Montag, 30. März 2009

Xiaomo II

Gestern habe ich ja das Video meiner Namensvetterin eingestellt. Und weil ich es bewunderswert finde, dass die junge Dame ihr Werk der Welt präsentiert, obwohl es an der Performance...nunja...vielleicht noch die eine oder andere Kleinigkeit zu feilen gäbe (stimmlich liegen wir ganz klar auf einer Linie), habe ich mich entschlossen, tief Luft zu holen und meine eigene Vorführung zu zeigen. Da isse:



Was die Haltung angeht, hier noch ein kleiner Hinweis: bekanntlich ist das Symbol für Wudang Shan ja Xuanwu, die Schlange mit der Schildkröte; das da:



Die Schlange symbolisiert hier die Geschmeidigkeit, die Schildkröte steht für langes Leben. Dieses Symbol wird auch in die Bewegungen übersetzt. Dies bedeutet, dass die Bewegungen hier der Schildkröte nachempfunden sind. Dies zeigt sich in der leicht nach vorne gebeugten Partie des oberen Rückens. Ich finde, dass mir das nach langem Training recht gut gelingt...

Sonntag, 29. März 2009

Xiaomo

Habe gerade mal neugierig geyoutubed um zu kucken, ob es vielleicht eine Namensgenossin gibt, die 'was reingetan hat. Gibt es und hat es. Bitte schön - viel Spaß!

Andere Länder…III

Um mit meinen Freunden und Bekannten in China chatten zu können, habe ich einen Account bei dem dort sehr populären Messenger QQ. Dort unterhalte ich auch einen sogenannten 空间, auf neudeutsch „Space“. Mittlerweile habe ich auch eine grobe Vorstellung, wie das alles funktioniert, unterhalte die Kumpels gelegentlich mit lustigen Bildchen die ich hochlade (jaaa, auch das kriege ich mittlerweile auf Chinesisch hin ***stolz***) und schreibe immer mal wieder unter der Rubrik „heutige Laune“ was mir gerade so durch den Kopf schießt. In irgendeiner Sprache, völlig egal.

Heute gab es natürlich d a s Thema: Europa stellt die Uhren um – ab sofort hinken wir nur noch 6 Stunden hinterher! Zehn Minuten später die erste Reaktion. Eine Wangyou – so nennt man die Chat-Partner, die man nur über’s Netz kennt – fragt ungläubig: „Ist das wirklich wahr??“ Klar, so eine Lüge wäre selbst für meine Verhältnisse zu dreist. Sie fragt wieder nach: „Warum denn das?“ Ich überlege. Ich könnte ihr nun erklären, dass die Zeitumstellung bei uns eine lange Tradition hat, dass bereits während des ersten Weltkriegs Kaiser Wilhelm II die lustige Idee hatte, durch das Umstellen der Uhren eine höhere Effektivität der Rüstungsindustrie zu erzielen. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in den Zonen der Westalliierten von 1947 bis 1949 sogar eine Hochsommerzeit von Anfang Mai bis Ende Juni, also insgesamt zwei Stunden Verschiebung. Und das alles um Strom zu sparen. Klappt aber nicht. Weiß man längst und macht trotzdem weiter.

Das alles könnte ich der Wangyou erzählen, wenn ich denn gerade den passenden Wortschatz zur Hand hätte. Hab’ ich aber nicht. Also schreibe ich ihr „weil wir uns langweilen“. Sie fragt wieder zurück „ja ist das nicht unangenehm, eine Stunde früher aufstehen, du stehst doch eh’ schon um vier auf – das bringt doch bestimmt deinen ganzen Rhythmus durcheinander!“ – Ja, natürlich tut es das, ich werde wieder mindestens eine Woche rückwärts laufen. – „Warum tut ihr euch das an?“ Darauf kann es nur eine Antwort geben: „WEIL WIR VERRÜCKT SIND. DESHALB!!“

Und wieder einmal einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. Ich bin stolz auf mich.

