Freitag, 31. Dezember 2010

Liebe Deutsche Bahn!

Der letzte Tag 2010 ist angebrochen; der richtige Moment, mich bei dir für ein abwechslungsreiches Jahr, das selten langweilig zu werden drohte, zu bedanken. Besonders für die gestrige furiose Abschiedsvorstellung auch von meiner Seite (ich nehme an, auch Andere werden sich hierzu noch dankend äußern) noch ein doppeltes "Daumen hoch" und "Weiter so!".

Nachdem ich mich überzeugt hatte, klugerweise einen Zug zu nehmen, der erst in Stuttgart bereitgestellt wird und dessen Verspätungsrisiko von daher eher überschaubar ist (zumindest können Klassiker wie "verspätete Übergabe aus dem Ausland" ausgeschlossen werden), bin ich bester Dinge und erwartungsfroh zum Bahnhof gereist. In den letzten Tagen wurde immer ein lustiges Bahnsteigroulette gespielt, weil man sich gerne mal umentschied, von wo aus man die Bähnchen denn laufen lassen wollte. Fand nicht jeder lustig, auch das verzweifelte Personal auf den Gleisen nicht, das auf Fragen wie "von wo fährt der Zug denn jetzt ab?" zunehmend hysterisch reagierte mit klaren Aussagen wie "woher soll ich das denn wissen, ich renne hier auch nur hin und her?". Ja, geteiltes Leid ist halbes Leid und es ist ja schon ein gutes Gefühl, dass wir alle - Möchtegernreisende und Personal - in einem Boot sitzen.

Heute aber: der Zug wird angezeigt, und zwar übereinstimmend nach Fahrplan, Fahrgastauskunft, vulgo "Bahnorakel", und Anzeigetafel. Das hätte mich eigentlich misstrauisch machen müssen. Ich stehe auf dem Bahnsteig, warte auf die Bereitstellung. Fupp! - ein völlig anderer Zug steht an! Raunen in der Menge, die Bahnbedienstete duckt sich. Fünf Minuten später die Ansage: die Bereitstellung meines Zuges verspätet sich um voraussichtlich 5 Minuten. Da stehen an der Anzeige aber schon 10 Minuten an...ich gehe kurz in mich, denn 10 Minuten sind hier zulande ein dehnbarer Begriff und bestehen nicht immer aus 600 Sekunden. Beherzt entere ich den unerwartet aufgetauchten Zug; ein leicht verspäteter (45 Minuten) ICE nach Irgendwo, egal, in Mannheim werde ich schon irgendwie weiterkommen. Im Zug sitze ich wenigstens warm und trocken und habe genug Zeit, den Faltplan ausgiebig zu studieren und festzustellen, dass ich in Mannheim nicht wirklich weiterkomme, denn Regionalbahn ist nur etwas für Leute, die deutlich härter (und geduldiger) als ich sind. Mein ursprünglich eingeplanter Zug ist mittlerweile 40 Minuten verspätet, was der Gute solange getrieben hat auf dem Weg vom Abstellgleis zur Bereitstellung - ich werde es nie erfahren.

In Mannheim steht noch ein geduldig wartender ICE rum, der mich zumindest zum Frankfurter Fernbahnhof bringen könnte, aber da, wenigstens von dort, sollte ich irgendwie heim in die Zivilisation kommen! Unnötig zu erwähnen, dass ich eine Verabredung mit meinen Freundinnen habe, um das Jahr in einer gemütlichen Kneipe ausklingen zu lassen. Ihr Trost (wenn man das so nennen mag) hatte mich bereits im Vorfeld ereilt, wir wissen ja alle, worauf stets Verlass ist...auf mein unpünktliches Erscheinen auf jeden Fall.

