Sonntag, 27. Juni 2010

Chinesischer Deutschkurs

Gerade bei unseren Freunden im Osten entdeckt (war wohl ne kleine Hausaufgabe im Deutschkurs):

Nur Italien nicht!!!!自己翻的中文歌词~
2010-06-26 23:58:41 来自: lōwi(aus den Augen, aus dem Sinn.)
Wer den Cup gewinnt, ist scheiß egal, nur Italien nicht!!!!自己翻的中文歌词~
德语学艺不精,高手请指教~
Refrain(副歌部分)
Wer den Cup gewinnt ist scheiss egal – nur Italien nicht Italien nicht
Wer den Cup gewinnt ist scheiss egal – nur Italien nicht noch mal
谁TM夺冠都行,就意大利不行。

Strophe (Dittmar Bachmann)(人名)
Ein Tor in den ersten Sekunden reicht für 90 Minuten aus
Hinten dicht nur am Boden Zeit geschunden
So sieht italienischer Fussball aus
开场第一秒进一球就抵得上90分钟的比赛,
倒在地上来耗时间,
这就是意大利的踢法。

Brücke(衔接)
Das nervt das kann nicht richtig sein
Und weil wir uns einig sind stimmen alle jetzt mit ein
介真令人讨厌,介是不对的,
因为所有人都这么认为~

Refrain(副歌)

Strophe (Achim Knorr) (人名)
Treten spucken beleidigen – so wollt ihr verteidigen
Und habt ihr Angst das reicht mal nicht
Dann rennt ihr vorher zum Sportgericht

铲人吐人骂人,你们就想介样得冠?!
你们怕了吧,介样不成滴~
你们该进足球法庭啦~

Brücke(衔接)

Refrain(副歌)

Strophe (Lutz von Rosenberg Lipinsky)(人名)
Gold`ne Schühchen gold`nes Kettchen ihr lauft rum wie Luden-Frettchen
Gel oel Cremes sind überall
Doch das ist Sport das ist kein Tuntenball
金鞋子金链子,你们像 Luden-Frettchen一样到处跑
到处都是Gel Öl Cremes
这是Sport,不是Tuntenball(一种慢拍的舞蹈)!

Brücke(衔接)

Refrain(副歌)

Strophe (Sven Hieronymus)(人名)
Ja wir moegen euer Essen doch beim Fussball seid ihr nicht ganz dicht
Pizza Pasta Mafia – Berlusconi
Das reicht mehr woll`n wir nicht
我们喜欢意大利食物。但介跟足球没太大关系。
来份意大利比萨饼意大利面意大利黑手党 - 贝卢斯科尼
这些就够了,别的俺们就不要了~

Brücke(衔接)

Refrain(副歌)

LETZTER Refrain:(最后一部分的副歌,有些改动)
Wer den Cup gewinnt ist sonnenklar: Alemania per la gloria
Wer den Cup gewinnt liegt auf der Hand: natürlich Deutsche-Land

谁是冠军很明了嘛~Alemania per la gloria
谁是冠军?当然是Deutschland!!!!

视频链接:
http://www.tudou.com/programs/view/mN2ZtUXMOjo
X 登录 · · · · · ·Email: 密 码: 忘记密码了 在这台电脑上记住我 >还没有注册... . 2010-06-27 21:24:45 ChrisR 话说我有一句看不懂哎。。。Und weil wir uns einig sind stimmen alle jetzt mit ein 是在sind后断句吧?这个stimmen alle mit ein怎么理解啊?


beim Fussball seid ihr nicht ganz dicht 不是说脑子有点不对么?nicht ganz d. sein (ugs. abwertend; nicht ganz bei Verstand sein)


Dann rennt ihr vorher zum Sportgericht 这个是说他们害怕那些还不够,先向足球法庭告状吧

另,这首歌还蛮可爱的嘛,不看人的话。。。Alemania per la gloria ~哈


Achja, hier gibts das Liedlein, das bei Youtube aus Gründen politischer Korrektheit selbstredend schon ordnungsgemäß entfernt wurde, zum Nachhören.Shame on us.

