass ich endlich fertig bin. Ich wage einen zweiten Vorstoß - ob er vielleicht zufällig Tarik B. ist. Nun schaut er mich schon mit sehr großen Augen an. Misstrauisch bestätigt er. Aufgeregt zeige ich sein Päckchen. Fassungslosigkeit. Aufgeregt gehen wir zum Automaten und schauen, welches Paket er nun mit seiner Karte zieht. Das ist wie Lotto. Oder Bingo: ja, es ist meins!! Freudentänze - was für ein Zufall. Kopfschüttelnd ziehen Tarik B. und ich unseres Wegs. Nein, wahrscheinlich war das gar kein Zufall, vielleicht sind wir beide Kandidaten eines Projekts zur Verbesserung des Kontakts in der Nachbarschaft. Hat geklappt. Tarik B., der 100 Häuser weiter wohnt, hätte ich sonst wahrscheinlich nie kennen gelernt.

Samstag, 27. Juni 2009

Die Rückkehr

Nach einem schweren Abschied bin ich mit dem Nachtzug glücklich in Wuhan angekommen. Die Nacht habe ich mit drei sehr schweigsamen Genossen verbracht, was mir aber sehr entgegenkam, so konnte ich zumindest meinen letzten Reisebericht beenden. Das Wudang-Buch ist damit bis auf weiteres geschlossen, so dass Xiaomo nun auch mal wieder zu Wort kommt.

Wuhan ist eine größere Industriestadt, die Provinzhauptstadt von Hubei und würde bei der Wahl der schönsten Städte bei nüchterner Betrachtung keine echte Chance haben. Es ist 5.18 h, als mein Zug pünktlich nach 8stündiger Fahrt von Wudang Shan in den Bahnhof einläuft. Trotz der frühen Stunde sind bereits Arbeiter dabei, den Bahnhof auszubauen und so sind die lauten Schläge auf Metall mein erster Gruß von dieser Stadt. Etwas übernächtigt erlaube ich einer Frau, die mir eifrig ihre Dienste anbietet, mich zum Privatfahrzeug ihres Mannes zu geleiten. Die beiden verdienen sich wohl so ein paar Kuai dazu und der Preis, den sie für die Fahrt von Hankou nach Wuchang haben wollen, liegt unter den 80 Yuan, die mir als üblich genannt worden waren. Das Hotel hat in seiner unendlichen Weisheit das Voucher ausschließlich in englisch formuliert. Sehr hilfreich in diesem Land. Ist halt eine amerikanische Hotelkette. Glücklicherweise hatte ich das Problem vorausgesehen und die Damen in Wudang gebeten, Hotelname und -adresse noch in Schriftzeichen zu notieren. Dennoch sehe ich große Fragezeichen in den Gesichtern meiner Fahrer. Wisst Ihr wo das ist – ja selbstverständlich, überhaupt keine Frage! Hätte ich jetzt auch gesagt. Immerhin finden sie mit vereinten Kräften – der Mann fährt, die Frau gibt Anweisung – Wuchang ohne Probleme, danach wird es allerdings eng. Nach einer längeren Odyssee ist dann doch die Straße und auch das Hotel gefunden. Ich bin völlig gelassen, weil um die frühe Uhrzeit ein Einchecken bestimmt noch nicht möglich ist, obwohl ich darum gebeten hatte. Und so kommt es dann auch. Der junge Mann an der Rezeption macht mir Hoffnung, dass ich mein Zimmer um 10.00 h beziehen kann. Prima. Das sind ja nur 4 Stunden. Die Stühle in der Lobby laden nicht gerade zu einem kleinen Schläfchen ein, obwohl ich das jetzt dringend brauchen könnte. Und eine Dusche. Im Zug war es einfach viel zu heiß um zu schlafen, ich habe mehr oder weniger komatös auf meine Liege gelegen, mich nach links und rechts gedreht und einfach nur geschwitzt...

