Montag, 11. Juli 2011

Alles neu

Und wieder einmal lasse ich faulheitshalber meine Ghostwriterin zu Wort kommen und freue mich, dass ich in meinem hohen Alter nicht mehr selber schreiben muss, sondern schreiben lasse - das Wort hat Schwester Gabi:


So ein Tag – Rückblick auf ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung


Spätestens beim Titel weiß jeder, daß der vorliegende Text nur dem Umzug des legendären FSV Mainz 05 vom Bruchweg-Stadion in die neue Arena gewidmet sein kann. Nun denn:
Der Erwerb der Eintrittskarten war allein schon eine höchst unterhaltsame Angelegenheit: Als ich aus der Tiefe Rheinhessens kommend das altehrwürdige Bruchweg-Stadion erreichte, bemerkte ich eine Menschenschlange, die sich auf dem Gelände des Bruchwegs liebevoll um die Außenwände des Stadions schmiegte; der Legende zufolge sollen einige Fans die Nacht vor dem Verkauf im Schlafsack vor den Kassen verbracht haben. Jedenfalls beschloß ich, den Kartenerwerbsversuch auf ein paar Stunden später zu verschieben und derweil einige andere Dinge zu erledigen. Stunden später 2.Versuch: Die erwähnte Anaconda hatte inzwischen eher die Länge einer Blindschleiche; geschätzte Wartezeit: Eine Zigarette. Womit ich richtig lag, und es gab sogar noch Karten für den S-Block...
Am Sonntag, den 3.Juli – dieses Datum wird keiner je vergessen! - zog ich dann mit Lilo auf den Bruchweg, zum letzten Spiel. Dieses war Dimo Wache gewidmet, beide Mannschaften – die Weißen und die Roten – rekrutierten sich aus altgedienten 05er-Fossilien, die schon in den 80er Jahren der vorigen Jahrhunderts unserm FSV zu Ruhm und Ehre verhalfen. Stadionsprecher Hafner und Sven Hieronimus kommentierten auch mit angemessenem Ernst das Spiel: „Do hinne des is de Janz – frieher uffm Schulhof hot er mir als uff die Fratz gehaache, heit isser moin Hausarzt.“
Und Hieronimus selbst konnte es nicht lassen und wechselte sich schließlich selbst ein, angetan mit einem Hemdchen mit der Aufschrift „Fehleinkauf“. Hafner:“Der Bewehschungslegastheniker! Der is jo wien Maikäfer: Wann er uff de Buggel fällt, brischt er sisch die Flühschel.“ Wir, das Publikum, besangen derweil die Schönheit seiner Haare...
Schließlich die Vorbereitung auf den Umzug, der von den üblichen Bedenkenträgern im Vorfeld dann doch nicht verhindert werden konnte, aber Hafner richtete doch noch mahnende Worte ans Volk: „ Bidde nit de Leit in de Vorgaade pisse, un Ihr duht Eich aach nit sonstwo übbergebbe, wann mir jetz enübber laafe. Also Ihr, isch net, isch muß misch schone!“
Und so latschten wir mit etwa 20.000 anderen Fans im Umzug mit. Natürlich gabs Schwellköpp, Garde, Fassenachtslieder – das Übliche halt. Und dann das neue Stadion: Schööööön!
Im Eingangsbereich gabs für jeden einen neuen Fanschal (davon kann man nie genug haben!), und wir suchten dann unsre Plätze im neuen S-Block. Nachdem das erledigt war, sagte ich zu Lilo: „ So, ich hol uns jetzt was zu essen.“ Nun, bei der Organisation der Verpflegung ist durchaus noch Luft nach oben; jedenfalls dauerte es schon ein bischen, bis ich unsre Feuerwürste hatte. Die dann aber in der gebührenden Andacht von uns gekaut wurden: Die erste Feierworschd im neie Schdadion!!!
Danach erfolgte das Absingen von Fassenachtsliedern; es kamen, wurden ausgebuht und laberten trotzdem: OB Beutel und König Kurt, letzterer mit einem 05er Schal um den Hals...



Zwischendurch hatte ich Anlaß, die sanitären Anlagen aufzusuchen, und konnte bei dieser Gelegenheit feststellen, daß die Anzahl der Damentoiletten endlich mal an den Anteil der Zuschauerinnen angepaßt worden ist; für Meßfremde: Wir stellen inzwischen etwas mehr als die Hälfte! So! Das hatte aufm Bruchweg u.a. zur Folge, daß ein Klobesuch weit im Voraus geplant werden mußte...
Das Eröffnungsprogramm war durchaus unterhaltsam, auch wenn die Stadtauswahl sich nicht so mit Ruhm bekleckert hatte: Achtmal Narrhallamarsch! Zwischendurch unser Hafner:“Achso ja: 's steht 4:0.“
Und Choreographie, Feuerzauber, Gesänge vom Domchor und den Mainzer Hofsängern, ein ums andre Mal „You'll never walk alone“; gegen 23.00Uhr war auch an diesem denkwürdigen Tag Feierabend und wir zogen uns geordnet zurück, glücklich, an diesem historischen Ereignis, von dem noch die nächsten Generationen sprechen werden, mit dabei gewesen zu sein!