Freitag, 25. Juni 2010

Höhere Fußball-Mathematik

Eben grad in der S-Bahn:

Feierabend, kurz vor 16.00 h. Eine Gruppe junger Leute, mit portugisischer Fahne (WM bildet, hätt' ich vor kurzem nicht identifizieren können) bekleidet, entert mit mir zusammen die S-Bahn. Schnattert in lautester Fremdsprache, mutmaßlich Portugisisch, miteinander. Man freut sich wahrscheinlich auf das Spiel und den erwarteten Triumph. Die jungen Leute setzen sich und erinnern sich wohl ihrer Manieren, jedenfalls geht es jetzt auf Deutsch weiter. Und nun wird es interessant: "Also, wenn wir jetzt 5 Tore kassieren, und eins schießen, dann sind wir immer noch drin!" - "Nee, Quatsch, wenn DIE jetzt mit uns unentschieden machen, dann...." - "Nein, hast keine Ahnung, ich hab's gerechnet, also, wir haben im letzten Spiel 7 Tore gemacht und..." - "nein, ich mein' egal, wir gewinnen ja sowieso, aber..." - und so geht es munter bis zum Bahnhof. Und genauso viel versteh' ich auch.

Gleich geht's los - mal schauen, wer Recht hat

P.S.:
Damit ich nicht vergess' zu erzählen - HEUTE WAR DER ZUG PÜNKTLICH! Und kein Gedränge, völlig entspannt!!
Wie's kommt? - Ganz einfach: der ursprüngliche Zug war so gnadenlos verspätet, dass man ab Stuttgart einen Ersatzzug eingesetzt hat. Wunderbar. Danke, liebe Deutsche Bahn (Muss auch auch mal gesagt werden...)

Mittwoch, 23. Juni 2010

Und noch einmal: Liebe Deutsche Bahn,

ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann. Zumindest in einem Punkt. Ich hatte eine Fortsetzung versprochen – und: da isse schon!

Der geübte Fern-Pendler verlässt das Haus niemals, ohne vorher in die Kristallkugel resp. in den „Aktuellen Abfahrtsplan“ der Deutschen Bahn geschaut zu haben. Da steht dann immer, was den Reisenden so erwarten könnte, z.B. Leute im Gleisbett, „verzögerter Betriebsablauf“ (was auch immer das im Gegensatz zum Normalablauf bedeuten mag), Bauarbeiten oder ein kurzes, trockenes „Zug fällt aus“. Dann steht dahinter, wie viele Minuten oder Stunden später der Zug dann „circa“ ankommen könnte. Und mit dem „circa“ ist das so eine Sache: es kann nämlich durchaus passieren, dass Zug unterwegs Zeit aufholt, weil vielleicht Bahnhöfe kurzerhand ausgelassen werden (wer will schon nach Wiesloch-Waldorf?) oder man eine Abkürzung gefunden hat – wie auch immer. Jedenfalls ist man bei der ersten Störungsmeldung gut beraten, immer wieder nachzuschauen, wie die aktuelle Verspätung ist, damit der Zug dann nicht plötzlich doch weg ist. Kann man natürlich nicht immer, so dass der frühzeitige Hinweis auch nix anderes ist als die dringende Empfehlung, sich zu rüsten, noch was zu essen und zu lesen zu besorgen, schon mal Termine unter Vorbehalt zu stellen und sich dann überraschen zu lassen.

