Montag, 27. April 2009

Die Neue Heimat

Der erste Arbeitstag in meinem neuen Zuhause gestaltete sich noch etwas schwierig, schon deshalb, weil ich – da aus dem falschen U-Bahnschacht gekrochen – erst einmal ziemlich lange suchen musste, bis ich endlich das neue Domizil gefunden habe. Eine wunderbare Gelegenheit für einen kleinen Erkundungsgang: nun in Stadtmitte staunt man als Provinz-Kind doch erst einmal mit großen Augen, was es hier alles gibt...und was das alles kostet! Ganz deutlich ist hier das Nord-Süd-Gefälle zu spüren und ich kann endlich nachvollziehen, warum meine KollegInnen, die mich letztes Jahr bei einem Klassenausflug in Mainz besucht haben, so begeistert waren.
Die neuen Räume sind wirklich klasse, keine Mini-Verschläge mehr sondern eher Ballsäle, mit viel Platz für massig Schränke, die wir im Blutrausch in rauen Mengen bestellt haben. So für schlechte Zeiten. Man weiß ja nie und was man hat, das hat man...
Nach dem ich der arbeitenden Bevölkerung lange genug in den Füßen herum gestanden habe, schnappe ich meinen kleinen elektronischen Freund, verabschiede mich in den neuen sonnigen Pausenraum und nutze die unerwartete Freizeit zu einem kleinen Schnack mit China-Land. So kann ich mir wenigstens einbilden, die Zeit sinnvoll für den Feinschliff meiner sprachlichen Fähigkeiten genutzt zu haben.

Irgendwann stehen auch die Möbel und Kollege Ranzabuffer und ich richten unser Nest gemütlich ein. Endlich kann ich meine Bilder aufhängen und habe richtig viel Platz für mein eigenes Geraffel. Das ist halt der Nachteil, wenn man irgendwohin dazu kommt wo schon jemand mit ähnlicher Veranlagung behaust ist...

Die Mittagspause gemütlich in der Sonne sitzend beim Paulaner-Bräu direkt vor der Haustür sinnieren wir darüber, in welcher Reihenfolge wir all’ die Kneipen und Restaurants, die hier aufgereiht sind, abarbeiten.

Mann, das wird teuer hier...aber guuuuut!

Montag, 20. April 2009

Goodbye, Feuersee

Kluge Geister in den Führungsriegen machen sich bekanntlich ununterbrochen Gedanken darüber, wie man die zur Trägheit neigende Mitarbeiterschaft aus ihrer Lethargie herausreißen kann zwecks neuen Impulsen, Kreativitätsschüben, undundund…
Ein beliebtes Mittel dazu sind die allerorts gern genommenen Umstrukturierungsmaßnahmen, am allerliebsten gepaart mit einem Umzug. Oder wenigstens ein Umzug, Menno…
Gut, machen wir halt einen Umzug. Warum auch nicht, ich bin ja nun schon 1,5 Jahre hier, da wird es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel. Und auch noch einiges mehr.

Es gibt einen Organisator, der ausgesprochen vorausschauend arbeitet und ich kann bisher nicht erkennen, dass er irgendwo gepatzt hätte. Die Umzugskartons stehen schon seit Wochen herum, jeder hatte grundsätzlich die Möglichkeit, rechtzeitig mit dem Packen zu beginnen.
Mein Kollege und ich waren allerdings der Ansicht, dass wir alles um uns herum benötigen, und zwar bis zum bitteren Ende.
Unsere besondere Arbeit erfordert es, dass wir Mengen von Asservaten um uns scharen. Das klingt viel netter als altes, kaputtes Gerümpel. Man muss zwar kein Messie sein, um so zu arbeiten, aber es erleichtert die Sache schon gewaltig. Und so haben wir uns im Laufe der Zeit eine urgemütliche kleine Höhle gebaut, in der wir uns sehr wohl fühlen.