Aufmunternd zeige der Rezeptionist auf eine dunkle Ecke – das „Internetcafe“ des Hotels, na gut, rumspielen, chatten, facebooken...da kann man wenigstens ein wenig Zeit vertreiben. Um 7.00 h ist Schichtwechsel. Ich mache den nächsten Vorstoß: ist mein Zimmer endlich fertig? Natürlich nicht, aber die Anmeldeformalitäten können schonmal erledigt werden. Dann spendiert die „Managerin on Duty“ mir ein Frühstück, um mich wenigstens noch eine Weile vom Hals zu haben. Ich sehe ein, dass ich wohl mit ständigen Aufdienervengehen auch nicht weiterkomme und beschließe, einen kleinen Spaziergang zu machen. Ich werde angenehm überrascht: um die Ecke wenige Meter vom Hotel entfernt, gibt es tatsächlich einen See. Die Straße, in der das Hotel steht, heißt zwar Ostsee-Straße, das will ja aber nichts heißen. Ich laufe die gepflegte Promenade entlang und genieße dieses Kontrastprogramm zu den Bergen. Ein Stück weiter kann ich schon Boote auf dem Yangtse sehen. Auf der Promenade sind Steinbänke, die Wangen liebevoll zu Tierköpfen geformt. Obwohl es ein ganz normaler Arbeitstag ist, ist ziemlich viel los. Ein Vater spielt mit seinem kleinen Sohn, der versucht, den selbstgebauten Flieger in die Luft zu bekommen. An einer Bank sitzt ein älterer Herr und spielt die Erhu. Eine Frau singt dazu. Ein paar Zuhörer haben sich auch auch schon gefunden – nun gehöre ich auch dazu. Als ich nach einer Weile weiterschlendere, komme ich an einen kleinen Park. Als ich hineingehe, erwartet mich das in China übliche Bild: überall stehen Leute, klopfen sich ab, machen gymnastische Übungen, üben Qigong oder Taiji – ganz normal. Könnte ich doch ein wenig davon mit nach Hause nehmen.

Und mittlerweile ist auch mein Zimmer fertig.

Samstag, 30. Mai 2009

Auch ich bin dann mal weg...

...wie so viele andere vor mir.

Xiaomo macht jetzt erst mal vier Wochen Pause. In dieser Zeit gibt wahrscheinlich nur Wudang-Nachrichten, und zwar hier .

Es sei denn, es gibt was, das dann doch eher in die Rubrik "Neues aus Absurdistan" fällt. Kann ich mir aber gar nicht vorstellen...

Sonntag, 24. Mai 2009

Jaaaaa!

An all' die Philister, die's einfach nicht glauben konnten: WIR SIND WIEDER DA! IN DER 1. BUNDESLIGAAAAA!



Dabei sollte natürlich die Freude darüber, dass Georg wieder wohlbehalten aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, natürlich nicht vergessen werden: 欢迎回德国!

Montag, 18. Mai 2009

Die Vorfreude...

...ist ja bekanntlich mit die größte Freude. Wie man sieht, zählt mein persönlicher Countdown unermüdlich abwärts, bis es endlich los geht, in's gelobte Land. Was meine Begeisterung allerdings ein klein wenig dämpft, war ein Angebot der Firma China Trading, das ich heute aus meinem Postkasten gezerrt habe:




Leute, macht bloß keinen Mist!

Mittwoch, 13. Mai 2009

Auch die Schwyzer

...haben's scheints nötig:



Aber: Falls da morgen Wudang dransteht - da steig' ich sofort ein, ich schwör!

Dienstag, 12. Mai 2009

Tübingen

...ist ja wirklich ein putziges kleines Städtchen, besonders im Sommer sehr nett. Niedliche kleine Häuschen an einem Fluss, dessen Namen ich mir einfach nicht behalten kann, Universitätsstadt mit entsprechender Bevölkerung und Gastronomie. Einfach nett.

Aber dass man es dort so nötig hat, die Bahn zu bestechen, so nach dem Motto "Alle Wege führen nach Tübingen"?



Sehr merkwürdig, das...

Sonntag, 3. Mai 2009

Umzug 2.0


Als ich so um die 20 war, und all’ die Kumpels und Freunde langsam aber sicher flügge wurden, gab es kaum ein Wochenende, an dem nicht irgendjemand von A nach B umsiedelte. Glücklicherweise hatte man ja noch kein Geld, so dass das Umzugsgut noch relativ zügig in ein paar altersschwachen Rostlauben verstaut war und nach wenigen Stunden war das Thema durch. Das war so das WG-Zeitalter. Dann begann die Paar-Bildung, Haushalte wurden zusammen geschmissen, diese Umzüge waren dann schon leicht grenzwertig und konnten meist nur dadurch mit Freundeshilfe durchgeführt werden, dass auf raffinierte Weise angelockt und dann erbarmungslos zugeschlagen wurde („magst du nicht zum Frühstück kommen? Ja? Super – danach könnten grad schnell die paar Möbel nach B bringen…“).
Dann folgte das etablierte Lebensalter – man zog nicht mehr um, man ließ umziehen. Weil man es sich leisten konnte (oder die Firma zahlte). Da wurde dann das schicke neue Eigenheim bezogen und alles war gut.

Nun kommt anscheinend langsam die Zeit, wo das Ganze im Rahmen familiärer Umstrukturierungsmaßnahmen wieder von vorne los geht…nun bei der holden Schwester. Nachdem ich vor zwei Wochen einen völlig reibungslosen, professionell durchgeführten Umzug miterleben durfte, was es gestern einmal wieder Zeit, das Kontrastprogramm zu erleiden.

