Samstag, 27. Juni 2009

Die Rückkehr

Nach einem schweren Abschied bin ich mit dem Nachtzug glücklich in Wuhan angekommen. Die Nacht habe ich mit drei sehr schweigsamen Genossen verbracht, was mir aber sehr entgegenkam, so konnte ich zumindest meinen letzten Reisebericht beenden. Das Wudang-Buch ist damit bis auf weiteres geschlossen, so dass Xiaomo nun auch mal wieder zu Wort kommt.

Wuhan ist eine größere Industriestadt, die Provinzhauptstadt von Hubei und würde bei der Wahl der schönsten Städte bei nüchterner Betrachtung keine echte Chance haben. Es ist 5.18 h, als mein Zug pünktlich nach 8stündiger Fahrt von Wudang Shan in den Bahnhof einläuft. Trotz der frühen Stunde sind bereits Arbeiter dabei, den Bahnhof auszubauen und so sind die lauten Schläge auf Metall mein erster Gruß von dieser Stadt. Etwas übernächtigt erlaube ich einer Frau, die mir eifrig ihre Dienste anbietet, mich zum Privatfahrzeug ihres Mannes zu geleiten. Die beiden verdienen sich wohl so ein paar Kuai dazu und der Preis, den sie für die Fahrt von Hankou nach Wuchang haben wollen, liegt unter den 80 Yuan, die mir als üblich genannt worden waren. Das Hotel hat in seiner unendlichen Weisheit das Voucher ausschließlich in englisch formuliert. Sehr hilfreich in diesem Land. Ist halt eine amerikanische Hotelkette. Glücklicherweise hatte ich das Problem vorausgesehen und die Damen in Wudang gebeten, Hotelname und -adresse noch in Schriftzeichen zu notieren. Dennoch sehe ich große Fragezeichen in den Gesichtern meiner Fahrer. Wisst Ihr wo das ist – ja selbstverständlich, überhaupt keine Frage! Hätte ich jetzt auch gesagt. Immerhin finden sie mit vereinten Kräften – der Mann fährt, die Frau gibt Anweisung – Wuchang ohne Probleme, danach wird es allerdings eng. Nach einer längeren Odyssee ist dann doch die Straße und auch das Hotel gefunden. Ich bin völlig gelassen, weil um die frühe Uhrzeit ein Einchecken bestimmt noch nicht möglich ist, obwohl ich darum gebeten hatte. Und so kommt es dann auch. Der junge Mann an der Rezeption macht mir Hoffnung, dass ich mein Zimmer um 10.00 h beziehen kann. Prima. Das sind ja nur 4 Stunden. Die Stühle in der Lobby laden nicht gerade zu einem kleinen Schläfchen ein, obwohl ich das jetzt dringend brauchen könnte. Und eine Dusche. Im Zug war es einfach viel zu heiß um zu schlafen, ich habe mehr oder weniger komatös auf meine Liege gelegen, mich nach links und rechts gedreht und einfach nur geschwitzt...

Aufmunternd zeige der Rezeptionist auf eine dunkle Ecke – das „Internetcafe“ des Hotels, na gut, rumspielen, chatten, facebooken...da kann man wenigstens ein wenig Zeit vertreiben. Um 7.00 h ist Schichtwechsel. Ich mache den nächsten Vorstoß: ist mein Zimmer endlich fertig? Natürlich nicht, aber die Anmeldeformalitäten können schonmal erledigt werden. Dann spendiert die „Managerin on Duty“ mir ein Frühstück, um mich wenigstens noch eine Weile vom Hals zu haben. Ich sehe ein, dass ich wohl mit ständigen Aufdienervengehen auch nicht weiterkomme und beschließe, einen kleinen Spaziergang zu machen. Ich werde angenehm überrascht: um die Ecke wenige Meter vom Hotel entfernt, gibt es tatsächlich einen See. Die Straße, in der das Hotel steht, heißt zwar Ostsee-Straße, das will ja aber nichts heißen. Ich laufe die gepflegte Promenade entlang und genieße dieses Kontrastprogramm zu den Bergen. Ein Stück weiter kann ich schon Boote auf dem Yangtse sehen. Auf der Promenade sind Steinbänke, die Wangen liebevoll zu Tierköpfen geformt. Obwohl es ein ganz normaler Arbeitstag ist, ist ziemlich viel los. Ein Vater spielt mit seinem kleinen Sohn, der versucht, den selbstgebauten Flieger in die Luft zu bekommen. An einer Bank sitzt ein älterer Herr und spielt die Erhu. Eine Frau singt dazu. Ein paar Zuhörer haben sich auch auch schon gefunden – nun gehöre ich auch dazu. Als ich nach einer Weile weiterschlendere, komme ich an einen kleinen Park. Als ich hineingehe, erwartet mich das in China übliche Bild: überall stehen Leute, klopfen sich ab, machen gymnastische Übungen, üben Qigong oder Taiji – ganz normal. Könnte ich doch ein wenig davon mit nach Hause nehmen.

Und mittlerweile ist auch mein Zimmer fertig.