Freitag, 27. März 2009

Deutscher Frühling



Woran merkt man eigentlich, dass es endlich Frühling ist? Am Wetter bestimmt nicht...Heute morgen habe ich's aber in der Auslage der Bahnhofsbuchhandlung gesehen - daran:

- Ein Millionär zum Verlieben
- So schön kann doch kein Mann sein
- Küss' mich, mein Prinz
- Das Licht der Liebe
- Verliebt in einen Prinzen
- Nur dein Herz weiß die Antwort
- Betörend wie der Duft der Lilien
- Tausend Sterne über Hongkong
- Daddy gesucht - Herz verloren

Da werden die Bibliophilen unter uns doch gleich ganz wuschig...

Mittwoch, 25. März 2009

Bis das Blut gefriert…

Irgendwelche gelangweilten Forscher haben vor Jahren einmal eine Klassifizierung der Schläfertypen vorgenommen. Da gibt es die Lerchen, die schon bei Sonnenaufgang fröhlich aus dem Nest hüpfen und gut gelaunt den Tag beginnen. Und dann gibt es da die Eulen. Leute wie ich früher mal, als ich noch konnte. Schälen sich übelstlaunig aus der Kiste, wenn man sie zu unchristlicher Zeit – also deutlich vor 11.00 h – aus dem Bett holt, sind erst nach dem dritten Kaffee ansprechbar, dafür aber nachtaktiv und selten vor 3.00 h morgens zur Nachtruhe zu bewegen.

Als umerzogene Eule bin ich 15 Jahre lang um 5.00 h aufgestanden, um Richtung Frankfurt zu fahren. Später als 6.00 h sollte man nicht auf der Autobahn sein, sonst landete man im Mega-Stau, hat dafür aber dann auch keinen Parkplatz mehr bekommen. Das motiviert. Sogar Menschen wie mich. Was mir beim Wachwerden immer eine ganz große Hilfe war, war der Wilde Westen, der jeden Morgen auf dem Frankfurter Kreuz inszeniert wurde – die ganzen Asphalt-Cowboys mit ihren übermotorisierten Kisten haben stets dafür gesorgt, dass ich hellwach und bester Dinge an meinem Arbeitsplatz erschien. Adrenalin statt Koffein!

Seitdem ich mit dem Zug fahre, fehlt mir das ein bisschen. Nun brauch ich literweise Kaffee und das tut meinem Magen gar nicht gut.

Das findet die Deutsche Bahn wohl auch und hat sich heute etwas Nettes einfallen lassen. Ich bin ein Gewohnheitstier und nehme jeden Morgen den selben Zug um 5.40 h, stehe an der selben Stelle des Bahnsteigs, treffe die selben Menschen und sitze auch immer auf dem selben Sitz. Und wehe, der ist besetzt…

Heute morgen laufe ich gemütlich in die Bahnhofshalle im ersten Stock, schlendere die Schaufenster entlang, blicke auf die Anzeigetafel um mich zu vergewissern, dass der Zug wie jeden Morgen in das übliche Gleis fährt und sehe – nichts. Nada! Null!! Alle Züge auf der Tafel, nur meiner nicht! Ich laufe auf den Bahnsteig – keine Anzeige. Renne wieder hoch zur Terminal-Anzeige: nichts. Alle anderen Züge: die – ja! Mir bricht der Schweiß aus, ich laufe zum Ticketautomat um einen Fahrplanausdruck zu machen, verhaspele mich in der Hektik, kriege dann schließlich den Ausdruck: der Zug steht drauf – mit einem roten Ausrufezeichen – was bedeutet das Himmelarmundzwirn? Ich renne wieder runter zum Bahnsteig, mir kommen einige Ratlose entgegen „wissen Sie was mit dem Zug nach Stuttgart ist“? Da ertönt die liebliche Lispelstimme meiner Lieblingsansagerin „Meine Damen und Herren auf Gleis 5 fährt ein der Intercityexpress nach München…“ und der Geisterzug läuft ein. Erleichterung auf allen Gesichtern.

Und ich bin wach. Hellwach. Thank you, Deutsche Bahn.

