Mittwoch, 25. August 2010

S21? - K21! - Nachschlägle

Ich hatte ja schon von den schönen geschmackssicheren Plakataktionen der Bahn berichtet, mit denen die Bahn um Verständnis barmt für ihr lustiges kleines Projekt.
Als Vorlage für noch viel lustigere Photoshopmontagen dienen die Dinger natürlich schon (s. unten) - aber auch hier: "s' iss net jedem gegäbe". Aber mitmachen wollen halt auch viele (und täglich mehr - heute war wieder die Hölle los am Stuttgarter Hauptbahnhof - der Abriss des Nordflügels steht unmittelbar bevor - die schwäbische Volksseele kocht!)und so hält doch der eine oder andere beim Sprint von einem Bahnsteig zum anderen kurz inne, verweilt, zückt den Edding und los geht's:



Eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Die Reaktion der Bahn allerdings schon: mit Blick für die wesentlichen Dinge im Leben beseitigte man diese Verzierung des Plakats binnen weniger Stunden. Morgens habe ich das Bild gemacht, abends war schon neu plakatiert! Wenn man nur halb so viel Energie zur Behebung anderer kleiner Mängelchen wie z.B. an den Klimaanlagen und Triebwerken (klar, wer braucht schon so was?) aufwendete - die Deutsche Bahn wäre eine andere! Und genau das ist das Problem...

Samstag, 21. August 2010

S21? - K21!

Als ich vor ein paar Jahren meinen Dienst in Stuttgart antrat, munkelten leise Stimmen von einem - im wahrsten Sinne des Wortes - "Wahnsinnsprojekt", das sich Stuttgart 21 nennt. Dahinter verbirgt sich der irrsinnige Plan, einen funktionierenden Kopfbahnhof mit einer ausreichenden Menge an Bahngleisen unter die Erde zu wurschteln, die Anzahl der Gleise auf etwa die Hälfte zu reduzieren, und das soll dann ganz toll und modern sein und irgendwie so klasse funktionieren, dass sich Fahrzeit von der Metropole Stuttgart in die Weltstadt Ulm (schon mal gehört? Das ist die Stadt "in Ulm, um Ulm und um Ulm herum", genau - kennt doch jeder!)um 20 Minuten reduziert. Ja, und für wohlfeile 4,1 Milliarden Euronen bei einer Bauzeit von schlappen 20 Jährchen soll - wenn alles gut geht - die Sache dann über die Bühne gehen und alle sind glücklich. Hatte man sich so gedacht.

Lange Zeit habe ich nix von der Geschichte gehört und dachte schon, man habe - so wie Städte wie Frankfurt, Leipzig oder Hamburg - diesen Plan nach ein wenig Nachdenken wieder in die Tonne getreten. Weit gefehlt: im Verborgenen wurde weiter in einer Art und Weise, die mich doch schwer an die heimische Handkäs'-Mafia erinnert, die geplante Umsetzung durchgedrückt.

Die Einzelheiten des Für und Wieder zu erörtern und zu erklären, was hier so im Einzelnen abgegangen ist, würde eindeutig den Rahmen sprengen; hier verweise ich an andere Stelle. Welche Meinung zu dem Thema ich persönlich habe, kann man mit ein wenig Talent zwischen den Zeilen lesen.

Was mich aber wirklich ganz gewaltig stört, ist der Umgang mit uns, die wir die Suppe ausbaden müssen (oder auslöffeln, je nach Gusto...)

Und so muss ich mich jeden Tag in den Schächten im Untergrund mit den Überzeugungs-Plakaten rumärgern, mit den die Bahn versucht zu erklären, wie toll die Zukunft für uns alle, die wir auf die Züge angewiesen sind, wird. Ich fühle mich...nunja...ein wenig auf den Arm genommen.

Nun stelle ich mit bassem Erstaunen fest, dass auch den von mir manchmal (natürlich völlig zu unrecht) als etwas träge wahrgenommenen Schwaben der Kragen platzt - aber wie! Da werden Schweigemärsche organisiert, regelmäßig finden Flashmobs statt und die Plakate der Bahn werden sehr virtuos variiert:




So lass' ich mir das gefallen! Jede Woche sammeln sich immerhin 20.000 Leute um gegen den Irrsinn zu demonstrieren (erinnert mich an meine Jugend - ich sage nur: Startbahn West! Achja....). Nun ist es nicht jedem gegeben, sich auf die Gass' zu stellen, um seinem Unmut Luft zu machen. Aber es gibt ja noch andere Methoden und die sind nicht weniger effektiv. Und so sind auch die Damen aus meinem Lieblingslädle wieder mal schwer aktiv. Neu im Angebot:




Das gefällt mir: Häkeln gegen den Wahnsinn - Weitermachen, Ladies - ich bin stolz auf Euch!