Meine Reflexe sind wohl mittlerweile ziemlich eingerostet, so dass ich auf die harmlos vorgebrachte Frage „was hast du am 02. Mai vor?“ einfach nur mit „bis jetzt noch nix“ antwortete, anstatt mir sofort zu überlegen, welcher karitativen Einrichtung ich mich just an diesem Wochenende verpflichtet hatte, leiderleider…nun, zu spät, also Antreten zum Umzug.

Und so treffen wir uns in der „Alten Heimat“, ein trauriges Grüppchen Bandscheibengeschädigter und Herzkranker, die eigentlich alle nicht mehr so richtig können aber dennoch erschienen sind, um hier und jetzt ihr Bestes zu geben. Und wenn es das letzte Mal ist…

Der Abgang von dem …nunja…sehr originell geplanten Häusschen der Schwester ist leider nie über den Baustellenstatus hinausgekommen, das macht den Weg mit den schweren Vollholzmöbeln, die noch aus dem Fundus unserer Großeltern stammen und den weiten Weg von Oberschlesien über Friedland und dem Lager Osthofen nach Oppenheim gemacht haben, nicht gerade leicht.



Prompt rutsche ich mit einem ziemlich schweren Nachtschränkchen, das mit einer Marmorplatte bewehrt ist, auf einer defekten Stufe aus und segele in einen Steinhaufen. Zu stur um das Möbelstück einfach loszulassen, stauche ich die Hand leicht an, der Bizeps-Muskel krampft bei dieser unerwarteten Kraftanstrengung empört, bin halt noch nicht richtig warmgelaufen. Fluchend richte ich mich wieder auf, als eine der wenigen Unversehrten ist jetzt nix mit Schwächeln, der Adrenalinschub gibt mir auf jeden Fall genug Energie um verbissen weiter zu schleppen, bis der verrostete Transporter voll ist und auch sämtliche PKWs bis zur Dachkante beladen sind. Im Convoy geht es dann in die neue Hütte, Autos ausladen, dann weiter in das Interimslager meine Schwester, wo ihre Bibliothek mit gefühlten 100.000 Büchern und die Klamotten lauern. Auch das Zeug kriegen wir irgendwie an seinen Bestimmungsort und ich sehe, dass meine Schwester die „konkret“ seit mindestens 1986 sammelt. Familienbande.




Wie in alten Zeiten betreut Muttern unseren Umzug aus der Ferne, hat einen riesigen Eimer Kartoffelsalat mit Frikadellen gebaut und auch noch lecker Rhabarberkuchen gebacken. Zwischen den Kartons hockend genießen wir die Gaben. Einer der besten Momente des Tages.

Irgendwann hat als krönenden Abschluss auch die bleischwere Waschmaschine ihren Platz gefunden. Glücklicherweise ohne weitere Verletzte. Nun ist das Chaos komplett über die neue Wohnung vergossen, höchste Zeit, sich vom Acker zu machen.

Ich bin langsam einfach zu alt für so was…

Montag, 27. April 2009

Die Neue Heimat

Der erste Arbeitstag in meinem neuen Zuhause gestaltete sich noch etwas schwierig, schon deshalb, weil ich – da aus dem falschen U-Bahnschacht gekrochen – erst einmal ziemlich lange suchen musste, bis ich endlich das neue Domizil gefunden habe. Eine wunderbare Gelegenheit für einen kleinen Erkundungsgang: nun in Stadtmitte staunt man als Provinz-Kind doch erst einmal mit großen Augen, was es hier alles gibt...und was das alles kostet! Ganz deutlich ist hier das Nord-Süd-Gefälle zu spüren und ich kann endlich nachvollziehen, warum meine KollegInnen, die mich letztes Jahr bei einem Klassenausflug in Mainz besucht haben, so begeistert waren.
Die neuen Räume sind wirklich klasse, keine Mini-Verschläge mehr sondern eher Ballsäle, mit viel Platz für massig Schränke, die wir im Blutrausch in rauen Mengen bestellt haben. So für schlechte Zeiten. Man weiß ja nie und was man hat, das hat man...
Nach dem ich der arbeitenden Bevölkerung lange genug in den Füßen herum gestanden habe, schnappe ich meinen kleinen elektronischen Freund, verabschiede mich in den neuen sonnigen Pausenraum und nutze die unerwartete Freizeit zu einem kleinen Schnack mit China-Land. So kann ich mir wenigstens einbilden, die Zeit sinnvoll für den Feinschliff meiner sprachlichen Fähigkeiten genutzt zu haben.