Solcherart vorbereitet habe ich mich dann gestern Nachmittag Richtung Bahnhof aufgemacht. Aus der angekündigten Viertelstunde Verspätung wurde eine halbe – also alles im normalen Bereich. Der Zug kommt glücklich aus dem fernen Klagenfurt an. Zugdurchsage (mit deutlich hämischen Unterton – die Zwockel verlassen nämlich in Stuttgart den Zug): „wegen Bauarbeiten im Bereich der ÖBB!! – (er spricht tatsächlich fettgedruckt mit Ausrufezeichen) haben wir jetzt eine Verspätung von 31 Minuten. Wegen eines technischen Defekts können übrigens die Reservierungsanzeigen nicht angezeigt werden (und schon geht die Klopperei um die raren Plätze los). Wegen eines weiteren technischen Defekts muss unser Bord-Bistro leider geschlossen bleiben“. Die Aufzählung, was funktioniert, wäre möglicherweise kürzer gewesen, aber ich will ja nicht lästern. Außerdem bekommen wir als besonderen Service die Fußballergebnisse durchgesagt – man kann nicht sagen, dass man sich keine Mühe gibt. Und als dann später noch ein junger Mann Heißgetränke anbot und mit den Worten „Der schlechteste und teuerste Kaffee Deutschlands!“, da war ich dann schon wieder versöhnt. Mir tun die Leute, die dort arbeiten wirklich leid. Wegen der Verspätungen haben die ja auch nicht gerade geregelte Arbeiten und müssen sich dann auch noch von Passagieren manchmal aufs übelste anpöbeln lassen – unter diesen Bedingungen nicht den Galgenhumor zu verlieren: Chapeau!

Dienstag, 22. Juni 2010

Liebe Deutsche Bahn,

wir beide wissen, dass ich im Laufe der Jahre, die wir gemeinsam miteinander verbringen durften, einige Geschichten gesammelt habe, die wir lieber unter dem Mäntelchen des Schweigens verhüllt lassen wollen. Aber was du dir heute morgen geleistet hast, das verschlägt mir dann doch den Atem. Aber eins nach dem anderen:

Ich stehe auf dem Bahngleis um meine tägliche Reise von Mainz nach Stuttgart anzutreten. 5.36 h, der ICE rollt ein. Noch kein Grund für La-O-La, der Zug kommt aus Wiesbaden, muss also nur von der ebsch' Seit' auf die Richtige, das kann man pünktlich hinkriegen. Zumindest im Sommer (wobei....naja, tiefgefrorene Oberleitungen hat's ja derzeit noch nicht). Ich besteige den ICE, er rollt los. Als ich nochmal kurz die Augen öffne, um den Anblick des Rheins, auf dem sich die aufgehende Sonne spiegelt, zu genießen, bin ich mit einem Schlag wach. Wo fährt der hin? Wieso sind wir auf der Rheinbrücke?? Wir bleiben doch linksrheinisch bis Ludwigshafen??? Ich bin wohl nicht die einzige, die sich die Frage stellt. Wir bleiben stehen. Stehen. Hektisches hin- und herlaufen. Lautsprecherdurchsage: „räusperräusper – hier spricht der Zugchef – öhm – wir haben gerade einen außerplanmäßigen Halt – öhm – wie Sie vielleicht festgestellt haben, äh, weicht unsere heutige Route – öhm – also, das war so – öhm, ja – der Fahrdienstleiter – öhm – muss wohl die Weiche irgendwie....also, wir wissen jetzt auch nicht so genau....“

Sprach's und versank in Meditation.

Fünf Minuten später: „Also, wir fahren jetzt erstmal weiter, nächster Halt ist dann Mannheim, wir entschuldigen uns bei den Leuten, die eigentlich nach Worm wollten“. Punkt. Ist mir egal, wer will schon nach Worms, Hauptsache es geht weiter. Ein paar Minuten später eine euphorische Durchsage „wir haben jetzt die Lösung, wir fahren bis Biblis und da biegen wir dann rechts ab und fahren dann doch nach Worms!“. Wir haben die das hingekriegt? Vor meinem geistigen Auge ein Comic, in dem man einen gestrandeten ICE mitten in der Wüste bzw. im hessischen Ried (ist fast das gleiche) sieht, ein Zugbegleiter steht davor und fragt einen Eingeborenen, wo es bitte nach Worms geht? - „Ei, da nemme se die next rechts un dann als gradeaus, ibber die Brigg', könne se garnit verfehle!“ oder so.

Nunja, irgendwann sind wir dann tatsächlich in Stuttgart angekommen, den Zusteigenden wurde zwischendurch etwas von einer „Umleitung“ vorgelogen – wir Kundigen haben nur wissend gelächelt – und ich habe mir vorgestellt, wo ich wohl landen würde, wenn ich mal eine wirklich lange Reise mit der Deutschen Bahn riskierte. In China? Ein Versuch wär's wert.