Der nächste Fahrtabschnitt fällt in die Kategorie "Viehtransport", aber es gelingt mir immerhin, mich vorsichtig zu Boden sinken zu lassen, auch wenn der Winkel meiner Knie bedenklich spitz und die Sitzposition alles andere als bequem ist. Aber so kann ich mich wenigstens einfach wieder hochschieben, wenn tatsächlich irgendein Wahnsinniger vorbei möchte. Ich sitze in einer Reihe lustiger junger Leute: zwei Physiotherapeutinnen auf dem Weg zu einer Fortbildung und ein Herr mit deutlich niederländischen Akzent, der sich als angehender Mediziner outet. Nach kurzer Zeit ist eine lebhafte Diskussion im Gange: die beiden Damen treten sehr beherzt für alternative Behandlungsmethoden ein, und was ich hier und jetzt über Reiki, Meridiane, Akupunktur und allgemein über TCM lerne, wird Meister Guan sicher sehr verblüffen, wenn ich ihm im Mai über meine neuen Erkenntnisse berichte. Ich sitze nur dabei und lausche; statt mitzudiskutieren finde ich es erheblich spannender, dem Mediziner zuzuhören, wie er die schulmedizinischen Standpunkte zu Irisdiagnose und Kinesiologie ziemlich klar und deutlich vertritt. Keine Frage, die drei haben sich einiges zu sagen und werden wohl bis Amsterdam viel Spaß miteinander haben.

Rechts neben mir am Boden kämpft eine junge Mutter mit ihrem Jungen, schon ganz heiser vom lautstarkten Bemühen, den Kleinen zu "Mali Mali" zu bewegen. Nein, der kleine Brooklyn - ein Name, der in den nächsten 30 Minuten gefühlte 100 Mal fallen wird - hat offensichtlich keinen Bock, auf irgendwelchen Zetteln rumzuschmieren sondern hat mehr so "Tobi Tobi" und "Nervi Nervi" im Sinn. Zwischendurch klingelt ihr Handy, die Omi des Jungen am anderen Ende. Mutti erklärt der Dame deutlich genervt, wann sie voraussichtlich ihre Brut in Düsseldorf glücklich in die Arme schließen darf "und dann bring' ich dir deinen missratenen Enkel!" Klingt nach einer Drohung und die feine Ironie, die in ihrer Aussage liegt, entgeht der Dame offenkundig völlig.

Im großen und ganzen mit ich mit meiner Umgebung nicht völlig unglücklich, die halbe Stunde ist schließlich schnell überstanden, da fällt mein Blick auf einen Mitreisenden, der mir auch morgens in Mainz stets begegnet. Schon beim Einsteigen ist mir eine Frau aufgefallen, deren gepflegtes Äußeres nicht völlig im Einklang mit ihrem atemberaubenden Verhalten steht. Seit sie den Zug betreten hat, pöbelt sie auf das Unflätigste herum und lässt ihre Umwelt teil an ihren Plänen haben, wen sie alles "in die Fresse hauen" will. Ihr geduldiger Mitreisender ist das wohl schon gewohnt, jedenfalls lächelt er nur fein. Wahrscheinlich steht er unter Drogen. Ich hatte ein paar Mal Blickkontakt mit der Frau und ich glaube, stünde ich etwas näher, würde mir mein gelegentlich etwas vorwitziges Mundwerk die schönste Schlampen-Prügelei einbringen. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, schließlich wäre ja heute Trainingstag und ich war eh etwas faul in letzter Zeit.

Nun, mein Pendlerkollege steht neben ihr und leidet geduldig aber gewaltfrei. Bewundernswert. Jede lustige Reise geht einmal dem Ende zu und so platzen wir schließlich gemeinsam auf den Bahnsteig des Frankfurter Flughafens. Mittlerweile habe ich mit dem Kollegen Kontakt aufgenommen; der ist in Besitz eines wertvollen Schatzes: ein Fahrplan! Wir hetzen durch das Flughafenlabyrinth, gerade rechtzeitig um noch die S-Bahn nach Mainz zu erreichen. Fast enttäuscht nehmen wir freie Plätze ein und tauschen uns aus, über das letzte große Abenteuer, dass dieses durchorganisierte Land für uns Adrenalin-Junkies bereit hält: Travelling with Deutsche Bahn.

Thank You!

Achja, der Zug, den ich ursprünglich nehmen wollte, kam ziemlich zeitgleich mit der S-Bahn dann am Bahnhof an. Falsche Entscheidung? Nein - wieviel menschliche Nähe habe ich so genießen dürfen!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

...und noch Eine

Nachdem ich dieser Tage eine etwas ältere, alle Jahre wieder per E-Mail verbreitete Geschichte veröffentlicht habe, damit auch die dem üblichen Büro-Netzwerk nicht Angeschlossenen Spaß daran haben, habe ich die eine oder andere "kennst-du-den-schon"-Mails bekommen. Hier also die nächste Winter-Geschichte (mit Dank an den Kollegen, der weiß, dass er gemeint ist):

Ich liebe Schnee ...

8. Dezember 18:00
Es hat angefangen zu schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr. Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am Fenster gesessen und zugesehen wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter schweben. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch - wir fühlten uns wie frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.

9. Dezember
Als wir wach wurden, hatte eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick ! Kann es einen schöneren Platz auf der Welt geben ? Hierher zu ziehen war die beste Idee, die ich je in meinem Leben hatte. Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute Nachmittag kam der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder heraus. Was für ein tolles Leben.

12. Dezember
Die Sonne hat unseren ganzen tollen Schnee geschmolzen. Was für eine Enttäuschung. Mein Nachbar hat gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll, wir werden definitiv eine weiße Weihnacht haben. Kein Schnee zu Weihnachten wäre schrecklich ! Bob sagt, dass wir bis zum Jahresende so viel Schnee haben werden, dass ich nie wieder Schnee sehen will. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Bob ist sehr nett - ich bin froh. dass er unser Nachbar ist.

14. Dezember
Schnee, wundervoller Schnee, 130 cm letzte Nacht. Die Temperatur ist auf -20 Grad gesunken. Die Kälte lässt alles glitzern. Der Wind nahm mir den Atem, aber ich habe mich beim Schaufeln wieder aufgewärmt. Das ist ein Leben ! Der Schneepflug kam heute Nachmittag wieder zurück und hat wieder alles zugeschoben. Mir war nicht klar, dass ich soviel würde schaufeln müssen, aber so komme ich wieder in Form. Wünschte, ich würde nicht so Pusten und Schnaufen.

15. Dezember
60 cm Vorhersage. Habe meinen Kombi verkauft und einen Jeep gekauft. Und Winterreifen für das Auto meiner Frau und zwei Extraschaufeln. Habe den Kühlschrank aufgefüllt. Meine Frau will einen Holzofen, falls der Strom ausfällt. Das ist lächerlich - schließlich sind wir doch nicht in Alaska.

16. Dezember
Eissturm heute Morgen. Bin in der Einfahrt auf den Arsch gefallen. als ich Salz streuen wollte. Tut höllisch weh. Meine Frau hat eine Stunde gelacht. Das finde ich ziemlich grausam.

17. Dezember
Immer noch weit unter Null. Die Strassen sind zu vereist, um irgendwohin zu kommen. Der Strom war 5 Stunden weg. Musste mich in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Kein Fernseher. Nichts zu tun, als meine Frau anzustarren und zu versuchen, sie zu irritieren. Glaube, wir hätten einen Holzofen kaufen sollen, würde das aber nie zugeben. Ich hasse es, wenn sie Recht hat ! Ich hasse es, in meinem eigenen Wohnzimmer zu erfrieren !

20. Dezember
Der Strom ist wieder da, aber noch mal 40 cm von dem verdammten Zeug letzte Nacht! Noch mehr zu schaufeln. Hat den ganzen Tag gedauert. Der beschissene Schneepflug kam zweimal vorbei. Habe versucht eines der Nachbarskinder zum Schaufeln zu überreden. Aber die sagen, sie hätten keine Zeit, weil sie Hockey spielen müssen. Ich glaube, dass die lügen. Wollte eine Schneefräse im Baumarkt kaufen. Die hatten keine mehr. Kriegen erst im März wieder welche rein. Ich glaube, dass die lügen. Bob sagt, dass ich schaufeln muss oder die Stadt macht es und schickt mir die Rechnung. Ich glaube, dass er lügt.

22. Dezember
Bob hatte recht mit weißer Weihnacht, weil heute Nacht noch mal 30 cm von dem weißen Zeug gefallen sind und es ist so kalt. dass es bis August nicht schmelzen wird. Es hat 45 Minuten gedauert, bis ich fertig angezogen war zum Schaufeln und dann musste ich pinkeln. Als ich mich schließlich ausgezogen, gepinkelt und wieder angezogen hatte, war ich zu müde zum Schaufeln. Habe versucht für den Rest des Winters Bob anzuheuern, der eine Schneefräse an seinem Lastwagen hat, aber er sagt, dass er zu viel zu tun hat. Ich glaube, dass er lügt.