Irgendwann stehen auch die Möbel und Kollege Ranzabuffer und ich richten unser Nest gemütlich ein. Endlich kann ich meine Bilder aufhängen und habe richtig viel Platz für mein eigenes Geraffel. Das ist halt der Nachteil, wenn man irgendwohin dazu kommt wo schon jemand mit ähnlicher Veranlagung behaust ist...

Die Mittagspause gemütlich in der Sonne sitzend beim Paulaner-Bräu direkt vor der Haustür sinnieren wir darüber, in welcher Reihenfolge wir all’ die Kneipen und Restaurants, die hier aufgereiht sind, abarbeiten.

Mann, das wird teuer hier...aber guuuuut!

Montag, 20. April 2009

Goodbye, Feuersee

Kluge Geister in den Führungsriegen machen sich bekanntlich ununterbrochen Gedanken darüber, wie man die zur Trägheit neigende Mitarbeiterschaft aus ihrer Lethargie herausreißen kann zwecks neuen Impulsen, Kreativitätsschüben, undundund…
Ein beliebtes Mittel dazu sind die allerorts gern genommenen Umstrukturierungsmaßnahmen, am allerliebsten gepaart mit einem Umzug. Oder wenigstens ein Umzug, Menno…
Gut, machen wir halt einen Umzug. Warum auch nicht, ich bin ja nun schon 1,5 Jahre hier, da wird es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel. Und auch noch einiges mehr.

Es gibt einen Organisator, der ausgesprochen vorausschauend arbeitet und ich kann bisher nicht erkennen, dass er irgendwo gepatzt hätte. Die Umzugskartons stehen schon seit Wochen herum, jeder hatte grundsätzlich die Möglichkeit, rechtzeitig mit dem Packen zu beginnen.
Mein Kollege und ich waren allerdings der Ansicht, dass wir alles um uns herum benötigen, und zwar bis zum bitteren Ende.
Unsere besondere Arbeit erfordert es, dass wir Mengen von Asservaten um uns scharen. Das klingt viel netter als altes, kaputtes Gerümpel. Man muss zwar kein Messie sein, um so zu arbeiten, aber es erleichtert die Sache schon gewaltig. Und so haben wir uns im Laufe der Zeit eine urgemütliche kleine Höhle gebaut, in der wir uns sehr wohl fühlen.



Nun ist es aber so weit. Kein Aufschub mehr, morgen wird umgezogen, also heißt es heute endgültig packen. Also sind wir heute eingetaucht in die unendlichen Weiten unserer kleinen Welt, haben zum Teil unglaubliche Schätze geborgen – Kollege Ranzabuffer hat mich erwischt, als ich zärtlich Schulungsunterlagen aus meiner Ausbildungszeit streichelte und nach dreimaligem beherzten Wurf in den Müllcontainer doch immer wieder gerettet und dann schließlich eingepackt habe…ich sentimentales Weichei. Umgekehrt habe ich mit einer gewissen Faszination der Ausgrabung eines Papierbergs unbekannter Herkunft (das ist von dir – nein dir – nein dir!) beigewohnt.Kurz blinzelte der Reichsadler auf – ich schwör’s! Kann deshalb auch nur dem Ranzabuffer gehören, der ist nämlich schon viel länger da als ich.

Nach vielen Stunden Wegschmeiß- und Einpackarbeiten ist’s dann endlich vollbracht. Und morgen fangen wir an, uns eine neue Höhle zu bauen.

Freitag, 17. April 2009

Für unsere chinesischen Freunde...

...noch eine typisch deutsche Sommerspezialität. Passend zur üblichen sommerlichen Grillorgie:



Mahlzeit!

Mittwoch, 15. April 2009

China zu Besuch bei Freunden

Über die Osterfeiertage erwartete die Stadt Mainz hohen Besuch: aus dem fernen China, derzeit allerdings im Schwäbischen zwecks Deutsch-Lernen (nicht lachen!) in Freudenstadt stationiert. So kam mein „kleiner Bruder“ nebst Verstärkung angereist, um deutsche Kultur zu tanken. Beim letzten Besuch erschien es mir noch schlau, möglichst asiatisches Essen aufzutischen – andererseits: warum eigentlich? Also: Deutschland pur!

In unserer Gegend ist da natürlich ein kleiner Ausflug Richtung Rüdesheim ein absolutes „Must“, die Gäste sind ja jung, da kann man die paar Meter bis zum Niederwald-Denkmal ja schnell hoch laufen (hehe...). Dann noch die Drossel-Gasse draufgesetzt – ein schöner Eindruck von „typisch deutsch“. Es gelingt mir allerdings nicht immer, angesichts der liebevoll dekorierten Schaufenster (s. mein letzter Post) die Contenance zu wahren.