Wird fortgesetzt...

Freitag, 4. Juni 2010

Wieder in Shanghai

Der Post ist etwas länger geworden; für einen Kürzeren fehlte mir die Zeit:

Der Abschied von den Bergen ist mir wie eigentlich immer ziemlich schwer gefallen, die Beziehung zu Guan und seiner Frau ist enger gewachsen, und als mich die Beiden entgegen chinesischer Gepflogenheit herzlich in den Arm nehmen muss ich doch schwer schlucken.

Der Fahrer bringt mich nach Liuliping, das mittlerweile stolzer Träger des Titels „Wudang Shan Bahnhof“ ist. Was Laoyin angestellt hat, um diese Ehre aberkannt zu bekommen, weiß ich nicht, ich finde beide Orte vergleichbar gruselig, daran sollte es eigentlich nicht liegen. Der Bahnhof von Liuliping ist vielleicht nicht ganz so verdreckt, das Gebäude in einer staubigen Seitenstraße allerdings auch nicht gerade eine Visitenkarte, die man gerne haben möchte. Ich habe noch über eine Stunde Wartezeit bis mein Zug kommt und bin bis dahin Gegenstand größten Interesses der hiesigen zahlreich versammelten Landbevölkerung. Ich packe meinen E-Book-Reader aus und setze den mp3-Player, der nun 3 Wochen Pause hatte, auf die Ohren. Der Reader weckt unverhohlene Neugier, ein Mann der mit der Rücken zu mir sitzt, dreht sich um, um das Gerät und die unverständlichen exotischen Schriftzeichen, die auf dem Display zu erkennen sind, ganz genau zu betrachten. Das geht mir zwar etwas auf die Nerven, allerdings gelingt es mir, irgendwann völlig in die Welt meines Krimis abzutauchen und bin am Ende ganz froh über die Aufdringlichkeit des Herren, der mich anstubbst, als mein Zug angekündigt wird „Lailailai!“ - Danke, habe ich wirklich nicht mitgekriegt. Nun stehe ich vor der Treppe, schicksalsergebener Augenaufschlag, das reißt mir der junge Mann die schwere Reisetasche aus der Hand, bevor ich es verhindern kann und schleppt sie nach oben. Auf dem Bahngleis steht ein Bediensteter – auch der lässt es sich nicht nehmen, sich meines Gepäcks zu bemächtigen und lässt mich nicht aus den Augen, bevor er sich vergewissert hat, dass ich tatsächlich in meinem Abteil gelandet bin.
Ich bin auf meinen Reisen durch China nie anders als freundlich und zuvorkommend behandelt worden (natürlich: Deppen gibt es auf der ganzen Welt), aber was ich dieses Mal erlebt habe, geht weit darüber hinaus. Ich kann mir gut vorstellen, dass man – nach Beijing während der Olympiade – nun die Shanghaier anlässlich der Expo dazu getrimmt hat, die Ausländer nett und freundlich zu behandeln und dafür zu sorgen, dass sie nicht verloren gehen – aber hier, hinter den Bergen bei den sieben Zwergen? Erstaunlich...

