Freitag, 23. August 2013


Mittlerweile schreibt meine Schwester ja fast mehr als ich, deshalb kriegt sie jetzt ein eigenes Label mit dem hübschen Namen "Fremdpost" - so können ihre gesammelten Werke dann auch gefunden werden

"Gabi aufm WGT – Auf ein Neues!



Von der Klassenfahrt kommend, feuerte ich die Dreckwäsche in die Maschine, packte die WGT-Klamotten zusammen, goß mir noch einen Liter Mädchenkaffee ins System und fuhr weiter nach Leipzig. Und kam mitten in der Nacht an. Alles in mir schrie nach Bier, und mit dem deutlichen Gefühl, dem nachgeben zu sollen, latschte ich vom Parkplatz, auf dem ich üblicherweise übernachte, zur Agrahalle. Und es gab noch Bier und ne leckere Currywurst – was will man mehr! In Gedanken versunken trat ich den Rückweg an, stand auf einmal vor einem schwarzen Kangoo und wunderte mich, dass dieser erstens offen stand und zweitens von mehreren Leuten auf der Ladefläche bevölkert war. "Häh? Ich hab die Karre doch ganz bestimmt abgeschlossen! Was geht denn hier ab???" So dachte ich. Und fragte dann auch höflich, aber bestimmt nach. "Nö, das ist nicht Deiner – der steht weiter vorne, und Du bist schon dran vorbeigelaufen…." Na, klasse!



Am nächsten Vormittag saß ich gemütlich und sehr entspannt neben meinem Fahrzeug, trank Kaffee und rauchte und überlegte, was ich mir heute so angucken und anhören will, als eine der jungen Frauen aus dem anderen Kangoo vorbeikam. Ich begrüßte sie freundlich. Und das war ein Fehler: Sie blieb stehen, fing an zu reden, erzählte die Geschichte ihres Lebens und sabbelte ohne Punkt, Komma und Rücksicht auf meine Nerven in einer Tour weiter. "Himmel, wie komm ich nur raus aus der Nummer?" Und betätigte unauffällig eine bestimmte Taste meines Handys, welches sehr brav dann auch klingelte. Gerettet! Und dabei gibt es sooo gute Medikamente…..



Nach diesem etwas nervigen Beginn des Tages beschloß ich, mir mal den Zoo und vor allem das Gondwanaland anzusehen, fuhr mit der Straßenbahn hin und ging rein. Der Zoo ist schon klasse, aber Gondwanaland der absolute Hammer! Das ist ein geradezu gigantischer Glaskuppelbau, in dem tropische Landschaften nachgebaut wurden, ein kleiner Flusslauf mit Booten und Viehzeug inklusive. Und das Klima ist auch tropisch: Feucht und heiß, das muß man schon mögen. Im Zoo konnte ich mal wieder feststellen, wie herzlos und gemein manche Menschen zu Tieren sind: Wie kann man nur so putzigen Tierchen mit so häßlichen Namen versehen????









Abends spielten zuerst Velvet Acid Christ, auf die ich schon Tage vorher ganz hibbelig vor Vorfreude war, aber die waren leider nicht so doll, jedenfalls kaum besser als "ganz nett". Aber dann spielten Suicide Commando und vor allem Leather Strip, und beide waren einfach grandios!

Und dann kam der echte Hammer: Eine Band namens Abney Park, hatte ich vorher weder gehört noch konnte die Richtung – Steam Punk – irgendwie einordnen, aber ich dachte mir: "Jetzt biste schon mal da, dann kannstes auch mal anhören." Und die waren – überraschend !




Von Leather Strip und Suicide Commando gibt’s keine Links – wer auf EBM steht, kennt die sowieso, alle anderen werden es eh nicht mögen. Oder guckt selber bei Youtube.





Nach dem Erwachen am nächsten Tag hatte ich den Einfall, mir in der Innenstadt ein Museum zu betrachten und entschied mich fürs Grassi-Museum für Völkerkunde. War schon interessant, viel spannender aber noch die Beobachtung, daß eine andere WGT-Besucherin ihren Partner am Halsband mit Leine durchs Museum zog und dieser Anblick aber wirklich niemanden sonderlich zu interessieren schien.

Auch dieser schräge Vogel kommt in meine Absurditätensammlung: Ich saß abends zwischen zwei Konzerten vor der Agrahalle an einem Biertisch, als ein Mann – sah garnicht schlecht aus, eigentlich so ein leckeres Kerlchen – sich zu mir setzte und fragte, ob ich auch später auf die Obsession - Bizarr – Party gehen wolle; er selbst sei sadistisch-dominant und würde auch keine Grenzen kennen; also: "Wollen wir nachher zusammen hin?" - "Danke für das freundliche Angebot, ich würde Dir dann ggf. den Arsch versohlen wollen!“ Das wiederum wollte er nicht. Schade!



Auffallend auch in diesem Jahr, daß sich ganz Leipzig fein gemacht hat, extra für das schwarze Volk:











Einen Nachteil hat es immer wieder: Ist viel zu schnell rum! Aber nächstes Jahr isses ja wieder!"