Der nächste Tag gehört unserer kleinen Stadt, wir üben fleißig Baustile, ich nehme an, Freundin Bat hätte mich bei der einen oder anderen Gelegenheit in’s Genick geschlagen – aber sie hört’s ja nicht...und die Unterschiede zwischen gotisch, romanisch und barock kriege ich gerade so noch auf die Reihe. Und wenn man einfach nur immer grob in Richtung Dom zeigt, passt es ganz bestimmt. Auf der ebsch’ Seite in Kastel findet gerade ein mittelalterliches Spectaculum statt, mit dem wir den Tag abrunden. Besonders die nahezu authentischen „Hunnen“ erfreuen das Auge. Dass wir danach über den Rhein und dann anschließend noch die gesamte Stadt zu Fuß durchqueren müssen, sorgt zumindest für eine gesunde Nachtruhe bei den Gästen.



Sie zeigen auf jeden Fall bewundernswertes Durchhaltevermögen. Als ich am nächsten Tag eine Trainingsrunde ankündige und mich auf die Felder verabschieden möchte, dienen sie mir ihre Begleitung an. Ich frage dreimal nach, ob klar ist, dass wir von einer Laufstrecke von 10 Kilometern sprechen – ja, ja, kein Problem – gut, dann los! Ich habe schon mehrfach festgestellt, dass das Schätzen von Entfernungen nicht in aller Welt mit der gleichen Akribie betrieben wird. Dass die Entfernung zwischen Wudang Shan und Shengzhou in der Nachbarprovinz Henan 5000 Kilometer beträgt, glaube ich bis heute nicht, lieber Laohei. Google Maps sagt rund 600, und das kommt der Sache wohl etwas näher…
Egal, nach 6 Kilometern ist auf jeden Fall Feierabend, wir spazieren also gemütlich zu meinem Taiji-Tümpel, die Jungs möchten ein wenig Taiji gezeigt bekommen. Bei dem Wetter sind natürlich einige Leute da, ein Herr, der gerade sein Frühstücks-Bier zu sich nimmt, beobachtet staunend, wie zwei Chinesen von einer germanischen Walküre Taiji-Übungen gelehrt bekommen. Auch das ist Globalisierung…

Abends gibt’s zur Belohnung Gegrilltes und zum Abschluss Eierlikör – so und nicht anders ist Deutschland!

Freitag, 10. April 2009

Schwaches Bild...

...Firma Waffen-B. in Mainz. Ist dir wohl nix eingefallen. Ich hätte da was für die nächste Deko-Orgie zu bieten. Passt eigentlich immer, nicht nur zur Osterzeit:



Nichts zu danken, hab' ich doch gern gemacht. Für weitere Ratschläge stehe ich gern zur Verfügung.

Donnerstag, 9. April 2009

Nur aus Neugier...

...liebe Bat, würde ich doch gerne mal wissen, wie der stadtbekannte Mainzer Waffen-Dealer, der uns so geschmackssicher auf die Weihnachtszeit eingestimmt hat, denn nun sein Schaufenster dekoriert hat - Fadenkreuz mit Osterhasi in der Mitte??? Geh' doch mal rüber kucken!

Mittwoch, 8. April 2009

Da kann ich natürlich nicht widerstehen...

...wenn der Oster sich über die lyrischen Frühlingsergüsse von Altmeister Schiller so hämisch ausläßt. Mir ist letztens was Entzückendes in die Finger gefallen - nein, hat jetzt nix mit Frühling zu tun, vielmehr mit dem Bedürfnis mancher Menschen, ihre Gedanken und Ideen in Versform an den Mann zu bringen:

"Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt. Daß wer den Mut
hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut
darüber, daß so’n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Agressionen auf den Macker.
Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen."


ROBERT GERNHARDT (1937–2006)


Meinen neuen chinesischen Leser Jin Dun, den ich an dieser Stelle herzlich in unserer fröhlichen Runde begrüßen darf, bitte ich ausdrücklich darum, die hier verwandten Kraftausdrücke niemals zu verwenden. Das sollten nur Eingeborene...
Herzliche Grüße nach Shandong!

Freitag, 3. April 2009

Bildergeschichte

Es begann ganz harmlos im letzten Jahr. Im letzten Frühsommer begann die Bahn damit, alte marode Schienen aus dem Gleis zu reißen um frische, neue zu verlegen. Damit waren natürlich erhebliche Einschränkungen, Verspätungen und andere Überraschungen verbunden, aber das Fahren mit der Bahn ist eine hervorragende Schule der Geduld, der Sommer war irgendwann überstanden und ich dachte, damit wäre die Sache gegessen.