Samstag, 14. August 2010

Mein Revier

Jeden Freitag lernt die Deutsche Bahn, dass an diesem Wochentag wirklich ganz schön viele Leute unterwegs sind. Nicht nur die Wochenendpendler und Angehörige von Y-Tours, sondern auch Ausflügler und Urlauber sind unterwegs. Jaja, dochdoch, glaubt's einer erfahrenen Fernpendlerin! Die Chance, sich freitagsnachmittags bräsig über zwei Sitzplätze ergießen zu können, geht also ins Negative (heißt: wahrscheinlicher ist's die Reise auf dem Boden sitzend zu verbringen). Gut, manchmal - so wie letzte Woche - hat man Glück und spaßige Reisegesellen, die einem Zeit lustig zu vertreiben wissen, manchmal aber auch eher nicht...

Ich ergattere einen Fensterplatz, baue mir mein gemütliches Nest zurecht, es brummt mich an "noch frei?" - ich blicke kurz auf, das Nackenfell sträubt sich leicht: Anzugträger. Die Höflichkeit gebietet es, nun freundlich zu lächeln (das schaffe ich nicht) und "ja" zu sagen, wenn einem keine Ausrede einfällt (geht grad so). Es ist nicht so, dass ich Vorurteile gegen Menschen, die ihre Blöße mit Manageruniform bedecken, hätte. Ganz im Gegenteil. Ergebnis langjähriger Feldforschung! Und so weiß ich auch, dass der Kampf gleich eröffnet wird. Nämlich der Kampf um die Armlehne. Ich war als Erste hier und so falte ich erstmal die Flügel aus um zu demonstrieren, dass der ziemlich kräftige Herr sich überhaupt keine Illusionen zu machen braucht. Die Lehne ist mir und ich werde keinen Zentimeter zurückweichen! Wir fahren los und ich verspüre erste schüchterne Versuche, Terrain gutzumachen. Ich kenne die Strecke sehr gut, nun kommt eine Holperschwelle, ich rutsche mit dem Arm, schubse ihn runter - Huppala, Entschuldigung, Augenaufschlag. Ruhe ist. Dann kommt die Zug-Gazelle. Nächster Akt: Ich versuche, meine Bahnkarte aus der Handtasche am Boden zu fischen, ohne dabei den Arm von der Lehne zu nehmen. Allein dafür lohnt es sich, regelmäßig nach Wudang zu fahren, um solche akrobatischen Akte schwerelos zu bewältigen. Weil, sehen soll der Mann ja nicht, wie verbissen ich mein Revier verteidige. Wäre ja albern, sowas. Und so muss der Vorgang völlig selbstverständlich, locker und zufällig kommen. Das ist die Kunst. Ich erhasche einen Blick auf die Karte meines Gegenspielers: Kurzstrecke! So ein Sonntagsfahrer wagt es, sich mit mir gestählten Kampfpendlerin anzulegen? Fast habe ich Mitleid.

Nach eineinhalb Stunden trennen wir uns, es ist mir gelungen, jeden Versuch, Macht über die Armlehne zu gewinnen, erfolgreich zu vereiteln. Es sind manchmal die ganz kleinen Siege im Leben, die einem tiefe Befriedigung verschaffen. Was bin ich doch für ein kleiner Geist. Aber ein wenig Spaß hat's mir schon gemacht...

Samstag, 7. August 2010

Menschen im Zuch, die 397...

Der Arbeitstag ist überlebt, ich schleppe mich zum Bahnhof, um die lange Reise ins wohlverdiente Wochenende anzutreten. Ich treffe einen früheren Kollegen, habe ihn seit Jahren nicht mehr gesehen und wir tauschen uns lebhaft aus. Nach dem Umsteigen aus dem bequemen ICE in den Waggon der Schweizer Bahn, der uns auf dem Weg von Zürich in Mannheim aufliest, wird es richtig voll. Ich lasse mich neben einem mittelalten Herrn fallen und beweise bei Wahl meines Reisebegleiters für die nächste Stunde wieder einmal ein goldenes Händchen.

Mir gegenüber sitzt eine junge Frau, die sich krampfhaft an einem Buch festhält. Sie versucht zu lesen (oder wenigstens in Ruhe gelassen zu werden), was der Herr neben mir offensichtlich als echte Herausforderung betrachtet. Immer wieder spricht er sie an "na, Karin, ist es spannend, das Buch?" (es handelt sich um einen Reiseführer - ich mutmaße mal: eher nicht). Karin schaut mich mit waidwundem Blick an. Die beiden sind wohl schon länger miteinander unterwegs. Ich stehe nicht im Fokus, packe meinen Reader aus und will auch ein wenig lesen. Dummer Fehler. Nun gehört mir die ganze Aufmerksamkeit des Herrn. Ich erkläre kurz, was ein Reader ist. Hat er noch nie gesehen. Lauthals fragt er in die Runde des Großraumwagens, ob jemand schonmal so etwas gesehen hat. Offenkundig nicht, denn keiner antwortet. Nun ist er beruhigt, weil keine Schande. Er fragt mich, wie weit es nach Mainz ist, ich murmele "nochnehalbeStunde". War wohl nicht laut genug. Er erhebt sich, erklärt den interessierten Fahrgästen dass er aus der Schweiz stammt und nach "Weisbaden" will und ob ihm jemand sagen kann, wie lange man da jetzt noch fährt. Jemand erbarmt sich und erteilt die gewünschte Auskunft. Er setzt sich wieder.