Nun ist es aber so weit. Kein Aufschub mehr, morgen wird umgezogen, also heißt es heute endgültig packen. Also sind wir heute eingetaucht in die unendlichen Weiten unserer kleinen Welt, haben zum Teil unglaubliche Schätze geborgen – Kollege Ranzabuffer hat mich erwischt, als ich zärtlich Schulungsunterlagen aus meiner Ausbildungszeit streichelte und nach dreimaligem beherzten Wurf in den Müllcontainer doch immer wieder gerettet und dann schließlich eingepackt habe…ich sentimentales Weichei. Umgekehrt habe ich mit einer gewissen Faszination der Ausgrabung eines Papierbergs unbekannter Herkunft (das ist von dir – nein dir – nein dir!) beigewohnt.Kurz blinzelte der Reichsadler auf – ich schwör’s! Kann deshalb auch nur dem Ranzabuffer gehören, der ist nämlich schon viel länger da als ich.

Nach vielen Stunden Wegschmeiß- und Einpackarbeiten ist’s dann endlich vollbracht. Und morgen fangen wir an, uns eine neue Höhle zu bauen.

Freitag, 17. April 2009

Für unsere chinesischen Freunde...

...noch eine typisch deutsche Sommerspezialität. Passend zur üblichen sommerlichen Grillorgie:



Mahlzeit!

Mittwoch, 15. April 2009

China zu Besuch bei Freunden

Über die Osterfeiertage erwartete die Stadt Mainz hohen Besuch: aus dem fernen China, derzeit allerdings im Schwäbischen zwecks Deutsch-Lernen (nicht lachen!) in Freudenstadt stationiert. So kam mein „kleiner Bruder“ nebst Verstärkung angereist, um deutsche Kultur zu tanken. Beim letzten Besuch erschien es mir noch schlau, möglichst asiatisches Essen aufzutischen – andererseits: warum eigentlich? Also: Deutschland pur!

In unserer Gegend ist da natürlich ein kleiner Ausflug Richtung Rüdesheim ein absolutes „Must“, die Gäste sind ja jung, da kann man die paar Meter bis zum Niederwald-Denkmal ja schnell hoch laufen (hehe...). Dann noch die Drossel-Gasse draufgesetzt – ein schöner Eindruck von „typisch deutsch“. Es gelingt mir allerdings nicht immer, angesichts der liebevoll dekorierten Schaufenster (s. mein letzter Post) die Contenance zu wahren.



Der nächste Tag gehört unserer kleinen Stadt, wir üben fleißig Baustile, ich nehme an, Freundin Bat hätte mich bei der einen oder anderen Gelegenheit in’s Genick geschlagen – aber sie hört’s ja nicht...und die Unterschiede zwischen gotisch, romanisch und barock kriege ich gerade so noch auf die Reihe. Und wenn man einfach nur immer grob in Richtung Dom zeigt, passt es ganz bestimmt. Auf der ebsch’ Seite in Kastel findet gerade ein mittelalterliches Spectaculum statt, mit dem wir den Tag abrunden. Besonders die nahezu authentischen „Hunnen“ erfreuen das Auge. Dass wir danach über den Rhein und dann anschließend noch die gesamte Stadt zu Fuß durchqueren müssen, sorgt zumindest für eine gesunde Nachtruhe bei den Gästen.



Sie zeigen auf jeden Fall bewundernswertes Durchhaltevermögen. Als ich am nächsten Tag eine Trainingsrunde ankündige und mich auf die Felder verabschieden möchte, dienen sie mir ihre Begleitung an. Ich frage dreimal nach, ob klar ist, dass wir von einer Laufstrecke von 10 Kilometern sprechen – ja, ja, kein Problem – gut, dann los! Ich habe schon mehrfach festgestellt, dass das Schätzen von Entfernungen nicht in aller Welt mit der gleichen Akribie betrieben wird. Dass die Entfernung zwischen Wudang Shan und Shengzhou in der Nachbarprovinz Henan 5000 Kilometer beträgt, glaube ich bis heute nicht, lieber Laohei. Google Maps sagt rund 600, und das kommt der Sache wohl etwas näher…
Egal, nach 6 Kilometern ist auf jeden Fall Feierabend, wir spazieren also gemütlich zu meinem Taiji-Tümpel, die Jungs möchten ein wenig Taiji gezeigt bekommen. Bei dem Wetter sind natürlich einige Leute da, ein Herr, der gerade sein Frühstücks-Bier zu sich nimmt, beobachtet staunend, wie zwei Chinesen von einer germanischen Walküre Taiji-Übungen gelehrt bekommen. Auch das ist Globalisierung…

Abends gibt’s zur Belohnung Gegrilltes und zum Abschluss Eierlikör – so und nicht anders ist Deutschland!