In meinem Abteil schlummert bereits ein junger Mann im oberen Bett. Ich wecke ihn ohne schlechtes Gewissen auf, wohl wissend, dass er den hiesigen Gepflogenheiten entsprechend sofort wieder in Tiefschlaf fallen wird. Das Licht ist noch an und der Schalter befindet sich dort, wo der junge Mann liegt. Er reibt sich kurz die Augen, orientiert sich, ich werde fokussiert, er äußert etwas unverständliches, aus dem ich die Worte „more“ und „enemy“ heraushöre. Ich versichere ihm, dass ich derzeit die einzige Feindin bin und wir deshalb getrost das Licht löschen können. Und das tut er dann auch, so dass einer ruhigen Nacht nichts im Wege steht. Als der Zug gegen 5 h in Wuhan einläuft, muss ich wieder einmal ungläubig nachfragen, ob wir tatsächlich angekommen sind – obwohl ich den Bahnhof mittlerweile ja kenne. Wenn ich mit der Deutschen Bahn unterwegs bin, macht sich spätestens 20 Minuten vor Erreichen der nächsten Haltestelle allgemeine Hektik breit und alles stellt sich schonmal in froher Erwartung in die Gänge. Das ist hier nicht ganz so. Wuhan ist die Endstation und nun wird erstmal gemütlich ein Teechen getrunken (es ist ja noch früh am Tag), die Schluffen wieder angelegt, in aller Ruhe das Geraffel zusammen gesucht, bevor man ganz gemächlich den Zug verlässt. Für diesen meditativen Akt habe ich aber gar keinen Sinn, ich muss meinen Flieger nach Shanghai bekommen also stürme ich durch den Gang zum Ausgang. Verständnisloses Kopfschütteln begleitet mich. Diese Ausländer immer mit ihrer Eile.

Verbissen laufe ich durch das Spalier der Fahrer, die lautstark eine Fahrt mit ihrem Privat-PKW feilbieten. Einer bietet mir und meinem Gepäck sogar eine Fahrt auf seinem Motorroller an. Er würde das fertigbringen, da bin ich ganz sicher. Aber dieses Mal lasse ich mich nicht abschleppen, diesmal nicht! Ich erreiche schließlich ein offizielles Taxi, lasse mich erleichtert fallen und nenne mein Ziel. Und als erstes schaltet der Mann das Taxameter aus. Also wieder über den Fahrpreis verhandeln. Wuhan, meine Nemesis.

Wenige Stunden später komme ich in Shanghai an, fahre geschmeidig mit dem Flughafenbus in die Stadt und bin bestens präpariert, dem Taxifahrer anschließend nicht nur die Adresse von Bats Wohnung mitzuteilen, sondern habe auch die Querstraßen parat, das Wort Kreuzung habe ich heraus gesucht und kann deshalb die entsprechende Nachfrage sofort verstehen und und auch beantworten. Als würde ich täglich nichts anderes tun. Selbst das widerborstige Schloss der Eingangstür mache ich mir gegen erbitterten Widerstand untertan, und das ohne den Schlüssel abzubrechen. Nun habe ich mir erstmal einen Kaffee verdient. Dann wird erstmal Bat informiert, dass ich ihre Wohnung erfolgreich besetzt habe, wir machen einen Treffpunkt in der Stadt aus und ich gehe jetzt erst einmal auf die Jagd nach all' den Dingen, die ich bei meiner Ankunft noch nicht abschleppen konnte.



Auf dem Weg ins Ort schaue ich mich in der U-Bahn etwas um. Der Anteil der Menschen, die weder schlafen noch an ihrem Handy herumfummeln, dürfte im Promillebereich liegen. Mindestens jeder Zweite starrt fasziniert auf sein Display und drückt irgendwelche Knöpfe. Lustiger Anblick.

In Kenntnis meiner kleinen Schwächen bewege ich mich auf eher unproblematischen Pfaden. Glaube ich zumindest. Ich möchte zum Foreign Book Store, eine vernünftige Stadtkarte erwerben und mal schauen, ob ich dort vielleicht noch die eine oder andere Kleinigkeit finde. Oh, Freunde, der Weg dahin ist steinig und mit Verführungen gespickt! Und so finde ich mich plötzlich, ohne dass ich es verhindern kann, in einem Nippes-Laden wieder, in dem wirklich aller Müll der Welt versammelt ist. Das tückische ist, dass es sich um pseudo-sinnvolle Produkte handelt, bei deren Erwerb man sein schlechtes Gewissen sehr schnell zum Schweigen gebracht hat, weil die Dinge ja sooo praktisch sind und eine bezaubernde quietschbunte Gummihülle für meine Firmen-Transponderkarte hat mir wirklich noch gefehlt. Ganz, ganz ehrlich. Erschöpft falle ich mit einer Tüte voll „Nothings“ aus dem Laden und stolpere in den Nächsten. Buchladen, hat wohl so etwas wie Ausverkauf, auf einem riesigen Wühltisch entdecke ich ein paar Kinderbücher mit Kungfu-Geschichten, mit Pinyin-Unterschriften – ganz mein Sprachniveau. Die werden gewogen und ich zahle für 450 g Bücher 11 Yuan. Mal was anderes.