Freitag, 16. August 2013

Fremdpost

Damit auch dieses Blog mal wieder ein wenig Leben erfährt, hier mal wieder ein Frontbericht meiner holden Schwester, der mich daran zweifeln lässt, dass es so etwas wie "mit Würde altern" gibt. Warum auch.



"Klassenfahrt

Einleitende Bemerkung:
Im Moment darf ich mich mit noch 19 anderen Krankenschwestern und – pflegern weiterbilden. Fachpflege Psychiatrie, also zuständig für lockere Schrauben und Sockenschuß…
Dauert 2 Jahre. Und wir waren auf Klassenfahrt. In Saarbrücken, das liegt mitten im Saarland. Und dort in der Jugendherberge.
Auf der Fahrt dorthin gingen mir Bilder durch den Kopf von Waschbeckenreihen, Gemeinschaftsduschen, kleinkarierte Jugendherbergsbettwäsche und den stets übellaunigen Herbergseltern. Und dieser ganz eigene Geruch, nach – Jugendherberge. Hagebuttentee in riesigen Blechkannen, Küchen – und Speiseraumdienst, vor dem sich jeder nach Kräften drückte. Kennen wir ja alle noch. Abends dann das obligatorische Besäufnis mit einem Sechserpack Bier, von dem wir zu zehnt dann auch reichlich bedient waren….
Ins Hier und Jetzt wurde ich jäh katapultiert, als ich bei der Ankunft furchtbare Schreie hörte, von der Art, die in jedem amerikanischen Filmchen auf Anweisung des Regisseurs von mindestens einer weiblichen Protagonistin im höchsten Diskant vorgetragen werden muß: Zwei Kolleginnen verkündeten mit vor Entsetzen geweiteten Augen, die auf das Smartphone gerichtet waren: "Ich komm nicht ins Internet!". "Auch nicht bei Facebook, was mach ich jetzt bloß?", so die andere. Was sich da breitmachte, war echte Panik. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben überlebt. Alle.
Nach dem Auspacken besorgten wir uns in angemessenem Umfang Getränke für den Abend; "Mer brauche Madrial fer zum Veschaffe!!" , vertrieben uns die Zeit mit Unterricht und zogen im Anschluß durch Saarbrücken, gingen essen und begannen schon mal, uns den Arsch zuzusaufen. Also alles, wie sich's gehört. Das Ganze endete auf dem Parkplatz vor der Jugendherberge, wo wir auf der Bordsteinkante hockten, noch das eine oder andere Kaltgetränk nahmen und tiefsinnige Gespräche führten. Ein Kollege wollte dieses nette Beisammensein noch musikalisch untermalen lassen, fuhr zu diesem Zwecke mit seinem Auto rückwärts ran, klappte das Heck auf, ließ Musik laufen und nutzte die Ablage, um noch eine Zigarette zu drehen. Also so eine etwas dickere…
In diesem Moment kam der Nachtwächter langsam auf uns zu. Ich hab ihn auch rechtzeitig gesehen, stand auf und deckte das begonnene Bauwerk des Kollegen mit meinem Tabaksbeutel ab. Der Nachtwächter erzählte das Übliche von "Ruhestörung" und "ab 22.00Uhr Nachtruhe" und schlug vor, daß wir einfach an einem nahegelegenen Weiher weitertagen sollten. "Aber nicht mitm Auto, Ihr seid ja total besoffen". Ganz falsch lag er damit ja nicht. Nur, daß der Kollege völlig ungerührt währenddessen meinen Tabak auf die Seite räumte, um sein Werk zu vollenden, brachte uns schon ein bischen in Atemnot. Der Nachtwächter: "Und dann auch noch mitm Joint im System, nee, also fahren könnt Ihr nich mehr!!" Das haben wir dann auch gelassen.
Am nächsten Tag gingen wir nach dem Unterricht noch mal die Materialvorräte durch und kamen zu dem Ergebnis, daß diese zwar noch ausreichen würden, wir aber – zur Sicherheit – lieber nochmal in den ca.50 Meter entfernten Netto-Markt laufen sollten, um wenigstens noch einen Kasten Bier zu erwerben. Wir waren zu fünft, liefen los, kauften den Kasten und stellten ihn erstmal auf dem Parkplatz vorm Netto ab. Nun sind wir, wie bereits erwähnt, alles Krankenschwestern und auch – pfleger und alle deutlich über 20; eine Eigenschaft, die auf mich in ganz besonderem Maße zutrifft. Warum ich das so betone? Darum: Wir standen also auf dem Netto-Parkplatz zu fünft um den Kasten Bier herum, als der erste Kollege sorgenvoll auf diesen blickte und erklärte: "Mer misse Gewischd reduziern!". "So isses! Alla dann!" So standen wir also auf dem Netto-Parkplatz, jeder in der einen Hand ein Bier und in der anderen die Kippe, babbelten wirres Zeug und es ging uns gut.
Alles in allem Klassenfahrt wie früher. Naja, fast…"