Nachtrag

Ach, wäre doch alles so einfach im Leben:


Montag, 23. März 2009

Isch geh’ nimmer nuff

In meiner Heimatstadt gibt es ein entzückendes kleines Stadion, kurz „Bruchweg“ genannt. Ich kenne dieses Stadion schon seit Kindertagen, als der Name noch durchaus Programm war. Hölzerne Buden, nur notdürftig angemalt, zierten das Hohe Haus, in dem die Kicker dort am Wochenende ihrem Hobby nachgingen. Mittlerweile sieht es dort ein bisschen anders aus; eine riesige Flutlichtanlage erhellt die Tribünen, die immerhin 20.300 Leutchen fassen. Pünktlich zum 100. Geburtstag erfüllte sich ein lang gehegter Traum: der FSV Mainz 05 stieg tatsächlich in die 1. Liga auf! Es folgten drei glückliche Jahre, als Krönung sogar die Teilnahme beim UEFA-Cup. Die Ersten begannen schon von der Meisterschaft zu träumen, leider folgte dann aber doch der Abstieg, auch wenn unser Heilsbringer Kloppo bestimmt sein Bestes gegeben hat.

Auch ich konnte mich der Faszination dieser sympathischen Truppe nicht entziehen, auch ich stand am Theaterplatz, als Kloppo Rotz und Wasser heulend Abschied von unserer kleinen Stadt nahm.

Hin und wieder gelingt es mir, eine der äußerst raren Stadionkarten zu erhaschen und dann mache ich mich – angetan mit Fan-Schal und ordnungsgemäßer Kluft – meist mit Freundin Zimtstern, die stolze Besitzerin einer Dauerkarte ist und auch dafür sorgt, dass ich ein bisschen was von dem, was sich auf dem Grün tut, verstehe, gemeinsam „nuff“ in den Bruchweg. Gestern war es mal wieder soweit. Meine Schwester war auch mit von der Partie, und bester Dinge marschierten wir also gemeinsam Richtung Arena.

Zimtstern kennt natürlich jede Menge Leute, großes Hallo, wir treffen ihre Schwester, die ich auch schon lange nicht mehr gesehen habe. Sie begrüßt mich mit einem herzlichen: „Mein Gott, bist du grau geworden“. Ich schlucke trocken, meine holde Schwester setzt noch einen drauf: „ja, ja, das Friedhofsblond....“. Danke, ich brauche jetzt erstmal ein Bier. Die nachfolgende Feuerwurst hebt meine Laune zwar etwas, aber irgendwie habe ich kein gutes Gefühl...



Das Spiel beginnt, die Stimmung ist gut, „You never walk alone“ geht mittlerweile auch ziemlich textsicher, kann eigentlich nichts schiefgehen. Lange Zeit tut sich ziemlich wenig auf dem Spielfeld, ich denke so für mich „ein Tor würde dem Spiel jetzt gut tun...“ – da fällt es. Dummerweise für Alemannia Aachen. Nicht so schön, aber es ja noch ein wenig Zeit, die Sache zu richten. Dimo Wache hatte sich klugerweise frühzeitig aus dem Tor verabschiedet und Keeper Wetklo hat leider gar keinen guten Tag, so dass es zur Halbzeit 0:2 steht. Die ganze tragische Geschichte zu erzählen, würde nicht nur zu weit führen, sondern mich auch wieder zu Tränen rühren...das Ende vom Lied: ein Ehrentor durch Chadli Amri, Endstand 1:4. Peinlich, peinlich.

Zum Abschluss des Desasters trifft man sich noch auf ein Bierchen um gemeinsam zu weinen, aber nach dem dritten Bier ist klar: wir m u s s t e n dieses Spiel verlieren, weil das nämlich eine schöne Tradition ist und völliges Versagen einfach die Voraussetzung für den Aufstieg ist – also freuen wir uns zusammen darüber, dass unser geliebter Verein stur seinen Masterplan umsetzt und wollen gar nicht misstrauisch auf die Tabelle schielen, wo sich unser Angstgegner Greuther Fürth nun vor uns geschoben hat. Hat alles seine Richtigkeit – und wir steigen doch noch auf!