"Na, Karin, nerv' ich dich?". Karin, die sich sicher glaubte, holt Luft "es stört mich, wenn jemand das ganze Abteil unterhält!". Wow, mutig, hätt' ich der Kleinen gar nicht zugetraut.
Nun bin ich aber dran: "sowas wie mich hast du bestimmt noch nicht erlebt!" - "nicht auf diesem Zug" antworte ich wahrheitsgemäß. Mein Kollege, der mir nun schräg gegenüber jenseits des Ganges sitzt, hat sich mittlerweile hinter seinem Notebook versteckt, lauscht aber interessiert, wie ich seinem Grinsen entnehme.

Endlich wird das Geheimnis des etwas auffälligen Verhaltens aufgelöst: "ich will nach Weisbaden, da treff' ich nämlich morgen den Dieter Bohlen, weischt?" Es stellt sich heraus, dass mein Begleiter ein Supertalent ist, und was für eins! Erst mal erzähl' ich natürlich die Geschichte von des Osters Sohn, dem stolzen Papa des letzten Supertalents. Also des Zweibeinigen, natürlich...jedenfalls haben die Beiden jetzt ausgesorgt, fressen nur noch aus goldenen Näpfen, leben in einem Schloss, den ganzen Tag nur noch Müßiggang und lecker' Häppchen. Große Augen. "Echt?" - Klar. Können diese Augen lügen?

Jetzt will ich aber wissen, was mein neuer Freund so auf der Pfanne hat, um sich um einen Platz der Ehre, des Ruhms und sorgenfreien Lebens zu bewerben. Jetzt erzählt René, der Mann mit den vielen Talenten: er wird die Welt erfreuen mit einer Performance "Skiballett ohne Schnee" (ich hatte mich schon über die Ausrüstung gewundert. Skier. Im August), Tennis Racket jonglieren - und: High Speed jodeling "Mensch gegen Kampfjet" - und davon kriegen wir alle erstmal eine Kostprobe. Beeindruckend. Darüber will ich natürlich mehr wissen. Also: mit der Nummer ist er schonmal 2006 angetreten, damals ging das so: Dabei wird ein Kampfjet Sukhoi SU-27 Flanker eingeflogen, der gegen das Jodeln von René antritt. Die Wette besteht darin, ob René mehr Jodelanschläge schafft, als der Kampfjet Anzahl Meter zurücklegt bis er abhebt. Ziel ist der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Bereits 2003 wurde ein Versuch gegen einen Hawker Hunter unternimmen, wo er 600 Anschläge in 25 Sekunden schaffte. Bei einem weiteren Versuch im 2004 gegen ein Kampfjet Rafale erreichte er sogar 800 Anschläge in 23 Sekunden.

Tolle Ideen haben die Leute, da gibt's mal nix. Käm' ich nie drauf.

Mittlerweile hat sich auch mein Kollege in das Gespräch eingeklinkt, wir haben viel Spaß miteinander und als sich herausstellt, dass auch "der Ralf" nach "Weisbaden" weiterfährt und "den René" unter seine Fittiche nimmt, damit er nicht verloren geht, auf dem weiten Weg "zum Dieter", ist dieser selig. Ich lass' es mir nicht nehmen, noch ein Abschiedsfoto schießen zu erlassen. Für wenn er dann reich und berühmt wird. Und wenn nicht, als Erinnerung an eine lustige Zugfahrt.

Freitag, 6. August 2010

Die Sensation zum Freitag

Heute morgen erfreute mich das heimische Käseblatt mit einer Notiz aus dem fernen Münster: dort meldete die "Münstersche Zeitung" der fassungslosen Lesegemeinde die Nachricht von einem unglaublichen Terrorakt: "Großer Blumenkübel zerstört"!

Als Insassin einer Landeshauptstadt ist man natürlich versucht, diese Vorkommnisse, die ein Kleinstädterherz zum Pochen bringt, möglicherweise nicht ganz mit dem angebrachten Ernst zu betrachten. Da ging es wohl einigen Leuten ähnlich, jedenfalls stürzte sich die Netzgemeinde mit Begeisterung auf diese Geschichte. Und so wurde via Twitter allerhand an Informationen hinzugetragen, deren Wahrheitsgehalt von eher zweifelhafter Qualität sein dürfte. Behaupte ich mal so. Möglicherweise stimmt es aber auch, wenn da geschrieben wird "Bild spricht mit dem Schwager der Nichte. 'Er war schon immer labil'!" "Laut Greenpeace sind mehr Blumenkübel betroffen, als zunächst befürchtet" und gar die alte Tante ZDF fühlte sich bemüßigt, sich zu äußern "Vermutlich müssen wir heute um 19.20 h ein ZDFspezial für den Blumenkübel einschieben".

Und auch das Ausland fragt sich schon "What's a Blumenkuebel?"

Wir werden es weiterverfolgen. Und ich bin schon gespannt auf die nächste Woche, wo es dann vielleicht heißt: "China meldet den Umsturz eines Reissacks"!