23. Dezember
Nur 10 cm Schnee heute. Und es hat sich auf 0 Grad erwärmt. Meine Frau wollte, dass ich heute das Haus dekoriere. Ist die bekloppt ? Ich habe keine Zeit - ich muss SCHAUFELN !! Warum hat sie es mir nicht schon vor einem .Monat gesagt ? Sie sagt, sie hat, aber ich glaube, dass sie lügt.

24. Dezember
20 Zentimeter. Der Schnee ist vom Schneepflug so fest zusammengeschoben worden, dass ich die Schaufel abgebrochen habe. Dachte, ich kriege einen Herzanfall !. Falls ich jemals den Arsch kriege, der den Schneepflug fährt, ziehe ich ihn an seinen Haaren durch den Schnee, ich weiß genau, dass er sich hinter der Ecke versteckt und wartet, bis ich mit dem Schaufeln fertig bin. Und dann kommt er mit 150 km/h die Straße runtergerast und wirft tonnenweise Schnee auf die Stelle, wo ich gerade war. Heute Nacht wollte meine Frau mit mir Weihnachtslieder singen und Geschenke auspacken, aber ich hatte keine Zeit. Musste nach dem Schneepflug Ausschau halten.

25. Dezember
Frohe Weihnachten. 60 cm mehr von der .....!!! Eingeschneit. Der Gedanke an Schneeschaufeln lässt mein Blut kochen. Gott, ich hasse Schnee ! Dann kam der Schneepflugfahrer vorbei und hat nach einer Spende gefragt. Ich hab ihm meine Schaufel über den Kopf gezogen. Meine Frau sagt, dass ich schlechte Manieren habe. Ich glaube, dass sie eine Idiotin ist.

26. Dezember
Immer noch eingeschneit. Warum um alles in der Welt sind wir hierher gezogen ? Es war alles IHRE Idee. Sie geht mir echt auf die Nerven.

27. Dezember
Die Temperatur ist auf -30 Grad gefallen und die Wasserrohre sind eingefroren.
28. Dezember
Es hat sich auf -5 Grad erwärmt. Immer noch eingeschneit - DIE ALTE MACHT MICH VERRÜCKT !!!
29. Dezember
Nochmal 30 Zentimeter. Bob sagt, dass ich das Dach freischaufeln muss, oder es wird einstürzen. Das ist das Dämlichste was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich eigentlich ?

30. Dezember
Das Dach ist eingestürzt. Der Schneepflugfahrer verklagt mich auf 50.000 Euro Schmerzensgeld. Meine Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 Zentimeter vorhergesagt.

31. Dezember
Habe den Rest vom Haus angesteckt. Nie mehr Schaufeln.
8. Januar
Mir geht es gut. Ich mag die kleinen Pillen, die sie mir dauernd geben. Warum bin ich an das Bett gefesselt ???

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Alle Jahre wieder...(uralt, aber ich liebe es)

1. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass unsere Firmenweihnachtsfeier am 20.12. im Argentina-Steakhouse stattfinden wird. Es wird eine nette Dekoration geben und eine kleine Musikband wird heimelige Weihnachtslieder spielen. Entspannen Sie sich und genießen Sie den Abend.

Freuen Sie sich auf unseren Geschäftsführer, der als Weihnachtsmann verkleidet die Christbaumbeleuchtung einschalten wird! Sie können sich untereinander gern Geschenke machen, wobei kein Geschenk einen Wert von 20 EUR übersteigen sollte.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit.

Tina Bartsch-Levin, Leiterin Personalabteilung


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2. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Auf gar keinen Fall sollte die gestrige Mitteilung unsere türkischen Kollegen isolieren. Es ist uns bewusst, dass ihre Feiertage mit den unsrigen nicht ganz konform gehen: Wir werden unser Zusammentreffen daher ab sofort „Jahresendfeier“ nennen. Es wird weder einen Weihnachtsbaum noch Weihnachtslieder geben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine schöne Zeit.

Tina Bartsch-Levin, Leiterin Personalabteilung


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3. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Ich nehme Bezug auf einen diskreten Hinweis eines Mitglieds der Anonymen Alkoholiker, welcher einen „trockenen“ Tisch einfordert. Ich freue mich, diesem Wunsch entsprechen zu können, weise jedoch darauf hin, dass dann die Anonymität nicht mehr gewährleistet sein wird. Ferner teile ich Ihnen mit, dass der Austausch von Geschenken durch die Intervention des Betriebsrats nicht gestattet sein wird: 20 EUR sei zuviel Geld.