Und nächste Woche gehe ich mir von dem Fellfärbe-Zeugs, von dem die hübsche Frau im Fernsehen immer ihrer Mutti am Telefon erzählt, es hätte die „perfekte Grauabdeckung“, kaufen...

Mittwoch, 18. März 2009

Wenn man mich so lieb bittet...

...dann kann ich ja gar nicht anders, als diese kleine Geschichte herauszutratschen:

Es trug sich also zu bei einer gemeinsamen Reise in’s gelobte Land, deren mannigfaltige Abenteuer hier nachzulesen sind. Auf dem kleinen Provinzflughafen zu Xiangfan checkten wir nach einer wundervollen Reise ein, um den Heimflug Richtung Fa-Lan-Ke-Fu anzutreten.
Die Pässe werden vorgelegt, die Bordkarten ausgedruckt, wir stiefeln gemeinsam Richtung Sicherheits-Check.

Den Xiangfaner Flughafen kann man sich von der Größe her vorstellen wie den ehemaligen Flughafen Finthen-Airbase (dort wohnt ein feindseliges Bergvolk, mit dem wir Gunsenummer uns seit Jahrhunderten beharken). Falls die Leute dort irgendwann einmal einen Herzinfarkt erleiden sollten, dann sicherlich nicht wegen Arbeitsüberlastung. Zu Stoßzeiten starten und landen dort immerhin zwei Flieger am Tag. Da ist ganzer Einsatz gefragt und den leisten die Damen und Herren natürlich gern und auch sehr gründlich. Besonders, wenn Langnasen unterwegs sind. Man hat ja einen Ruf zu verlieren.

Ich stolpere durch die Tore und nehme schon mal in der gemütlichen Wartehalle platz. Und warte. Und warte immer noch. Ob der Oster noch kommt? Kann sich wohl am Ende gar nicht losreißen. Kann ich ja verstehen. Irgendwann siegt aber meine natürliche Neugier und ich tigere zurück. Mittlerweile hat sich eine ansehnliche Menschenmasse, die genau wissen will, was abgeht, vor dem Sicherheitsschalter gebildet und in der Mitte steht mein Oster. Ich beobachte das Schauspiel aus sicherer Entfernung und frage eine der Bediensteten, was sich da tut. Sie schaut mich an, Erleichterung: „Ni shuo zhongwen ma?“ – naja, sprechen würde ich es nicht nennen, eher stammeln, reicht aber für den Hausgebrauch. Sie schubst mich zum Schalter, ich frage, ob es Probleme gibt. Ja, die gibt es, und zwar ein ganz Gewaltiges: der Oster hat sein Ticket auf Yürgen gebucht. Im Pass steht aber Jürgen. Bei den Schlampern in Frankfurt oder Beijing mag das durchgehen, nicht aber in Xiangfan. Da hat nämlich alles seine Ordnung und wo kämen wir denn da hin...ich sehe lange Diskussionen auf uns zukommen, schaue auf das Corpus Delicti und rufe aus „xie cuole“- Schreibfehler! Die Vollzugsbeamte, die mittlerweile auch die Lust an dem Schauspiel verloren hat, ist begeistert von der einfachen Lösung, will aber auch die Form wahren und schickt uns nochmal zum Eincheck-Schalter zurück, damit die das korrigieren. Ich nehme den Oster unter den Arm, wir laufen zum Schalter, ich weise nochmal darauf hin, dass hier ein Schreibfehler vorliegt und man diesen bitte korrigieren möge. Die Dame schnappt einen Kuli, übermalt das schöne „Y“ mit einem häßlichen „J“, stempelt das ganze ab und fertig. Fast.

