Freitag, 5. Mai 2017

Klassenausflug

Wie geplant, ziehen wir am frühen Nachmittag los, um zum "Golden Top" zu reisen. Es regnet zwar in Strömen, aber wir sind davon überzeugt, dass wir gefälligst morgen einen sonnigen und trockenen Tag inklusive zauberhaftem Sonnenaufgang erleben werden. So viele Wetter-Apps können sich gar nicht irren. Wir kommen gerade rechtzeitig mit der Seilbahn oben an, als die Lautsprecher schon die Tagestouristen zusammenrufen, da der Berg jetzt geschlossen wird. Wir tappen zu dem Hotel, das meine Erwartungen voll erfüllt. Elli und ich teilen uns ein mäßig feuchtes Zimmer, in dem der Schimmel nur zur Hälfte die Wand mit Ornamenten verziert. Andere haben nicht soviel Glück, können aber nach zähen Verhandlungen ein anderes Zimmer ertauschen. 


Nach kurzer Zimmerinspektion treffen wir uns wieder in der Lobby. Und nun? Es ist kurz nach vier, das Wetter lädt nicht gerade zum Spazieren ein, die Zimmer auch nicht zu einem längeren Aufenthalt. Wie Zhang richtig bemerkt: hier kann man eigentlich nur essen, um die Zeit herumzubekommen. Mangels Kaffee und Kuchen lassen wir uns erst einmal dünne Pfannkuchen mit Ei braten. Für jeden auf die Hand, schmeckt schon mal gar nicht schlecht. Wie Zhang uns verrät, ist das Frühstück hier unterirdisch, so dass wir wohl auch am nächsten Morgen hier unseren Magen füllen werden. Wir finden einen Raum mit Sofa, dort bekommen wir Tee serviert und können uns jetzt sehr lange Gedanken machen, was wir zu Abend essen wollen. Das Personal ist sehr geschäftig, zumal wir wohl die einzigen Gäste sind. Außer uns tummelt sich hier nur anderes Personal vom Berg, das hier die Zeit verbringt, bis am nächsten Morgen die Seilbahn wieder anläuft. So kenne ich das auch von den Berghütten in den Alpen.


Nach einer Stunde wird der Hotpot mit lecker Hühnerfüßchen und Hahnenkamm serviert. Außerdem werden diverse Gemüse und Wildkräutergericht gereicht, die größtenteils hier oben auf 1400 m angebaut werden und nur hier wachsen. Schmeckt alles sehr lecker, wenn auch etwas fett zubereitet. Bekömmlich geht anders und mein Magen hat mir noch lange sehr viel dazu zu sagen. Nach dem Essen ziehen wir uns wieder auf die Couch zurück, richtig nette Wohnzimmeratmosphäre, hin und wieder schaut eine Elfe herein und prüft, ob wir noch genug Bier haben und wir lassen den Abend mit lustigen Anekdoten ausklingen.

Nach einer kurzen Nacht stehe ich gern um 4.30 h von dem brettharten und klammen Bett auf, Dusche stand hier eh nie zur Debatte, noch schnell ein Instand-Kaffee und Schritt vor das Hotel: Tata! - es ist trocken und klar. Ein Dankeschön an Zhenwu, der unsere Reise mit so viel Wohlwollen begleitet. In der Dunkelheit steigen wir die Treppen zu einer Plattform auf und warten. Ein paar Händler, die dort ihre kleinen Verkaufsstände haben und dort auch schlafen, wittern unsere Anwesenheit, rumms, geht der erste Laden auf und eine quakende Dauerschleife irgendeiner Reklame tönt über den Platz. Was hätte uns gefehlt, hätten wir diesen Moment in Stille verbringen müssen.


Nach einer Weile verlässt uns Zhang, ihm ist zu kalt und außerdem hat er uns pflichtgemäß zum Felsen gebracht und will offensichtlich wieder zurück in das verheißungsvolle Nest. Sei ihm gegönnt. Endlich taucht die Sonne auf - zwar nicht so wahnsinnig spektakulär, wie es die stark gephotoshoppten Bilder, die überall zu sehen sind, erwarten lassen, aber sehr hübsch. Um 6 Uhr öffnen sich auch die Tore des Tempels und wir nutzen die Chance gerne, noch die letzten Meter zum Tianzhu zu erklimmen, um zum eigentlichen "Golden Top", zu gelangen. Wunderbar, diese Ruhe - in wenigen Stunden wird hier wieder alles voll von schnatternden Touristen sein, die sich daran erfreuen, beieinander zu sein. Andere Länder, andere Sitten.


Langsam wird es Zeit, unser frugales Frühstück einzunehmen, die Zimmer zu räumen und wieder nach unten zu schweben. Auf dem Rückweg begleiten uns Achim und Yan, die wohl den Fußweg von Nanyan etwas unterschätzt haben und trotz Aufbruch um 2.30 Uhr bis zum Sonnenaufgang nicht am Gipfel waren. Schade, aber vielleicht beim nächsten Mal. Auch wenn ich bei Yans Anblick Zweifel über ein "nächstes Mal" habe. Wir teilen uns eine Gondel und Yan ist auffällig still. Als Elli sich umdreht um zu fotografieren, verliert sie fast die Nerven und gesteht, dass sie vor lauter Angst vor dieser Fahrt fast lieber gelaufen wäre. Konnte sie aber nicht mehr. Als sie starke Zweifel an der Sicherheit der Gondelfahrt äußert, lenke ich ihre Aufmerksamkeit auf ein Firmenschild, das auch mein Herz ruhiger schlagen lässt: Doppelmayr steht dort. Die habens gebaut. Und zwar um einiges vertrauenserweckender als das Vorgängermodell, mit dem zu fahren ich vor einigen Jahren das zweifelhafte Vergnügen hatte. Ich erkläre Yan, dass diese österreichische Firma bekannt durch Lift- und Gondelbau in den Alpen sicher einen ordentlichen Job gemacht haben. Nicht chinesisch? Sie lehnt sich entspannt zurück.


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