Als ich leicht ermattet doch irgendwann im Foreign Bookstore lande, hole ich erstmal tief Luft. Ich stärke meine Widerstandskraft, weil ich genau weiß, dass mir irgendjemand ganz bestimmt wieder ein superintelligentes Computerprogramm zum Chinesisch-Lernen verscheuern will, „Perfect Chinese in one week“. Ich erinnere mich vor wenigen Jahren im Kaufrausch auf dem Flughafen ein solches Paket erworben zu haben; wir waren eine Gruppe von Leuten und nachdem der Damm erstmal gebrochen war, glaubten wir alle, ohne dieses Produkt nicht mehr leben zu können. Nach ein paar Wochen sprach mich eine Freundin an: „und, schonmal ausprobiert das Programm?“. Naja, im Gegensatz zu ihr hatte ich es wenigstens mal installiert. Aber mehr auch nicht. Bis heute.
Ich nehme ein Buch aus dem Regal, in dem gängige Floskeln und Redewendungen, über die ich schon mehrfach gestolpert bin, hervorragend aufgelistet sind. Das gefällt mir. Kostet auch nur 31 Yuan. Direkt steht eine Verkäuferin neben mir, betrachtet meine Wahl kritisch. Ob ich denn schon etwas Chinesisch könne. Ja, ich kann etwas Chinesisch. Glaubt sie mir nicht. Schnappt sich ein anderes – natürlich wesentlich teureres – und preist es mir an. Ich blättere. Nein, gefällt mir nicht. Ich will das Floskelbuch. So einfach geht das aber nicht. Erst muss ich mich des Kaufs als würdig erweisen. Also werde ich nun geprüft. Die Dame lässt mich tatsächlich Teile eines Texts vorlesen um nachzuweisen, dass ich noch nicht reif für die Fortgeschrittenen-Lektüre bin. Selbstbewusst lese ich die Zeichen, die ich kenne, laut vor und nuschele über die, von deren Bedeutung und Aussprache ich nur eine ungefähre Vorstellung habe, drüber. Klappt im Chinesisch-Unterricht auch ganz gut. Die Verkäuferin ist überrascht, hat sie mir offensichtlich nicht zugetraut. Ich darf das Buch erwerben. Aber auf dem Weg zur Kasse reißt sie mich doch nochmal zu den Computerprogrammen und zeigt mir ein nagelneues Lernprogramm. Ich kämpfe. Und gewinne. Und verlasse den Laden mit einem einzigen Buch. Ich bin so stolz.

Mittlerweile hat auch Bat Feierabend und wir treffen uns im Starbucks, wo ich meine Kaffee-Mangelerscheinungen, die sich in den letzten Wochen eingestellt haben, therapieren kann. Bat will mir noch ein paar Einkaufsstraßen zeigen, die ich noch nicht kenne. Wir landen in einer Gasse, die wirklich das neue Shanghai in all seiner Pracht zeigt: kreischbunt beleuchtete Häuserfluchten, in gigantischen Schriftzeichen sämtliche Nobelmarken der ganzen Welt – hier ist wirklich alles versammelt. In einem der Nobelkaufhäuser befindet sich ein Hello-Kitty-Laden. Ein echter, also keine Nachbauten. Ich muss gleich zweimal nach Luft schnappen: bei Eintritt in die rosaüberflutete Wunderwelt und dann als ich mir die Preise anschaue. „Denen brennt doch der Kittel!“ entfährt es mir. Ich beschränke mich darauf, den unfassbaren Kitsch genauestens zu betrachten und leiste mir am Ende nur ein paar Aufkleber, so zur Erinnerung. Damit werde ich meinen Fächer und vielleicht auch mein Schwert kittyfeien, damit jeder gleich sieht, dass es meins ist.



Anschließend macht mich Bat auf einen Laden mit dem vielversprechenden Namen „Cyber World“ aufmerksam. Ich lehne tapfer ab, ich habe wirklich alles. Und noch viel mehr. Wie eine Sirene lockt sie, mein Widerstand erlahmt und wir betreten das Wunderland. Ich blicke mäßig interessiert auf die neuesten Spielzeuge, iPads und sonstiges Zeug was kein Mensch braucht. Diese Haltung erhalte ich stolze 3 Minuten aufrecht, dann ist Feierabend. Dann fällt mir siedendheiß ein, welches unverzichtbare elektronische Gerät in meiner nicht gerade übersichtlichen Sammlung fehlt. Es gelingt mir, einen jungen Mann für das Objekt meiner Begierde zu interessieren. Mühevoll erkläre ich ihm, dass ich ein Pad suche, auf dem ich per Hand Schriftzeichen eingeben kann, die dann vom Rechner erkannt werden. Nach einigen Anläufen hat er wirklich verstanden, was ich will und nun schreiben wir beide um die Wette. Es nützt mir ja nichts, dass die Zeichen eines Native-Writers identifiziert werden, das Ding muss meine Sauklaue entziffern können. Offensichtlich lernt das Programm, es erkennt immer schneller, kurz gehandelt (meine Lieblingsdisziplin) und für 210 Yuan eingesackt. Naja, nun bin ich doch irgendwie dankbar, dass Bat wohl besser wusste als ich, was gut für mich ist...

Nun haben wir uns eine Verschnaufpause redlich verdient und wir begeben uns in die TaikangLu. Dies ist ein altes Wohnviertel, dass eigentlich abgerissen werden sollte; nun haben sich aber jede Menge Lädchen und Kneipen in diesem Viertel etabliert, eine echte Touristenattraktion, die aber auch von Chinesen gerne angenommen wird. Jedenfalls trifft man hier eine sehr bunte internationale Mischung an, in den Lokalen wird draußen gesessen, gegessen getrunken – sehr europäisch. Könnte China durchaus mehr davon vertragen. Wir essen gemütlich eine Pizza und betrachten das Geschehen. Die kleinen Lädchen faszinieren mich, leider sind viele schon geschlossen, als wir uns endlich zum Aufbruch aufraffen. Egal, war ein wirklich schöner Abend.

Am nächsten Tag will ich mich mit Tori treffen, die seit fast einem Jahr mit ihrer Familie in Shanghai lebt. Bevor ich in die Stadt fahre, stärke ich mich mit einem gefüllten Fladen, ähnlich einem Crepe, allerdings mit einer sehr knusprigen Waffelartigen Einlage, jeder Menge Kräutern und Gewürzen. Dies ist wohl eine örtliche Spezialität von Hongkou und auf dem Weg zur SISU, der Shanghai International Studies University, sind einige dieser Straßenstände. Stärkung ist gut, Treffen mit Tori funktionieren im ersten Anlauf nicht immer völlig reibungsfrei. Diesmal geht’s, nur eine halbe Stunde Verspätung, das ist für Shanghai absolut im grünen Bereich. Klugerweise haben wir uns in einem Cafe verabredet, da wird mir die Zeit auch nicht lang. Nach einem herzlichen Willkommen frage ich Tori, ob sie die TaikungLu kennt – nein, ist ihr neu. Da wird sie was zu staunen haben. Wir landen an der Straße, sieht zunächst ganz unscheinbar aus. Man muss erst durch eines der Tore treten, die in das Labyrinth führen um einen Eindruck von dem lebendigen Wirrwarr, das uns erwartet, zu bekommen. Wir versuchen zunächst, die Gassen systematisch abzugehen, was aber nach kurzer Zeit scheitert. Wo es kein System gibt, da wird auch nix systematisch. Und so lassen wir uns einfach hierhin und dahin treiben, erwerben Schätze und Kinkerlitzchen und haben jede Menge Spaß. Nachdem wir ein nettes Lokal mit gemütlicher Dachterrasse gefunden haben, telefoniere ich Bat herbei und wir verspeisen jede Menge indischer Leckereien. So ist das mit den Expats: Chinesisch essen in Shanghai? Ach, wenn's unbedingt sein muss...