Vor Weihnachten weckte allerdings dieses witzige Plakat mein Misstrauen:


Es wurde nicht so schlimm wie gedacht, beziehungsweise die Baustellenprobleme gerieten dadurch, dass die ICEs dringend einer technischen Überprüfung bedurften, in den Hintergrund. Als ich letztens nun diese Ankündigung entdeckte:



Konnte ich über die possierliche Zeichnung schon gar nicht mehr lachen. Ein ungläubiger Blick in den Fahrplan bestätigte mir, dass nun zu ziviler Zeit nur noch ein Zug von Stuttgart nach Mainz fährt. Wenn ich den verpasse, habe ich sehr viel Zeit, rechtsrheinisch ein schönes Stück Deutschland kennen zu lernen. Und zwar bis Juni. Und wenn ich dann aus China zurück komme, ja dann...



Aber ab September soll es Gerüchten zufolge wieder Bahnen geben, die ordentlich linksrheinisch ohne Zwangsumtausch den Mainzer Hauptbahnhof anfahren. Ich lasse mich überraschen. Und bis dahin gilt:



Bahnfahren, das letzte große Abenteuer...

Es ist nie zu spät...

...zugegeben, der Weltfrauentag liegt wieder mal 'ne Weile zurück, leider hatte ich erst jetzt Zeit, mir eine E-Mail mit etwas längerem Text mal durchzulesen. Das meiste war das übliche, was frau an so einem Tag an Kämpferischen verbreitet, nicht weiter erwähnenswert, aber: das Fazit des Ganzen hat mir richtig gut gefallen:

Das Leben sollte NICHT eine Reise ins Grab sein
mit dem Ziel wohlbehalten und in einem attraktiven und gut
erhaltenen Körper anzukommen,
sondern eher seitwärts hineinzuschlittern,
Chardonnay in einer Hand,
Erdbeeren in der anderen.
Den Körper total verbraucht und abgenutzt, und dabei jubelnd…

"WOO HOO! Was für ein Ritt!"

Jawohl, genau so wird's gemacht!!

Montag, 30. März 2009

Xiaomo II

Gestern habe ich ja das Video meiner Namensvetterin eingestellt. Und weil ich es bewunderswert finde, dass die junge Dame ihr Werk der Welt präsentiert, obwohl es an der Performance...nunja...vielleicht noch die eine oder andere Kleinigkeit zu feilen gäbe (stimmlich liegen wir ganz klar auf einer Linie), habe ich mich entschlossen, tief Luft zu holen und meine eigene Vorführung zu zeigen. Da isse:



Was die Haltung angeht, hier noch ein kleiner Hinweis: bekanntlich ist das Symbol für Wudang Shan ja Xuanwu, die Schlange mit der Schildkröte; das da:



Die Schlange symbolisiert hier die Geschmeidigkeit, die Schildkröte steht für langes Leben. Dieses Symbol wird auch in die Bewegungen übersetzt. Dies bedeutet, dass die Bewegungen hier der Schildkröte nachempfunden sind. Dies zeigt sich in der leicht nach vorne gebeugten Partie des oberen Rückens. Ich finde, dass mir das nach langem Training recht gut gelingt...

Sonntag, 29. März 2009

Xiaomo

Habe gerade mal neugierig geyoutubed um zu kucken, ob es vielleicht eine Namensgenossin gibt, die 'was reingetan hat. Gibt es und hat es. Bitte schön - viel Spaß!

Andere Länder…III

Um mit meinen Freunden und Bekannten in China chatten zu können, habe ich einen Account bei dem dort sehr populären Messenger QQ. Dort unterhalte ich auch einen sogenannten 空间, auf neudeutsch „Space“. Mittlerweile habe ich auch eine grobe Vorstellung, wie das alles funktioniert, unterhalte die Kumpels gelegentlich mit lustigen Bildchen die ich hochlade (jaaa, auch das kriege ich mittlerweile auf Chinesisch hin ***stolz***) und schreibe immer mal wieder unter der Rubrik „heutige Laune“ was mir gerade so durch den Kopf schießt. In irgendeiner Sprache, völlig egal.

Heute gab es natürlich d a s Thema: Europa stellt die Uhren um – ab sofort hinken wir nur noch 6 Stunden hinterher! Zehn Minuten später die erste Reaktion. Eine Wangyou – so nennt man die Chat-Partner, die man nur über’s Netz kennt – fragt ungläubig: „Ist das wirklich wahr??“ Klar, so eine Lüge wäre selbst für meine Verhältnisse zu dreist. Sie fragt wieder nach: „Warum denn das?“ Ich überlege. Ich könnte ihr nun erklären, dass die Zeitumstellung bei uns eine lange Tradition hat, dass bereits während des ersten Weltkriegs Kaiser Wilhelm II die lustige Idee hatte, durch das Umstellen der Uhren eine höhere Effektivität der Rüstungsindustrie zu erzielen. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in den Zonen der Westalliierten von 1947 bis 1949 sogar eine Hochsommerzeit von Anfang Mai bis Ende Juni, also insgesamt zwei Stunden Verschiebung. Und das alles um Strom zu sparen. Klappt aber nicht. Weiß man längst und macht trotzdem weiter.