Wir gehen also zum Sicherheitsschalter zurück, präsentieren das „neue Dokument“ und dann wird klar, dass der Oster leider nicht ganz verstanden hat, was hier passiert: der will der guten Frau nämlich nun auf einmal erklären, oder besser noch: beweisen, dass er schon immer der Yürgen mit „Y“ ist und fingert sein Zertifikat aus Wudang als Beweis heraus. Bevor wir nun alle eingekerkert werden, gelingt es mir, den Oster mit einem kurz gefauchten „Halt die Klappe und komm’ jetzt einfach mit!“ hinterher zuzerren, bis wir aus der Gefahrenzone sind.

D a s Bier habe ich mir wirklich verdient!

Dienstag, 17. März 2009

Für Oster...

...der sich heute geoutet hat, die Geschichte mit dem Becher und dem Fächer gar nicht zu kennen:

Sonntag, 15. März 2009

Lieber Ranzabuffer,

hinter dem unscheinbaren Kommentar von letztens verbirgt sich ein solches Juwel - d a s soll die Welt doch erfahren:

Gestern an meinem Taiji-Tümpel

Nach meinem üblichen kleinen Warm-Up (das sind die 10 Kilometerchen, die ich gerne über die heimischen Felder wetze), halte ich meist kurz Einkehr zwecks Dehnen, Kicks und Taijiübungen. Als Tatort habe ich mir da einen kleinen Hain ausgeguckt, in dessen Mitte ein winziger kleiner Tümpel vor sich hin dümpelt. Da gibt es Entchen, Zecken, Moskitos, gelegentlich läuft auch mal jemand mit seinem Wauzi (der dann einen Teil der Zecken wohl als Souvenir mit nach Hause nimmt) herum…alles in allem ein sehr idyllisches Plätzchen. Die ausgekippten Mülleimer und umherliegenden Bierflaschen blende ich einfach aus.

Gestern schwenke ich gerade zum Tümpel ein, als ich einen Herrn sehe, der in der Hand einen großen, fast durchsichtigen Eimer trägt. Neugierig verlangsame ich mein Tempo, damit ich besser in den Eimer kucken kann und mir staunt eine fette Kröte mit großen Augen entgegen. Sie hockt – wie Kröten nun mal hocken – auf dem Boden des Eimers und bläst die Backen auf. Der Mann geht vorsichtig zum Rand des Ufers und gibt lockende Geräusche von sich. Ich denke ganz kurz an einen Beitrag, den ich dieser Tage gehört habe und betrachte weiter, was sich tut. Nachdem sich die Kröte nicht rührt, leert der Mann kurzerhand den Eimer in den Tümpel aus. An dem kleinen Steg dehne ich mich und beobachte, wie der Mann der Kröte hinter her schaut, die mittlerweile mit kräftigen Schwimmstößen den Tümpel durchmisst. Der Mann kommt mir irgendwie bekannt vor, meine Festplatte läuft auf Hochtouren…ich sehe, wie er die Lippen bewegt – ein letzter Gruß an die Kröte? Heureka, da ist es mir eingefallen!

Mittwoch, 11. März 2009

Montag, 9. März 2009

Neulich in der Transfusionszentrale



Wie so viele Menschen wurde ich lange Jahre von einer leichten Spritzenphobie geplagt, die mich auf jede noch so harmlose Impfung oder Blutabnahme sehr männlich hat reagieren lassen. Um diese Ängste in den Griff zu bekommen, hatte ich mich entschieden, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben und kurzerhand Blutspenderin zu werden. Nach einem kurzen Stelldichein beim Roten Kreuz, wo die ärztliche Untersuchung bei Dämmerlicht in der muffigen Kleiderkammer stattfand und die Spende abgenommen wurde von einem lustigen Völkchen, das sich die Zeit durch heiteres Hämoglobinwert-Raten vertrieb, bin ich dann weitergezogen zur Uniklinik, wo es – neben einer etwas professionelleren Ausstattung – statt Leberwurst und Schokoladenkeksen eine kleine Aufwandsentschädigung gibt, die man hinterher dann gleich verfressen kann. Hab’ ich einfach mehr von.