Nach dem köstlichen Mahl sind wir bereit für neue Taten: Tori hatte schon ein sehr kleidsames und originelles Oberteil erworben, da stehen wir in einem wahrgewordenen Frauentraum: ein exklusiver Laden mit handgefertigten Schuhen. Sehr unchinesisch schlicht, in gefälligen Farben. Sehen superbequem aus. Klarer Fall von musshaben. Ein Paar aus Wildleder in dezentem beige haben es Bat und mir angetan. Bat gewinnt; es ist ihre Schuhgröße. Beseelt lässt sie sich das Paar einpacken; ich tröste mich: in meiner Größe sind Schuhe nicht so schwierig zu bekommen, da hat Bat mit Größe 40 doch ganz andere Probleme. Tori winkt ab. Größe 42. Arme Socke.
Nun haben wir eigentlich alles eingekauft, sämtliche gefühlten Mängel behoben, da stolpern wir in einen Tücherladen – sehr schöne Stücke aus Seide und Kaschmir...toll. Die beiden Damen werden heftig umworben und mit Tüchern drapiert, damit sie sehen, wie schön die Stoffe fallen. Ich falle in meinem geliebten AC/DC-T-Shirt nicht ganz in das Beute-Schema der Verkäuferinnen. Ist auch gut so. Dabei habe ich auf einmal meine Leidenschaft für einen ganz besonderen, sehr raffiniert gemusterten Schal entdeckt. Es gelingt mir dennoch, den Laden ohne zu verlassen. Dann geht es natürlich los: Soll ich oder soll ich nicht – die beiden Freundinnen reden mir gut zu: wer weiß, ob der Schal noch da ist, wenn du wieder kommst, wenn du den jetzt nicht kaufst, wirst du dich ewig drüber ärgern. Wer bin ich, so guten Rat in Frage zu stellen, also umgedreht und der etwas erstaunten, aber dann breit grinsenden Verkäuferin den Schal abgenommen. So, jetzt ist aber Schluss.

Nun haben wir die richtige Schwere für den Absacker, wir lassen uns in einer sehr netten Kneipe mit dem hübschen Namen „Commune“ nieder, dort gibt es so etwas wie einen Biergarten und wir feiern unseren erfolgreichen Einkauf mit einem kühlen Schluck. Das Leben ist schön. Und wir sind uns einig, dass es wirklich soooo einfach ist, Frauen glücklich zu machen. Wir können uns gar nicht erklären, was manche Männer immer haben.
Als wir viel später zahlen, stellt sich heraus, dass die Bedienung, über die wir – in der Gewissheit, dass uns ja eh keiner versteht – ein klein wenig gelästert hatten, aus Deutschland stammt. Ebenso unsere direkte Nachbarschaft, die wir mit unseren manchmal etwas lockeren Sprüchen unterhalten haben. Wahrscheinlich hat uns fast jeder verstanden. Das könnte uns jetzt mit Fug und Recht peinlich sein. Aber egal: es war ein geiler Abend!




Etwas wehmütig machen wir uns auf den Heimweg, nun werden wir uns monatelang nicht mehr sehen, aber wir planen schon wieder: im Oktober wird das Städtchen aufgerollt!
Bei Bat beschließen wir den Abend mit einem Gläschen Wein, im Hintergrund läuft das Web-Radio, HR3 meldet einen Stau auf der A66 Richtung Wiesbaden-Schierstein. Ein schöner Start ins Wochenende wird gewünscht. Hier ist es 2.00 h morgens. Bizarr. Als ich mich drei Stunden später aus dem Bett schäle und mich von Bat verabschieden will, murmelt sie etwas von „wir sehen uns doch nachher im Büro“. Ich antworte mit „klar, bis später dann“ und verlasse beklommen die Wohnung.

Aber bald bin ich ja wieder da. Wer braucht schon einen Koffer in Berlin? Ich habe einen Schlüssel zu ner Wohnung in Shanghai!