Freitag, 10. April 2009

Schwaches Bild...

...Firma Waffen-B. in Mainz. Ist dir wohl nix eingefallen. Ich hätte da was für die nächste Deko-Orgie zu bieten. Passt eigentlich immer, nicht nur zur Osterzeit:



Nichts zu danken, hab' ich doch gern gemacht. Für weitere Ratschläge stehe ich gern zur Verfügung.

Donnerstag, 9. April 2009

Nur aus Neugier...

...liebe Bat, würde ich doch gerne mal wissen, wie der stadtbekannte Mainzer Waffen-Dealer, der uns so geschmackssicher auf die Weihnachtszeit eingestimmt hat, denn nun sein Schaufenster dekoriert hat - Fadenkreuz mit Osterhasi in der Mitte??? Geh' doch mal rüber kucken!

Mittwoch, 8. April 2009

Da kann ich natürlich nicht widerstehen...

...wenn der Oster sich über die lyrischen Frühlingsergüsse von Altmeister Schiller so hämisch ausläßt. Mir ist letztens was Entzückendes in die Finger gefallen - nein, hat jetzt nix mit Frühling zu tun, vielmehr mit dem Bedürfnis mancher Menschen, ihre Gedanken und Ideen in Versform an den Mann zu bringen:

"Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt. Daß wer den Mut
hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut
darüber, daß so’n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Agressionen auf den Macker.
Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen."


ROBERT GERNHARDT (1937–2006)


Meinen neuen chinesischen Leser Jin Dun, den ich an dieser Stelle herzlich in unserer fröhlichen Runde begrüßen darf, bitte ich ausdrücklich darum, die hier verwandten Kraftausdrücke niemals zu verwenden. Das sollten nur Eingeborene...
Herzliche Grüße nach Shandong!

Freitag, 3. April 2009

Bildergeschichte

Es begann ganz harmlos im letzten Jahr. Im letzten Frühsommer begann die Bahn damit, alte marode Schienen aus dem Gleis zu reißen um frische, neue zu verlegen. Damit waren natürlich erhebliche Einschränkungen, Verspätungen und andere Überraschungen verbunden, aber das Fahren mit der Bahn ist eine hervorragende Schule der Geduld, der Sommer war irgendwann überstanden und ich dachte, damit wäre die Sache gegessen.

Vor Weihnachten weckte allerdings dieses witzige Plakat mein Misstrauen:


Es wurde nicht so schlimm wie gedacht, beziehungsweise die Baustellenprobleme gerieten dadurch, dass die ICEs dringend einer technischen Überprüfung bedurften, in den Hintergrund. Als ich letztens nun diese Ankündigung entdeckte:



Konnte ich über die possierliche Zeichnung schon gar nicht mehr lachen. Ein ungläubiger Blick in den Fahrplan bestätigte mir, dass nun zu ziviler Zeit nur noch ein Zug von Stuttgart nach Mainz fährt. Wenn ich den verpasse, habe ich sehr viel Zeit, rechtsrheinisch ein schönes Stück Deutschland kennen zu lernen. Und zwar bis Juni. Und wenn ich dann aus China zurück komme, ja dann...



Aber ab September soll es Gerüchten zufolge wieder Bahnen geben, die ordentlich linksrheinisch ohne Zwangsumtausch den Mainzer Hauptbahnhof anfahren. Ich lasse mich überraschen. Und bis dahin gilt:



Bahnfahren, das letzte große Abenteuer...

Es ist nie zu spät...

...zugegeben, der Weltfrauentag liegt wieder mal 'ne Weile zurück, leider hatte ich erst jetzt Zeit, mir eine E-Mail mit etwas längerem Text mal durchzulesen. Das meiste war das übliche, was frau an so einem Tag an Kämpferischen verbreitet, nicht weiter erwähnenswert, aber: das Fazit des Ganzen hat mir richtig gut gefallen:

Das Leben sollte NICHT eine Reise ins Grab sein
mit dem Ziel wohlbehalten und in einem attraktiven und gut
erhaltenen Körper anzukommen,
sondern eher seitwärts hineinzuschlittern,
Chardonnay in einer Hand,
Erdbeeren in der anderen.
Den Körper total verbraucht und abgenutzt, und dabei jubelnd…

"WOO HOO! Was für ein Ritt!"

Jawohl, genau so wird's gemacht!!