So, liebe Babs, und nun ist der Moment, an dem du dich im Hinblick auf unser letztes Telefonat verabschieden solltest.
Du willst nicht? Bist jetzt neugierig?? – Wäre ich auch. Aber ich habe dich gewarnt.

Jeder Spender weiß eigentlich, dass er nach etwa 10 Wochen wieder erwartet wird. Weil man das aber gern mal vergisst, werden von der Transfusionszentrale Rundrufe gestartet, wenn die Soße mal wieder knapp wird. So nach Fastnacht zum Beispiel. Und so lümmelte sich am Samstag so ziemlich alles, was schon wieder ausgenüchtert war und ein paar Kröten brauchte, in den lauschigen Räumen der Uni.

Ich habe dem Drang, mich gerade wieder umzudrehen, eben noch widerstehen können und ordne mich brav in die Reihe ein. Erst zum Arzt, der hochmotiviert die üblichen Fragen herunterleiert: „Wie-geht-es-Ihnen-wie-haben-Sie-die-letzte-Spende-vertragen-haben-Sie-genug-getrunken-und-auch-schon-was-gegessen?“ Ob er meine Antworten hört, kann ich nicht feststellen. Nach dieser Prüfung geht es in die nächste Schlange, zum Hämoglobinwert- und Fieber messen. Viel Zeit zum Leute kucken. Vor mir steht ein junger Mann. Um das gesamte Mundwerk sind unzählige Piercings angebracht und ziehen sich bis zum Nacken hin. Ich stelle mir vor, was wohl bei einem MRT passieren würde und genieße wohliges Gruseln. Aus Langeweile bewundere ich noch seine großflächigen Tatoos, auf dem rechten Arm riesige Endzeitszenarien, mit gequälten Gesichtern drauf. Sehr hübsch gemacht. Wenn man auf Hölle steht. Ich schaue weiter nach links und mir strahlt – Hello Kitty entgegen! Da hat sich wohl die Freundin des Meisters ausgetobt, sinniere ich für mich….Derweil tut sich etwas: eine Frau, die von der Spende kommt, hat wohl nicht fest genug auf die Vene gedrückt, jedenfalls fließt das Blut in Strömen an ihrem Arm herunter. Sie hat ihren Freund dabei. Die Dame flucht undamenhaft, ihr Freund kippt sang- und klanglos um. Wissender Blick der Krankenschwestern: Klassiker sterben nie. Mühevoll wird der Mann wieder auf die Beine gebracht, der Arzt kümmert sich um ihn, während die Frau still vor sich hin blutet. Irgendwann erbarmt sich aber doch jemand, eine Aderpresse anzulegen und mit ein paar feuchten Tüchern die schlimmste Sauerei zu entfernen…

Ich fordere mein Schicksal heraus, indem ich einfach mal ausprobiere, was passiert, wenn ich mich an dem martialisch aussehenden jungen Mann vorbeischummele, der eigentlich vor mir dran ist. Dreist schiebe ich mich vorbei und es passiert…nichts. Hab’ ich mir schon gedacht. Wenn einer schon so aussieht….Als wir uns später im Spenderaum wieder treffen, wirft er mir einen bösen Blick zu. Soviel Mut hat er dann schon. Tapfer, tapfer. Als er dann aber den Mund aufmacht, falle ich fast von meiner Liege: leises Fiepsen, kaum zu hören, als er erzählt, dass er von Beruf Tätowierer ist. Vor dem Hintergrund gewinnt die Hello-Kitty-Geschichte natürlich ein ganz neues Gewicht. Vielleicht sollte ich mich doch mal mit dem Knaben unterhalten…

Samstag, 7. März 2009

Yes, we can...

Letztens hatte ich ja dank eines Kollegen ein wunderschönes Ton- und Bilddokument aufgetan, das bewiesen hat, dass Obama neben etwa 100.000 anderen Dingen, auch schwäbisch kann. Viele konnten nun auch Zeuge werden, dass er natürlich auch meine heimische Mundart beherrscht (ganz im Gegensatz zu mir...). Für alle, die's verpasst haben:



und hier der Rest: