Dienstag, 5. Juni 2012

Alle Jahre wieder

erhalten wir um diese Jahreszeit einen Frontbericht einer älteren Dame, die - same procedure as last year - genauso wie diese Bloggistin sich weigert, altersgerecht vor dem Kamin Socken zu stricken und statt dessen in den wilden Osten zieht. Wir lernen: nicht nur bei "Rock am Ring" weint der Himmel vor Freude:

"Wie jedes Jahr, hatte ich auch diesmal vor der Abfahrt damit gedroht, meine Erlebnisse in den Tiefen des Sachsenlandes aufzuschreiben, mit der unausweichlichen Folge, daß Ihr das Zeug lesen müßt....voila:
Die knapp 450 Kilometerchen waren auch dieses Jahr wieder mit vielen wanderfreudigen Baustellen angereichert, dazu kam – völlig überraschend – der Pfingstreiseverkehr, sodaß ich mich selbst mit allerlei Tiernamen bedachte und mir das Versprechen abnahm, aber nächstes Jahr ganz bestimmt schon am Donnerstag, und zwar bei guter Zeit, anzureisen. Jedenfalls kam ich dank diverser Umleitungen in Gegenden, bei denen ich nicht so ganz sicher bin, ob die schon auf Karten zu finden sind und ob die schon mit fließend Wasser und Elektrisch versorgt sind – interessant, sehr interessant!
In Leipzig angekommen und nach Erledigung der üblichen Einreiseformalitäten (Parkplatzsuchenbändchenholen ) ein weiterer Anlaß, meine Dusseligkeit zu bejammern: Jedes Jahr vergesse ich, an der Tanke meinen Wasserkanister zu befüllen. Das hat – auch jedes Jahr – zur Folge, daß ich mir erst einen freigiebigen Wasserhahn suchen und im Anschluß den Behälter zurück zum Auto tragen darf. Vielleicht lern ichs ja noch. Aber ich erblickte ein paar Meter vor mir zwei Jungs, die ihre leeren Sackkarren Richtung Parkplatz schoben – ich hatte da gleich ne Idee, und hat auch wunderbar funktioniert....
Abends gabs dann Clan of Xymox, ein paar Becherchen Rotwein und meine Laune war wieder gut.
Samstag wollte ich in die Innenstadt, Mark Benecke hat einen Vortrag gehalten über kriminologisch-forensische Fragen – wenn der mal bei Euch in der Nähe ist: Hingehen! Der Typ ist einfach klasse!!! Und weil sich das inzwischen rumgesprochen hat, war die Schlange vorm Zentraltheater eine Stunde vor Einlaß von imponierender Länge: Bis um die nächste Straßenecke, also sozusagen mit einer Windung. Wir sind aber alle gut reingekommen, das Theater hat über 600 Plätze, und alles war fein.
Die Fahrt vom Agra-Gelände in die Innenstadt fand ich auch recht putzig: Die Stadt hat ein paar Sonderbusse eingesetzt – zielgruppenorientiert – schwarz. Ich erstieg einen solchen, nahm Platz und wartete auf die Abfahrt, ein paar junge Leute setzten sich hinter den Fahrer und fragten, welche Strecke er fahren wollte:“Fährste wie die Linie 11?“ „ Dit weeß ik doch nüscht, wie die 11 fährt, wenn ik dit soll, müßt Ihr mir schon sagen, wo dit langgeht, weil, ik kenn mir hier ooch nüscht aus.“ „Und warum fährst Du dann???“ „Weil et mein Beruf is!“ „????“ „ Ik hab den Auftrach, hier allet einzusammeln, am Bahnhof abzukippen und denne wieder nach hier zu fahren „ Das versprach, interessant zu werden...
Am Bahnhof fiel mir als Erstes eine Durchsage der Verkehrsbetriebe auf: „Liebe Besucher des 21.WGT, Ihre Eintrittskarte bzw. Ihr Festivalbändchen berechtigt Sie zur Nutzung des öffentlichen Personenennahverkehrs. Sie reichen das Festivalgelände mit den Linien …. sowie mit den Sonderbussen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß und einen angenehmen Aufenthalt, Ihre Leipziger Verkehrsbetriebe“ Ich gab die Goldfischnummer und schnappte nach Luft: Sowas hab ich noch nicht erlebt! Nun, daß die Besucher des WGT sich gelegentlich etwas, na sagen wir mal, unkonventionell kleiden, ist vielleicht bekannt, und auch, und das hat mich wirklich in Erstaunen versetzt, nicht selten die Leutchen ihren Partner an der Leine bzw. Kette herumführen – nicht auf ner Party, sondern mitten in der Stadt!!! - und dieser Anblick noch nicht einmal für hochgezogene Augenbrauen sorgt – das ist für mein Empfinden schon erstaunlich. Jedenfalls kann ich mir lebhaft vorstellen, daß die Schwarzen in den ersten Jahren des Festivals vielleicht gelegentlich schon so ein bischen für Irritationen gesorgt haben. Und jetzt diese Durchsagen. Wie sich die Zeiten ändern...Gut, ein Teil erklärt sich durchaus schon damit, daß ca. 20 000 Besucher auch alle Jahre wieder soviel Valuta wie möglich dalassen sollen, und das ist schon ein handfester Grund, ein bischen nett zu dem skurilen Volk zu sein.
Weniger nett fand ich dies: Am Morgen habe ich meinen Gaskocher zur Mitarbeit überredet und mir einen Kaffee gekocht, als die Festival-Security in Form von zwei jungen Männern über den Parkplatz gelatscht kam. Sie kamen dann auch zu mir und erklärten, daß die örtliche Feuerwehr jedes offene Feuer und auch die Gaskocher verboten hätten und bei Zuwiderhandlungen müßte der Platz geräumt werden und das Ganze würde dann 500€ kosten....Ich hörte interessiert zu und kam zu dem Ergebnis, daß der junge Mann den Unfug, den er mir erzählte, ganz offenkundig selber glaubt. Und antwortete dem Jüngling:“ Horschemol, do kann garnix bassiern, weil isch bin selber Feierwehrfrau!“ (Was im Übrigen stimmt.) Davon war er a).beeindruckt und b). überzeugt und es war gut. Erstmal. Von der Neugierde getrieben konnt ich es aber nicht lassen, bei der Feuerwehr selbst mal nachzufragen, und, genau wie ichs mir gedacht haben: Alles hanebüchener Unsinn. Der eigentliche Grund war wohl eher der Wunsch der anwesenden Fressalienhändler, ihren Umsatz zu erhöhen....aber diese Art und Weise löst bei mir keine Begeisterungsstürme aus.
Aber alles in allem war es wieder fein, und ich fang dann mal so ganz langsam an, mich aufs nächste Jahr zu freuen, gelle!"

