Samstag, 6. Mai 2017

Acht Unsterbliche

Acht Unsterbliche


Nachdem wir wie Versuchsratten in einem Labyrinth, die ihren Weg erschnüffeln müssen, durch ein Parcours von wunderbaren Dingen, die man uns verkaufen will - wie z.B. Kalebassen mit Hütchen drauf und Lederbörsen in Fischmaulform, sowie Sachen, die ich nicht einmal annähernd beschreiben kann - geführt wurden, bevor wir den Ausgang aus dem Touristenzentrum endlich erreicht haben, eröffnet uns Zhang den weiteren Tagesverlauf. Eigentlich hätten wir uns gut vorstellen können, bald in unser Hotel zurückzufahren und noch ein kleines Nickerchen zu halten. Aber auf dem Weg liegt der aus Ruinen auferstandene Tempel der Acht Unsterblichen und außerdem die Kurklinik des Doktors aus der Akademie. Der hatte dort vor ein paar Jahren eine Praxis für TCM aufgemacht und Elli und ich hatten uns dort schon einmal mit interessantem Ergebnis behandeln lassen.


Das Haus liegt etwas abseits der Straße, idylisch gelegen inmitten eines Hains mit vielen unterschiedlichen Pflanzen, die der gute Doktor dort angebaut hat. Was für ein Schatz - besonders, weil die Pflanzen, die hier wachsen, weitgehend unbelastet Umweltgiften sind. Der Sohn des Arztes ist ein Freund von Zhang. Er heißt uns herzlich willkommen und lässt uns erst einmal auf der Terrasse in der Sonne Platz nehmen, bevor er uns Tee und später gesunden Aufguss aus 30 Jahre alten Orangenschalen und Kiwi serviert. Wofür oder gegen das helfen soll, habe ich vergessen, jedenfalls war der Geschmack sehr ungewöhnlich und längst nicht so schlimm, wie ich es bei sonstigem Gebräu aus der ärztlichen Küche kenne. Es herrscht friedliche Stelle und wir genießen unsere ausgiebige Rast. 


Als zum Essen gerufen wird, bin ich überrascht: der junge Arzt hat mit Freunden Gerichte gezaubert, die qualitativ alles toppen, was ich in den letzten Tagen so zu mir genommen habe. Es sind vegetarische Gerichte, wohl alles selbst angebaut und hervorragend schmackhaft gewürzt. Als wir später bezahlen wollen, wird dies rigoros abgelehnt. Da werden wir uns etwas einfallen lassen, wie wir diese Freundlichkeit vergelten können.


Ein paar Minuten entfernt, geht es zu dem Tempel. Ich kenne ihn nur aus Legenden und bin deshalb sehr gespannt. Der junge Arzt öffnet uns die Pforte. Es gibt wohl einen Deal, dass sein Vater das Gebäude für die Klinik bekommt und er sich im Gegenzug um den Tempel kümmern soll. Wer allerdings für die neuen Figuren, die die Acht Unsterblichen darstellen sollen und natürlich im Hauptgebäude Zhen Wus Statue, verantwortlich ist, möchte ich gar nicht hinterfragen. Die Gesichtszüge sind sehr, nun ja, modern interpretiert. Ich finde die Gestaltung ziemlich unpassend, nackt, unfertig wirkend (ist wohl auch so). Ich kann die Enttäuschung der Leute, die den alten Tempel noch kannten, gut verstehen. Aber die Atmosphäre und die Umgebung sind toll. Mal schauen, wie es hier in ein paar Jahren aussieht. Kann nur besser werden.


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