Das alles könnte ich der Wangyou erzählen, wenn ich denn gerade den passenden Wortschatz zur Hand hätte. Hab’ ich aber nicht. Also schreibe ich ihr „weil wir uns langweilen“. Sie fragt wieder zurück „ja ist das nicht unangenehm, eine Stunde früher aufstehen, du stehst doch eh’ schon um vier auf – das bringt doch bestimmt deinen ganzen Rhythmus durcheinander!“ – Ja, natürlich tut es das, ich werde wieder mindestens eine Woche rückwärts laufen. – „Warum tut ihr euch das an?“ Darauf kann es nur eine Antwort geben: „WEIL WIR VERRÜCKT SIND. DESHALB!!“

Und wieder einmal einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. Ich bin stolz auf mich.

Freitag, 27. März 2009

Deutscher Frühling



Woran merkt man eigentlich, dass es endlich Frühling ist? Am Wetter bestimmt nicht...Heute morgen habe ich's aber in der Auslage der Bahnhofsbuchhandlung gesehen - daran:

- Ein Millionär zum Verlieben
- So schön kann doch kein Mann sein
- Küss' mich, mein Prinz
- Das Licht der Liebe
- Verliebt in einen Prinzen
- Nur dein Herz weiß die Antwort
- Betörend wie der Duft der Lilien
- Tausend Sterne über Hongkong
- Daddy gesucht - Herz verloren

Da werden die Bibliophilen unter uns doch gleich ganz wuschig...

Mittwoch, 25. März 2009

Bis das Blut gefriert…

Irgendwelche gelangweilten Forscher haben vor Jahren einmal eine Klassifizierung der Schläfertypen vorgenommen. Da gibt es die Lerchen, die schon bei Sonnenaufgang fröhlich aus dem Nest hüpfen und gut gelaunt den Tag beginnen. Und dann gibt es da die Eulen. Leute wie ich früher mal, als ich noch konnte. Schälen sich übelstlaunig aus der Kiste, wenn man sie zu unchristlicher Zeit – also deutlich vor 11.00 h – aus dem Bett holt, sind erst nach dem dritten Kaffee ansprechbar, dafür aber nachtaktiv und selten vor 3.00 h morgens zur Nachtruhe zu bewegen.

Als umerzogene Eule bin ich 15 Jahre lang um 5.00 h aufgestanden, um Richtung Frankfurt zu fahren. Später als 6.00 h sollte man nicht auf der Autobahn sein, sonst landete man im Mega-Stau, hat dafür aber dann auch keinen Parkplatz mehr bekommen. Das motiviert. Sogar Menschen wie mich. Was mir beim Wachwerden immer eine ganz große Hilfe war, war der Wilde Westen, der jeden Morgen auf dem Frankfurter Kreuz inszeniert wurde – die ganzen Asphalt-Cowboys mit ihren übermotorisierten Kisten haben stets dafür gesorgt, dass ich hellwach und bester Dinge an meinem Arbeitsplatz erschien. Adrenalin statt Koffein!

Seitdem ich mit dem Zug fahre, fehlt mir das ein bisschen. Nun brauch ich literweise Kaffee und das tut meinem Magen gar nicht gut.

Das findet die Deutsche Bahn wohl auch und hat sich heute etwas Nettes einfallen lassen. Ich bin ein Gewohnheitstier und nehme jeden Morgen den selben Zug um 5.40 h, stehe an der selben Stelle des Bahnsteigs, treffe die selben Menschen und sitze auch immer auf dem selben Sitz. Und wehe, der ist besetzt…

Heute morgen laufe ich gemütlich in die Bahnhofshalle im ersten Stock, schlendere die Schaufenster entlang, blicke auf die Anzeigetafel um mich zu vergewissern, dass der Zug wie jeden Morgen in das übliche Gleis fährt und sehe – nichts. Nada! Null!! Alle Züge auf der Tafel, nur meiner nicht! Ich laufe auf den Bahnsteig – keine Anzeige. Renne wieder hoch zur Terminal-Anzeige: nichts. Alle anderen Züge: die – ja! Mir bricht der Schweiß aus, ich laufe zum Ticketautomat um einen Fahrplanausdruck zu machen, verhaspele mich in der Hektik, kriege dann schließlich den Ausdruck: der Zug steht drauf – mit einem roten Ausrufezeichen – was bedeutet das Himmelarmundzwirn? Ich renne wieder runter zum Bahnsteig, mir kommen einige Ratlose entgegen „wissen Sie was mit dem Zug nach Stuttgart ist“? Da ertönt die liebliche Lispelstimme meiner Lieblingsansagerin „Meine Damen und Herren auf Gleis 5 fährt ein der Intercityexpress nach München…“ und der Geisterzug läuft ein. Erleichterung auf allen Gesichtern.