Wir danken Schwester Gabi für diesen erhellenden Bericht und freuen uns schon angenehm gruselnd auf das nächste Jahr!

Samstag, 21. April 2012

Issmalwiedersoweit

Auch wenn ich mein Blog in letzter Zeit sträflich vernachlässigt hab: es lebt noch - und ich auch! So ab Dienstag werde ich wohl wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben haben, allerdings nicht hier, sondern da - würde mich freuen, wenn ihr mal reinschaut, denn auch dort gibt es neue kleine Geschichten - Absurdistan ist überall!

Sonntag, 4. März 2012

Glück 2.0

Ich habe ja schonmal geschrieben über die liebevoll und glaubwürdig gestalteten Glücksbotschaften, wie sie wahrscheinlich jede/r von uns schon mal erhalten hat.

Was ich nun aus meinem Postkästchen gefischt habe, sieht aber schonmal um einiges professioneller aus:




Gut, ist noch die Beta-Version, aber schlappe 1,5 Millionen Pfund (ist zwar auch nicht mehr das, was es mal war, aber immerhin): da kann man schon einiges damit anstellen. Ich habe lange überlegt, was ich mit der ganzen Knete anfangen soll. Mir ist da leider gar nichts weiter eingefallen. Also: ich habe die Nachricht bekommen am 26.02.2012, einen Monat hat man Zeit, sich zu melden. Ich würde also die Botschaft gegen eine kleine Kostenpauschale von - sagen wir mal - 1.000 EUR - weitergeben. Das Geld werden ich nach Abzug all' meiner Kosten selbstverständlich einem guten Zweck zugute kommen lassen.

Bitte nur ernst gemeinte Angebote an

die Xiaomaus

Montag, 27. Februar 2012

Der neue Prometheus

Dieser Tage berichteten mir zwei meiner Freundinnen von ihrem sehr interessanten Besuch bei der Paracelsus-Messe zu Wiesbaden. Beide Damen würde ich eher der Pragmatiker-Schiene, mit gesunder Neugier und Offenheit für die Landschaft links und rechts vom Mainstream ausgestattet, zuordnen. Die beiden besuchten die Messe unabhängig voneinander und es war spannend, ihre Berichte aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln - Psychologin die eine, Tierärztin die andere - zu hören.
 Ach, was hätte ich so gern den Mann mit dem Mützchen-Aufsatz zwecks besserem Channelling gesehen, die Engelsbeschwörer, das Gerät für die Spirovital-Energietherapie - Atemluft, die von der Sonne und der Natur lernt - vorführen lassen. Auch energetischer Hausputz durch Räuchern, selbst hergestelltes Räucherwerk, Schutzsymbole wären bestimmt ein Stück Lebenshilfe gewesen. Verpasste Chance. Muss mein kleiner Staubsaug-Roboter weiter die Dreckjobs übernehmen.