Tina Bartsch-Levin, Leiterin Personalforschung


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7. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Es ist mir gelungen, für alle Mitglieder der „Weight-Watchers“ einen Tisch weit entfernt vom Buffet und für alle Schwangeren einen Tisch ganz nah an den Toiletten reservieren zu können.

Schwule dürfen miteinander sitzen. Lesben müssen nicht mit Schwulen sitzen, sondern haben einen Tisch für sich alleine. Na klar, die Schwulen erhalten ein Blumenarrangement für ihren Tisch.

Endlich zufrieden?

Tina Bartsch-Levin, Leiterin Klappsmühle


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9. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Selbstverständlich werden wir die Nichtraucher vor den Rauchern schützen und einen schweren Vorhang benutzen, der den Festraum trennen kann, bzw. die Raucher vor dem Restaurant in einem Zelt platzieren.

Tina Bartsch-Levin, Leiterin Personalvergewaltigung


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10. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Vegetarier! Auf euch habe ich gewartet! Es ist mir scheißegal, ob’s euch nun passt oder nicht: Wir gehen ins Steakhaus! Ihr könnt ja, wenn ihr wollt, bis auf den Mond fliegen, um am 20.12. möglichst weit entfernt vom "Todesgrill", wie ihr es nennt, sitzen zu können. Labt euch an der Salatbar und fresst rohe Tomaten! Übrigens: Tomaten haben auch Gefühle, sie schreien wenn man sie aufschneidet, ich habe sie schon schreien hören, ätsch ätsch ätsch!

Ich wünsch euch allen beschissene Weihnachten, besauft euch und krepiert!

Die Schlampe aus der dritten Etage.


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14. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Ich kann sicher sagen, dass ich im Namen von uns allen spreche, was die baldigen Genesungswünsche für Frau Bartsch-Levin angeht. Bitte unterstützen sie mich und schicken sie reichlich Karten mit Wünschen zur guten Besserung ins Sanatorium.

Die Direktion hat inzwischen die Absage unserer Feier am 20.12. beschlossen. Wir geben Ihnen an diesem Nachmittag bezahlte Freizeit.

Josef Benninger, Interimsleiter Personalabteilung

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Wintertraum

Da mich jeder fragt wie das „so ist, jetzt, mit der Bahn und so“, schreibe ich’s halt kurzerhand mal nieder, wie das so ist, mit der Bahn und so dieser Tage. Dann muss ich mich nicht jedes Mal wieder aufregen wenn mich einer fragt. Also nehmen wir mal rein exemplarisch den gestrigen Tag, Feierabend: Blick in’s Bahnorakel – der anvisierte Zug steht schon mal mit 10 Minuten Verspätung da, ich gehe 10 Minuten verspätet los und erfahre am Bahnhof, dass ich mich über 30 Minuten Rumstehen in Eiseskälte freuen darf. Kumpel Hakan schaut glücklicherweise auch vorbei, so können wir wenigstens gemeinsam jammern. Der Zug kommt dann tatsächlich nur 20 Minuten verspätet an (deshalb sollte man auch nicht das Gleis verlassen, sonst ist man ganz schnell verlassen), die Hälfte der Türen funktioniert nicht, in fröhlicher Prügelrunde verschafft sich die Meute Einlass, vorbei an den „Defekt“-Anzeigen der Toiletten geht’s in ein fast leeres Abteil. Warum es leer ist, klärt sich schnell: die Heizung ist kaputt. Aber warme Klamotten haben wir ja eh an, brauchen wir uns wenigstens nicht mühevoll aus den Mänteln zu pellen und auch Handschuhe vergisst man nicht, wenn man sie anbehält. Das die Reservierungsanzeige nicht funktioniert interessiert eigentlich keinen und den Ausfall des Bordrestaurants nehme ich auch nur noch als kleine Ergänzung am Rande zur Kenntnis. So ist das jetzt, dieser Tage. Noch Fragen? Achja, was erwartet mich heute:




Aber ich hab’ ja Verständnis, dass man aus Kostengründen mal auf kleinere Wartungsarbeiten verzichtet: die Bahn braucht ja jetzt Knete für Stuttgart 21. Da nehme ich doch gern die eine oder andere kleine Unannehmlichkeit in Kauf. Dochdoch – gern geschehen!