Und ich bin wach. Hellwach. Thank you, Deutsche Bahn.

Nachtrag

Ach, wäre doch alles so einfach im Leben:


Montag, 23. März 2009

Isch geh’ nimmer nuff

In meiner Heimatstadt gibt es ein entzückendes kleines Stadion, kurz „Bruchweg“ genannt. Ich kenne dieses Stadion schon seit Kindertagen, als der Name noch durchaus Programm war. Hölzerne Buden, nur notdürftig angemalt, zierten das Hohe Haus, in dem die Kicker dort am Wochenende ihrem Hobby nachgingen. Mittlerweile sieht es dort ein bisschen anders aus; eine riesige Flutlichtanlage erhellt die Tribünen, die immerhin 20.300 Leutchen fassen. Pünktlich zum 100. Geburtstag erfüllte sich ein lang gehegter Traum: der FSV Mainz 05 stieg tatsächlich in die 1. Liga auf! Es folgten drei glückliche Jahre, als Krönung sogar die Teilnahme beim UEFA-Cup. Die Ersten begannen schon von der Meisterschaft zu träumen, leider folgte dann aber doch der Abstieg, auch wenn unser Heilsbringer Kloppo bestimmt sein Bestes gegeben hat.

Auch ich konnte mich der Faszination dieser sympathischen Truppe nicht entziehen, auch ich stand am Theaterplatz, als Kloppo Rotz und Wasser heulend Abschied von unserer kleinen Stadt nahm.

Hin und wieder gelingt es mir, eine der äußerst raren Stadionkarten zu erhaschen und dann mache ich mich – angetan mit Fan-Schal und ordnungsgemäßer Kluft – meist mit Freundin Zimtstern, die stolze Besitzerin einer Dauerkarte ist und auch dafür sorgt, dass ich ein bisschen was von dem, was sich auf dem Grün tut, verstehe, gemeinsam „nuff“ in den Bruchweg. Gestern war es mal wieder soweit. Meine Schwester war auch mit von der Partie, und bester Dinge marschierten wir also gemeinsam Richtung Arena.

Zimtstern kennt natürlich jede Menge Leute, großes Hallo, wir treffen ihre Schwester, die ich auch schon lange nicht mehr gesehen habe. Sie begrüßt mich mit einem herzlichen: „Mein Gott, bist du grau geworden“. Ich schlucke trocken, meine holde Schwester setzt noch einen drauf: „ja, ja, das Friedhofsblond....“. Danke, ich brauche jetzt erstmal ein Bier. Die nachfolgende Feuerwurst hebt meine Laune zwar etwas, aber irgendwie habe ich kein gutes Gefühl...



Das Spiel beginnt, die Stimmung ist gut, „You never walk alone“ geht mittlerweile auch ziemlich textsicher, kann eigentlich nichts schiefgehen. Lange Zeit tut sich ziemlich wenig auf dem Spielfeld, ich denke so für mich „ein Tor würde dem Spiel jetzt gut tun...“ – da fällt es. Dummerweise für Alemannia Aachen. Nicht so schön, aber es ja noch ein wenig Zeit, die Sache zu richten. Dimo Wache hatte sich klugerweise frühzeitig aus dem Tor verabschiedet und Keeper Wetklo hat leider gar keinen guten Tag, so dass es zur Halbzeit 0:2 steht. Die ganze tragische Geschichte zu erzählen, würde nicht nur zu weit führen, sondern mich auch wieder zu Tränen rühren...das Ende vom Lied: ein Ehrentor durch Chadli Amri, Endstand 1:4. Peinlich, peinlich.

Zum Abschluss des Desasters trifft man sich noch auf ein Bierchen um gemeinsam zu weinen, aber nach dem dritten Bier ist klar: wir m u s s t e n dieses Spiel verlieren, weil das nämlich eine schöne Tradition ist und völliges Versagen einfach die Voraussetzung für den Aufstieg ist – also freuen wir uns zusammen darüber, dass unser geliebter Verein stur seinen Masterplan umsetzt und wollen gar nicht misstrauisch auf die Tabelle schielen, wo sich unser Angstgegner Greuther Fürth nun vor uns geschoben hat. Hat alles seine Richtigkeit – und wir steigen doch noch auf!

Und nächste Woche gehe ich mir von dem Fellfärbe-Zeugs, von dem die hübsche Frau im Fernsehen immer ihrer Mutti am Telefon erzählt, es hätte die „perfekte Grauabdeckung“, kaufen...