Soweit, so erhellend.

Was mir die beiden Mädels dann aber vom Essen erzählt haben, das war mir dann aber wirklich zu viel: die Veggi-Szene rüstet gewaltig auf und der Trend geht dahin, jedes, aber auch wirklich jedes Lebensmittel, das nicht zur Philosophie passt, künstlich nachzubauen. Und so warteten auch riesige Mengen an Kunstkäse ohne Milchzusatz, Würste ohne Darm und Hühnerfleisch ohne Huhn auf ihre Verkostung. Es schmeckte wohl so lecker wie es klingt und ich frage mich schon, welche Geisteshaltung dahinter steckt, wenn man so viel Energie verbraucht, um ein völlig denaturiertes "Lebensmittel" herzustellen, das dann am Ende bestenfalls eine ziemliche miese Kopie des Echten ist. Versteht mich nicht falsch: ich bin durchaus der Auffassung, dass unser Umgang mit Lebewesen mehr als bedenklich ist und unser immenser Fleischkonsum nicht zu verantworten. Meine persönliche Konsequenz daraus ist: maßhalten! Lieber wenig Fleisch, aber dafür vom Metzger meines Vertrauens, der auch noch selbst schlachtet (haben wir glücklicherweise im Nachbardorf). Es gibt tolle vegetarische Gerichte, die es nicht nötig haben, sich für etwas anderes auszugeben, als sie sind.

Nein, dieser künstliche Kram, der kommt mir nicht auf den Tisch. In diesem Sinne: Mahlzeit!

Samstag, 25. Februar 2012

Wie war ich, Schätzchen?

Auch schon aufgefallen? - mittlerweile kann man keinerlei Dienste in mehr Anspruch nehmen, ohne dass hinterher sofort eine E-Mail (die weniger aufdringliche Variante) oder aber ein Anruf von einem freundlichen, dienstbeflissenen Menschen folgt, der ganz genau wissen will, ob man denn zufrieden war.
Die E-Mail kann ich schnell wegklicken - mach' ich auch meist. Wenn ich zufrieden bin, brauchen wir nicht weiter drüber zu reden, wenn nicht, lass' ich's die Herrschaften schon wissen. So ganz früher, als die Befragung noch nicht zur Pest mutiert war, habe ich mir tatsächlich die Mühe gemacht, eine kurze Rückmeldung zu geben. Betonung liegt auf "kurze". Was einem aber mittlerweile an Fragebögen um die Ohren gehauen wird, hätte in meiner Jugend, zu Zeiten des Volkszählungsboykotts, noch die Leute auf die Straße gebracht! Heute ganz normal. Wir schreiben heute ja schon in's Fratzenbuch Dinge, die wir früher noch nicht mal unter Folter ausgespuckt hätten. Und das ganz freiwillig.

Bei den Telefonaten wird es blöder. Gegenüber einer gequälten Kreatur, die in einem Callcenter - meiner persönlichen Vorstellung der Vorhölle -  arbeitet, habe ich dagegen Beißhemmung. Und da rief mich dieser Tage so ein Jüngling an, um mich zu irgendetwas zu befragen. Der Welpenschutz funktionierte, ich habe nicht gleich aufgelegt, mir aber vorbehalten, abzubrechen wenn ich keine Lust mehr habe. "Aber natürlich, das verstehe ich doch!" Ein Satz, der noch öfter fiel, weil ich einfach manche Fragen nicht mehr beantworten mochte. Der Junge hat alle Einwandbehandlungen aus dem Handbuch brav abgearbeitet. Doof halt, dass ich auch schon einige Lehrgänge in der Richtung erlitten habe und daher schnell merke, wenn jemand in die Trickkiste "schwierige Kunden" greift. Muss noch einiges lernen, der Bub.

Mein Appell an all' die Dienstleister, die nun auf einmal meinen, dass kein Auftrag fertig ausgeführt ist, solange man nicht hinterher den Kunden hochnotpeinlich befragt hat: Lasst es doch gut sein - nicht gemeckert ist auch gelobt!

Nachtrag: soeben komme ich vom Heimspiel des glorreichen FSV - wenn mich jetzt unser Mo anruft und fragt "wie war ich?", dann singe ich ihm noch ein "You never walk alone"!